Die Deutsche Bahn trennt sich nach einem Medienbericht nach nur drei Monaten von ihrer Finanzvorständin Karin Dohm. Der Aufsichtsrat solle die Abberufung in drei Wochen beschließen, berichtete die »Süddeutsche Zeitung« vorab am Donnerstag unter Berufung auf Aufsichtsratskreise. Die Bahn wollte sich dem Bericht zufolge nicht zu der Personalie äußern.
Dohm hatte laut dem Bericht den Konzernbetriebsrat gegen sich aufgebracht, als sie im Dezember ohne vorherige Absprache mit den Interessenvertretern eine Gesellschafterweisung zur Aufspaltung der Bahn-Tochter DB Services unterzeichnete. Die Konzernbetriebsratsvorsitzende Heike Moll kritisierte dies scharf und sprach von einem Fehlstart.
Dohm war zum 1. Dezember als Nachfolgerin von Levin Holle zur Deutschen Bahn gewechselt, nachdem sie zuvor unter anderem als Finanzchefin bei der Baumarktkette Hornbach gearbeitet hatte. Dazwischen hatte sie beim Reifenkonzern Continental angeheuert, um dort Finanzchefin der Autozuliefersparte Aumovio SE zu werden. Sie legte ihr Amt dort aber nach acht Wochen schon wieder nieder.
Die Bahn steckt in einer schweren Krise: Die Fernzüge sind unpünktlich, die Verluste zu groß und die Infrastruktur sanierungsbedürftig. Die neue Bundesregierung hatte deshalb bereits im Koalitionsvertrag beschlossen, den Vorstand neu aufzustellen. Bahn-Chefin Evelyn Palla hat deshalb ein Konzept angekündigt, um die zentrale Verwaltung zu verschlanken und mehr Verantwortung in den Regionen zu etablieren.
Erfolg bei den Verhandlungen mit der GDL
Immerhin bei den Tarifverhandlungen gibt es bei der Bahn positive Meldungen. Der Konzern und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) haben nach tagelangen Tarifverhandlungen eine Einigung erzielt (mehr dazu hier). Details wollen beide Seiten am Freitagvormittag um 11.00 Uhr vorstellen, wie sie in der Nacht mitteilten. Warnstreiks bei der Deutschen Bahn sind damit für die nächsten Monate vom Tisch.
Es ist die erste Tarifrunde zwischen der Bahn und der GDL seit dem Jahr 2018, die ohne Arbeitskämpfe endet. Damals wurden die Verhandlungen noch vom streitbaren GDL-Chef Claus Weselsky geführt. Die nun beendete Tarifrunde war die erste unter dem neuen GDL-Bundesvorsitzenden Mario Reiß.
