Auf EU-Ebene wurde der Weg bereits frei gemacht, nun soll es in Deutschland umgesetzt werden: Der Wolf soll leichter abgeschossen werden dürfen. Der Bundestag hat für die Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz gestimmt. Mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition und der AfD wurde das Tier ins Jagdrecht aufgenommen. Unter anderem können damit sogenannte Problemwölfe einfacher getötet werden – etwa, wenn sie Zäune überwunden und Schafe gerissen haben.
Allerdings muss nach dem Bundestag auch noch der Bundesrat zustimmen, bevor die Neuregelung in Kraft treten kann.
Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich binnen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Im Jahr 2023 sollen es 20.300 Tiere gewesen sein. Allein in Deutschland wurden zuletzt nach Behördenangaben mehr als 1.600 Wölfe gezählt. Während Tierschützer diese Entwicklung begrüßen, sorgen sich Weidetierhalter um die Sicherheit ihrer Schafe, Ziegen und Kälber.
Die Bundesregierung hebt die Wiederansiedlung des Wolfs dabei zwar als »Erfolg der Artenschutzpolitik« hervor, betont jedoch zugleich die Probleme, die damit einhergehen. Nach offiziellen Angaben gab es im Jahr 2024 rund 1100 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, bei denen rund 4300 Nutztiere gerissen oder verletzt wurden, meist Schafe. Den Landwirten wurden dafür insgesamt 780.000 Euro an Entschädigung gezahlt. Zugleich wurden 23,4 Millionen Euro für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben.
Naturschützer wie BUND, WWF und Tierschutzbund kritisieren die Gesetzesänderung vor der Abstimmung scharf. Sie raten von einer »anlasslosen« Jagd auf Wölfe ausschließlich auf Basis der Bestandsgröße ab, auch weil so die Rudelstrukturen zerstört werden könnten. Im schlimmsten Fall gäbe es dann anschließend sogar mehr Angriffe auf Nutztiere. Stattdessen solle sich die Politik auf die Entnahme von Problemwölfen konzentrieren und die bisherigen Regelungen in dieser Richtung »praxisorientiert« überarbeiten.
Im Baltikum findet die Jagd auf Wölfe längst statt. Der Naturschutzbiologe Tiit Maran erklärt, warum die Diskussion so emotional geführt wird und was Deutschland von Estland lernen kann. Das ganze Interview lesen Sie hier.

