Die Bundesregierung steigt einem Medienbericht zufolge mit 25,1 Prozent beim Stromnetzbetreiber Tennet Deutschland ein. In einem ersten Schritt würden Aktien von den Niederlanden erworben, berichtet die »Börsen-Zeitung« in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf Insider. Darüber sei eine Grundsatzeinigung zwischen den Vertragsparteien erzielt worden. Für die Zukunft erwägt der Bund dem Bericht zufolge sogar die Übernahme der Kontrollmehrheit bei Tennet Deutschland.
Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Mitte November auf Basis von Dokumenten des Finanzministeriums berichtet, dass die Bundesregierung einen Einstieg beim Stromnetzbetreiber Tennet vorbereitet. Dafür trifft sie im Bundeshaushalt für 2026 finanzielle Vorkehrungen in Milliardenhöhe. Die Beteiligung in Höhe von 25,1 Prozent an Tennet Deutschland solle über die staatliche Förderbank KfW erfolgen, hieß es schon damals.
7,5 Milliarden Euro im Haushaltsetat für 2026 eingeplant
Die Bundesregierung hat laut »Börsen-Zeitung« bereits 7,5 Milliarden Euro für den Tennet-Einstieg im Haushaltsetat für 2026 eingeplant. Im ersten Schritt werde für die bestehenden Aktien ein Betrag von rund 3,5 bis vier Milliarden Euro ausgegeben. Offen sei noch, ob danach neue Aktien aus künftigen Kapitalerhöhungen oder bestehende Aktien der Niederländer erworben würden, um den Anteil stabil bei 25,1 Prozent zu halten.
Die niederländische Regierung hatte den Verkauf eines Minderheitsanteils an der Deutschland-Tochter des staatlichen Stromnetzbetreibers Tennet an ein Konsortium angekündigt. Sie will auch Deutschland ins Boot holen. Tennet Deutschland verfügt über Stromleitungen mit mehr als 14.000 Kilometer Länge und ist damit der größte Übertragungsnetzbetreiber.
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Der Bund liebäugelt dem Bericht zufolge sogar mit einer Kontrollmehrheit bei Tennet Deutschland. Dafür würde ein Konsortium mit kapitalkräftigen Investoren wie Apollo, Blackstone oder Brookfield gebildet. Die Gespräche darüber befänden sich in einem frühen Stadium. Tennet Holding sowie das Bundeswirtschaftsministerium lehnten laut »Börsen-Zeitung« einen Kommentar ab.
