SpOn 18.02.2026
07:00 Uhr

Deutschland: Inflation steigt im Osten besonders stark


In ostdeutschen Bundesländern sind die Preise stärker gestiegen als im Westen, zeigt eine Ifo-Auswertung. Vor allem zwei Bereiche im Warenkorb sorgen dabei für Unterschiede.

Deutschland: Inflation steigt im Osten besonders stark

Die Inflation hat in den vergangenen fünf Jahren in einigen ostdeutschen Bundesländern und Bremen deutlich härter zugeschlagen als im Westen. In Brandenburg, dem Land mit der höchsten Inflation, fiel der Preisanstieg um fast vier Prozentpunkte höher aus als in Hamburg, dem Land mit dem geringsten Plus, ergab eine Auswertung des Ifo Dresden.

Bundesweit lag die Inflation im betrachteten Zeitraum 2020 bis 2025 bei 21,8 Prozent. In Brandenburg fiel sie allerdings um 1,8 Prozentpunkte stärker aus, in Bremen und Sachsen um 1,7 Prozentpunkte und in Sachsen-Anhalt um 1,6 Prozentpunkte. Am anderen Ende der Skala liegt Hamburg, wo die Inflation um 2,1 Punkte niedriger ausfiel als im Bundesschnitt. Schleswig-Holstein blieb einen Prozentpunkt unter dem Durchschnitt, Hessen um 0,8 und das Saarland um 0,7 Prozentpunkte.

Berlin ist das einzige ostdeutsche Bundesland mit unterdurchschnittlicher Inflation. Die Differenz zu Gesamtdeutschland sind 0,6 Prozentpunkte.

Mindestlohn als Treiber?

Wichtigster Treiber für die Unterschiede waren die Kosten für Wohnen im weiteren Sinne, also inklusive Wasser, Strom und Brennstoffen. Hier stiegen die Preise in Hamburg beispielsweise deutlich langsamer als im Durchschnitt, in Bremen dagegen deutlich schneller. Weil die Wohnkosten zudem einen hohen Anteil im Warenkorb haben, schlagen sich Unterschiede hier auch besonders stark nieder.

Die überdurchschnittlichen Anstiege in Brandenburg oder Sachsen sind allerdings nicht auf diesen Bereich zurückzuführen. Dort trieb insbesondere der Bereich andere Waren und Dienstleistungen die Inflation stärker als im Bundesschnitt. Zu dieser Kategorie zählen beispielsweise Friseure, Pflege oder Versicherungen. »Denkbar wäre, dass die Anhebung des Mindestlohns in Ostdeutschland stärker auf die Preise durchschlägt als in den westdeutschen Bundesländern«, schreiben die Autoren Ricarda Kluth, Robert Lehmann und Marcel Thum.

Die beiden Faktoren erklären auch die Berliner Sonderrolle im Osten: Die anderen Waren und Dienstleistungen legten hier nur leicht überdurchschnittlich zu, die Wohnkosten blieben dagegen hinter der Entwicklung zurück. Den Autoren zufolge wohl auch durch den Mietendeckel.

Schaut man allerdings auf die Stundenlohnentwicklung, ergibt sich ein anderes Bild. Und es fällt für den Osten sehr viel günstiger aus. Die vom Ifo Dresden ausgewerteten Daten hier reichen allerdings nur bis 2024, sind also ein Jahr älter als bei der Inflation.

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Am besten schneidet dabei Thüringen ab, wo die Löhne von 2020 bis 2024 um 3,6 Prozentpunkte stärker gestiegen sind als die Preise. Dahinter folgt Berlin mit 2,6 Punkten Plus vor Mecklenburg-Vorpommern mit 2,5, Brandenburg mit 1,7, Sachsen-Anhalt mit 1,4 und Sachsen mit 1,3.

Am negativsten fällt die Bilanz in Bremen aus, wo unterdurchschnittlich steigende Löhne auf überdurchschnittlich steigende Preise treffen. Am Ende steht ein Minus von 3,9 Prozentpunkten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es im Vorspann, die Inflation sei gestiegen. Tatsächlich sind die Preise gestiegen. Wir haben die Stelle korrigiert.

hej/dpa