SpOn 21.11.2025
12:32 Uhr

Deutschland: Zahl der Straftaten gegen Frauen und Mädchen nimmt zu


Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 308 Frauen und Mädchen durch geschlechtsspezifische Gewalt ums Leben gekommen. Die Tatverdächtigen waren in vielen Fällen Partner oder Ex-Partner.

Deutschland: Zahl der Straftaten gegen Frauen und Mädchen nimmt zu

In Deutschland sind im vergangenen Jahr 308 Frauen und Mädchen gewaltsam getötet worden, 191 davon durch Partner, Ex-Partner, Bekannte oder Familienmitglieder. Das geht aus einem Bundeslagebild  hervor, das Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU); Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Holger Münch, vorgestellt haben. Es basiert auf Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik.

2024 wurden demnach 859 Frauen und Mädchen Opfer versuchter und vollendeter Tötungsdelikte. Im Vorjahr waren es 938 Fälle gewesen, 340 endeten tödlich. Die Zahl war bislang öffentlich mit 360 angegeben worden. Grund für die Änderung im aktuellen Bundeslagebild ist eine neue Erfassungsmethode.

Das Bundeslagebild »Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024« definiert eben diese Straftaten wie folgt: Einerseits geht es um Straftaten, deren Tatmotivation auf frauenfeindlichen Vorurteilen basiert. Andererseits um Delikte, die vor allem Frauen betreffen – laut dem Bericht sind das »insbesondere alle strafrechtlich relevanten Handlungen ..., welche geeignet sind, zu einem körperlichen, psychischen oder ökonomischen Schaden zu führen, oder mit sexualisierter Gewalt einhergehen.«

Anders als bei den Tötungsdelikten stiegen bei allen anderen gegen Frauen gerichteten Straftaten im vergangenen Jahr die registrierten Opferzahlen:

  • 53.451 Frauen wurden Opfer von Sexualstraftaten (+2,1 Prozent), fast die Hälfte aller Opfer waren unter 18 Jahre alt

  • 187.128 Frauen wurden Opfer häuslicher Gewalt (+3,5 Prozent)

  • 18.224 Frauen wurden Opfer von digitaler Gewalt, wie Nötigung, Bedrohung oder Stalking (+6 Prozent)

  • 593 Frauen wurden Opfer von Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung (+0,3 Prozent)

Auch die Zahl der Tatverdächtigen nahm in diesen Bereichen teils deutlich zu. In allen Fallgruppen handle es sich bei einem großen Teil der Verdächtigen um frühere oder aktuelle Partner.

Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen

Die Fachberatungsstelle Frauen Notruf in Hamburg ist unter der Telefonnummer 040 255566 erreichbar, per E-Mail unter kontakt@frauennotruf-hamburg.de .

Der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe gibt online Auskunft  über Hilfsorganisationen in ganz Deutschland.

Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen des Bundes hat die Telefonnummer 116016 und kann rund um die Uhr angerufen werden.

Über die Seite des Vereins Frauenhauskoordinierung finden Betroffene die Kontaktdaten  von Frauenhäusern und Beratungsstellen.

In die Statistik schaffen es nur Fälle, die auch bekannt oder gemeldet werden. Besonders bei häuslicher und digitaler Gewalt gebe es ein großes Dunkelfeld, heißt es in dem Bericht.

Gewalt gegen Frauen steige weiterhin deutlicher als Gewaltkriminalität insgesamt an. Das könne, müsse aber nicht zwingend bedeuten, dass es tatsächlich mehr Fälle gebe. Es könne auch damit zusammenhängen, dass Taten öfter angezeigt würden.

Mehr zum Thema

Darüber hinaus wurde auch ein gesondertes Bundeslagebild zum Thema häusliche Gewalt  vorgelegt. Dazu zählen Gewalt gegen Partner oder Ex-Partner sowie innerfamiliäre Gewalt auch gegen weiter entfernte Familienmitglieder. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr demnach 265.942 Opfer häuslicher Gewalt, ein neuer Höchststand. Mehr als 70 Prozent von ihnen waren weiblich.

286 Menschen wurden 2024 im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt getötet: 95 davon Männer, 191 Frauen. Bei 132 Frauen und 24 Männern war der oder die Tatverdächtige (Ex-)Partner oder (Ex-)Partnerin.

Ein Forschungsteam hat neue Erkenntnisse zu Tötungsdelikten an Frauen und Mädchen vorgelegt. Deutlich weniger Fälle als öffentlich ausgewiesen lassen sich demnach als Femizide klassifizieren. Mehr dazu lesen Sie hier. 

esw/dpa