SpOn 19.01.2026
09:52 Uhr

Deutsche Start-ups erhielten 2025 mehr Geld


Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst Deutschlands Start-up-Szene das zweite Jahr in Folge, vor allem dank Investmentmilliarden für bayerische Unternehmen. Doch die Zahl der Finanzierungsrunden sinkt weiter.

Deutsche Start-ups erhielten 2025 mehr Geld

Im vergangenen Jahr haben Start-ups in Deutschland mehr Geld von Investoren erhalten. Das zeigt eine Studie der Beratungsgesellschaft EY. Demzufolge flossen knapp 8,4 Milliarden Euro Wagniskapital, gut 1,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr.

Damit sind die Investitionen in deutsche Start-ups zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Nach dem Einbruch in den Jahren 2022 und 2023, als die Branche nach dem Coronaboom ins Straucheln geraten war, verzeichnen Jungunternehmen wieder kräftige Zuwächse.

Bayern vor Berlin

Besonders stark schnitt dabei Bayern ab: Start-ups aus dem Freistaat sammelten demnach 2025 insgesamt rund 3,3 Milliarden Euro ein und lagen damit erneut vor Berlin. Jungunternehmen aus der Hauptstadt kamen auf knapp 2,7 Milliarden Euro. EY spricht von einer »Wachablösung«, die sich zunehmend verfestige. Gemeinsam erhalten Unternehmen aus Bayern und Berlin mehr als 70 Prozent aller Start-up-Finanzierungen in Deutschland.

Vor allem München entwickelt sich zum Hotspot für Gründerinnen und Gründer. Dabei profitieren sie von der Nähe zu renommierten Universitäten und kapitalkräftigen Investoren. Bereits 2024 lag Bayern laut EY bei den Finanzierungen knapp vor Berlin. Vergangenes Jahr hat der Freistaat die drei größten Investitionsrunden bundesweit verzeichnet.

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Das Münchner KI-Unternehmen Helsing, spezialisiert auf Anwendungen für die Rüstungsbranche, sammelte rund 600 Millionen Euro ein. Dahinter folgten das Energie-Start-up Green Flexibility mit 400 Millionen Euro sowie die Biotechfirma Tubulis, die 344 Millionen Euro erhielt. Insgesamt stammen laut der Analyse sieben der zehn größten Finanzierungsrunden von bayerischen Firmen, während nur zwei auf Berlin entfallen.

Laut EY-Partner Thomas Prüver habe der Fokus in Berlin zuletzt auf den schwächelnden Bereichen Onlinehandel und Finanzen gelegen. Junge Unternehmen in Bayern würden von ihrer Ausrichtung auf Technologie, Rüstung und dem Boom rund um künstliche Intelligenz profitieren. Dennoch liegt Berlin bei der Zahl der Finanzierungsrunden mit 218 Deals weiter klar vor Bayern.

Schwächeres zweites Halbjahr

Insgesamt beurteilt Prüver die Lage der Branche vorsichtig positiv. Trotz globaler Krisen und der schwachen Konjunktur sei das Volumen des Risikokapitals 2025 deutlich gestiegen, wenngleich das erste Halbjahr deutlich stärker ausgefallen sei als das zweite. »Abzuwarten bleibt, ob das relativ schwache zweite Halbjahr nur ein Ausrutscher oder der Beginn eines Abschwungs war«, sagte Prüver. Die Zahl der Finanzierungsrunden sank 2025 zum vierten Mal in Folge – um fünf Prozent auf 716.

Auch der Startup-Verband sieht Handlungsbedarf. Geschäftsführer Christoph Stresing betonte, Deutschland stehe zwar bei den Gründungen gut da, es fehle aber an Wagniskapital, um Unternehmen großzumachen. »In den USA flossen 2025 pro Kopf mehr als 700 Euro in Start-ups, in Deutschland nicht einmal 90 Euro«, sagte Stresing. »Frankreich liegt bei über 100 Euro, Großbritannien bei fast 300 Euro.« Die Politik müsse deshalb bessere Rahmenbedingungen schaffen und stärker privates Kapital aktivieren.

tsc/dpa