SpOn 26.02.2026
18:08 Uhr

Deutsche Umwelthilfe mit Erfolg vor Gericht - Förder-Stopp für Mittelplate


Der Konzern Wintershall Dea darf vorerst kein Öl mehr im deutschen Wattenmeer fördern. Ein Gericht untersagte den Betrieb der Plattform Mittelplate. Die Deutsche Umwelthilfe feiert das Urteil als »historischen Sieg«.

Deutsche Umwelthilfe mit Erfolg vor Gericht - Förder-Stopp für Mittelplate

Die Ölförderung auf der Nordsee-Bohrinsel Mittelplate soll mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Das hat das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht entschieden. Die Bohrinsel habe derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis, sagte eine Sprecherin des Gerichts. In einem Eilverfahren hatte zuvor die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geklagt.

Eine Gerichtssprecherin sagte der Nachrichtenagentur dpa, es müsse alle zwei Jahre eine Bestandsprüfung vollzogen werden. Dabei sei die Verträglichkeitsprüfung der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) ausgeblieben. Das Gericht habe daher eine Förderung bis auf Weiteres untersagt. Eine Beschwerde des Betreibers habe keine aufschiebende Wirkung, hieß es.

Die Umwelthilfe sprach in einer Mitteilung  von einem »historischen Sieg« für den Schutz des Wattenmeeres. »Deutschlands größtes Weltnaturerbe darf nicht ohne gründliche Prüfung der Naturschutzauswirkungen der Ölförderung ausgebeutet werden«, erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. »Das Wattenmeer ist eines der empfindlichsten und wertvollsten Ökosysteme Europas und darf nicht weiter durch Ölförderung gefährdet werden.« Die Plattform sei veraltet. »Mit jedem Tag steigt die Gefahr eines Unfalls.«

Wintershall Dea will Urteil prüfen

Ein Sprecher des Betreibers Wintershall Dea Deutschland sagte der dpa, das Unternehmen wolle die Entscheidung sorgfältig prüfen. »Nach unserer Überzeugung erfolgte die Zulassung des Hauptbetriebsplans für die Bohr- und Förderinsel Mittelplate unter Einhaltung aller geltenden rechtlichen Vorgaben.« Auch der Betrieb der Anlage sei stets unter enger staatlichen Beaufsichtigung im Einklang mit den bestehenden Regelungen erfolgt.

Die Umwelthilfe geht seit Jahren gegen den Weiterbetrieb der Plattform vor. Im Oktober 2024 legte sie Widerspruch gegen die Ölförderung beim zuständigen niedersächsischen Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ein, der jedoch als nicht fristgerecht zurückgewiesen wurde.

Als Grund hatten die Umweltschützer angeführt, dass die Auswirkungen der Ölförderung auf das Wattenmeer gemäß einer Verträglichkeitsprüfung (FFH) anhand der Betriebspläne nie geprüft wurden – auch im Betriebsplan für 2024 bis 2026 nicht. Daraufhin klagte der Verband vor dem Verwaltungsgericht in Schleswig gegen die Ablehnung des Widerspruchs.

Ölförderung seit 1987

Von der Bohrinsel Mittelplate aus wird seit 1987 Öl in der Nordsee gefördert. Nach früheren Angaben von Wintershall Dea wurden aus dem Feld dort bislang mehr als 40 Millionen Tonnen Öl gepumpt. Zehn bis 15 Millionen Tonnen Öl gelten noch als gewinnbar.

Mehr zum Thema

Im Mai 2024 hatte das zuständige schleswig-holsteinische Energieministerium erklärt, für die Erschließung neuer Ölfelder keine Genehmigungen mehr zu erteilen. Wintershall zog entsprechende Anträge zurück. Die Ölförderung im schleswig-holsteinischen Wattenmeer endet damit 2041.

sol/dpa