Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Alexander Wynaendts sieht Deutschlands größtes Geldhaus auf dem Weg an die europäische Spitze. Es gebe viel Potenzial, noch weiter voranzukommen, sagte Wynaendts bei der ersten Präsenz-Hauptversammlung des Dax-Konzerns seit dem Vor-Corona-Jahr 2019. »Wir haben bildlich gesprochen das Basislager erreicht. Von hier aus können wir nun den Aufstieg an die Spitze der europäischen Bankenindustrie in Angriff nehmen.«
Eines der strittigen Themen in der Frankfurter Messehalle: das deutliche Plus bei der Bezahlung der Aufsichtsräte. Die Deutsche Bank argumentiert, die Vergütung der Kontrolleure sei »nicht mehr wettbewerbsfähig«.
Hauptversammlung der Deutschen Bank
Foto: Florian Wiegand / dpaWynaendts, der sich um eine weitere vierjährige Amtszeit bewirbt, soll statt 950.000 Euro künftig 1,15 Millionen Euro erhalten. Weil es zusätzlich Geld für den Vorsitz in Ausschüssen des Kontrollgremiums gibt, käme der Niederländer, der schon jetzt Deutschlands bestbezahlter Aufsichtsrat ist, auf 1,4 Millionen Euro. Sein Stellvertreter Norbert Winkeljohann soll künftig 550.000 Euro erhalten und damit 75.000 Euro mehr als bisher.
Millionenvergütung für Aufsichtsratschef »falsches Signal«
»Was uns stört, ist, dass die Begrenzung der Ausschussvergütung für den Vorsitzenden aufgehoben werden soll«, sagte Alexandra Annecke, Fondsmanagerin bei Union Investment. »Die Erhöhung der Basisvergütung wäre für uns akzeptabel, nachdem sie sehr lange nicht erhöht wurde. Aber die vollständige Aufhebung der Deckelung der Ausschussvergütung ist sehr großzügig bemessen und geht uns zu weit.«
Auch die Fondsgesellschaft Deka Investment lehnt die üppige Erhöhung ab: Das Plus für den Aufsichtsratsvorsitzenden sei »definitiv zu hoch und fällt auch im Vergleich zu anderen großen Dax-Unternehmen und europäischen Großbanken aus dem Rahmen«, kritisierte Deka-Vertreter Andreas Thomae. »Dies sendet ein falsches Signal in die Bank und an die Öffentlichkeit.«
Lob gab es von den Aktionärsvertretern für den Geschäftserfolg des Dax-Konzerns. Im Gesamtjahr 2025 hatte die Deutsche Bank mit gut 9,7 Milliarden Euro das höchste Vorsteuerergebnis ihrer Geschichte erzielt. Unter dem Strich standen 6,1 Milliarden Euro Überschuss. Höher war der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn nur im Rekordjahr 2007 mit damals rund 6,5 Milliarden Euro.
Proteste zur Hauptversammlung
Begleitet wurde die Hauptversammlung von Protesten: Vor den Messehallen positionierte ein Bündnis mehrerer Umweltorganisationen ein buntes, brennendes Känguru und forderte unter Verweis auf den Klimawandel »Kein Geld für Kohle, Öl und Gas«. Die Gewerkschaft Ver.di hatte zudem zu einer Demonstration aufgerufen, um ihren Forderungen in der Tarifrunde für die zum Deutsche-Bank-Konzern gehörende Postbank Nachdruck zu verleihen.
Proteste von Umweltorganisationen vor der Hauptversammlung in Frankfurt/Main
Foto: Tilman Blasshofer / REUTERSSolche Aktionen fielen in den vergangenen Jahren dem digitalen Format der Hauptversammlung zum Opfer. Seit der Coronapandemie gibt es die gesetzliche Möglichkeit, Hauptversammlungen als reine Onlineveranstaltung abzuhalten. Viele Konzerne behielten das digitale Format bei, auch weil es günstiger ist als Präsenzveranstaltungen. Die Deutsche Bank hat angekündigt, »mindestens alle vier Jahre« eine Hauptversammlung in Präsenz abzuhalten.



