Auch in diesem Jahr wird der Fernverkehr der Deutschen Bahn weiter massiv verspätet sein. »2026 wird noch mal ein schwieriges Jahr bei der Pünktlichkeit«, sagte Konzernchefin Evelyn Palla der »Zeit«. Es gehe »erst einmal darum, dass es nicht noch schlimmer wird, dass wir uns auf diesem Niveau stabilisieren, so schmerzhaft das auch klingt«. Bei der Bahn würden nun alle »konsequent an der Pünktlichkeit gemessen«.
Nur rund 60 Prozent aller Fernzüge kamen im vergangenen Jahr mit weniger als sechs Minuten Verspätung an – das reicht bei der Bahn, um als pünktlich zu gelten. Laut Palla sorgen alte Weichen, Oberleitungen oder Stellwerke für Verspätungen. Auch das Winterwetter beeinträchtige die Pünktlichkeit schon jetzt. Das größte Problem aber seien die Baustellen: Rund 28.000 von ihnen sind für dieses Jahr geplant.
Die Sanierung des Schienennetzes sei ein »täglicher Wettlauf«, sagte Palla. Die Bahn kämpfe dagegen an, »dass die Infrastruktur nicht schneller verfällt, als wir sie reparieren und erneuern können«.
Ab 2027 werde der Konzern im Fahrplan mehr Zeit für Bauarbeiten reservieren, um Verspätungen zu begrenzen. »Wir planen auf bestimmten Strecken zum Beispiel alle vier Wochen eine Sperrung ein, und in dieser Zeit wird dort dann alles repariert, was eben so anfällt«, sagte Palla. Bislang sind nur 30 Prozent der Baustellen im Fahrplan berücksichtigt, künftig sollen es 70 Prozent sein.
Sanierung ohne Stellwerke
Auch die Strecke Hagen – Wuppertal – Köln soll ab Februar saniert werden. Wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtet, werden dabei allerdings Teile der Infrastruktur außen vor gelassen. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor. Die acht Stellwerke an der Strecke, von denen sich drei in einem kritischen und zwei in einem sehr schlechten Zustand befinden, fasst die Bahn nicht an. Wichtiger sei laut dem Konzern, den Oberbau und die Bahnhöfe zu sanieren. Dass die Stellwerke nicht erneuert werden, liege auch an »der kurzen Vorlaufzeit für die Planung«.
Dem Bericht zufolge hätten zwei der Stellwerke eine Zustandsnote von 6,0, was »potenziell schwerwiegenden Auswirkungen auf den Betrieb« entspreche. Der Grünenabgeordnete Matthias Gastel, der bis vor Kurzem selbst im Aufsichtsrat der DB InfraGo saß, sprach mit Blick auf die Stellwerke von einer »Schummel-Sanierung«. Es sei genug Zeit gewesen, sich darauf vorzubereiten.
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