SpOn 10.02.2026
16:58 Uhr

Die Deutschen kaufen Bio, aber bauen zu wenig Bio an


Die Deutschen greifen immer mehr zu Bioprodukten, und die Bauern kommen mit dem Anbau nicht hinterher. Nicht nur Verbände wollen, dass mehr Landwirte jetzt umstellen.

Die Deutschen kaufen Bio, aber bauen zu wenig Bio an

Die Nachfrage nach Bioprodukten boomt trotz höherer Preise, und die Landwirte stellen nicht in so großer Zahl auf Bio um, wie der Markt wächst. Das hat der Spitzenverband der Biobranche, BÖLW mitgeteilt. Demnach ist der Umsatz mit Biolebensmitteln 2025 in Deutschland um 6,7 Prozent gestiegen, die Anbaufläche für Bioprodukte dagegen nur um 1,1 Prozent gewachsen.

Der Bioanteil an der Gesamtfläche in Deutschland betrage 11,7 Prozent. Damit wirtschafte derzeit jeder siebte Hof in Deutschland ökologisch. Andere Länder in Europa sind weiter: Österreich, Estland, Griechenland und Portugal liegen jenseits der 20 Prozent.

Der Anteil an Biolebensmitteln steigt zwar stetig, macht aber bisher nur einen kleinen Teil des gesamten Lebensmittelumsatzes aus. 2025 betrug er nach Verbandsangaben 6,6 Prozent. Trotz höherer Preise griffen auch junge Menschen zu Bioprodukten, darunter 90 Prozent der Käufer und Käuferinnen der Gen Z.

Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) forderte die Landwirte zur Umstellung auf Bioerzeugung auf. »Die Chancen für umstellungswillige Betriebe sind so gut wie schon lange nicht mehr.« Bayern habe sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 den Anteil an Bioanbau auf 30 Prozent der Fläche auszubauen. Bisher werden 14 Prozent der Anbaufläche biologisch bewirtschaftet. Das Bundesland ist deutschlandweit mit mehr als 32.000 Quadratkilometern Spitzenreiter bei der landwirtschaftlich genutzten Fläche .

Die große Nachfrage nach Bioware werde laut Kaniber von der bayerischen Landwirtschaft noch nicht widergespiegelt. Etwas mehr als 300 der rund 11.800 bayerischen Ökobetriebe seien aus der Förderung des Ökolandbaus ausgestiegen, 266 seien auf der anderen Seite dazugekommen.

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»Wir sehen, dass die Umstellerzahlen hinter den Erwartungen zurückbleiben«, sagte auch die BÖLW-Vorstandsvorsitzende Tina Andres. Die Bioanbaufläche wachse in Deutschland pro Tag um 80 Fußballfelder. »Aber das ist zu wenig«, sagte Andres. »Wir überlassen den Markt ohne Not anderen Ländern, anderen Akteuren«, betonte sie.

Die Grünen kritisierten das politische Umfeld. Die Nachfrage nach Biolebensmitteln in Europa wachse, trotzdem gehe die Umstellung auf ökologischen Landbau zurück, gerade in Deutschland, sagte der Grünen-EU-Parlamentarier Martin Häusling. »Das ist absurd und Ausdruck politischer Kurzsichtigkeit.«

naw/dpa