SpOn 07.12.2025
08:19 Uhr

Deutsche Bahn: Evelyn Palla geht wegen Stuttgart 21 auf interne Fehlersuche


Der Tiefbahnhof Stuttgart 21 hätte schon vor Jahren eröffnen sollen. Doch die Bahn verschob den Start immer wieder. Die neue Bahnchefin Evelyn Palla hat nun interne Untersuchungen angekündigt.

Deutsche Bahn: Evelyn Palla geht wegen Stuttgart 21 auf interne Fehlersuche

Die neue Bahnchefin Evelyn Palla will den immer weiteren Verzögerungen des Tiefbahnhofs in Stuttgart auf den Grund gehen. Wegen des einstigen Prestigeprojekts Stuttgart 21 werde es interne Untersuchungen geben, kündigte sie an. Niemand sei glücklich über die Entwicklung dort, sagte Palla der »Bild am Sonntag«, nun sei wichtig, »dass wir wirklich lückenlos die Gründe aufklären, warum diese Verschiebung erneut erfolgen muss«.

In den kommenden Wochen werde analysiert, was insbesondere beim Projektmanagement künftig anders laufen müsse. Auch der japanische Techniklieferant Hitachi stehe dabei im Fokus. Palla wolle dessen »Leistungsfähigkeit« überprüfen. »Da wird kein Stein auf dem anderen bleiben.«

Das Bauprojekt in Stuttgart wird immer teurer und kommt immer später. Im November wurde klar, dass auch das zuletzt anvisierte Zieldatum einer Eröffnung im Dezember 2026 nicht mehr zu halten ist. Der SPIEGEL berichtete, dass Palla dies dem Aufsichtsrat der Bahn sowie Projektpartnern mitgeteilt hatte.

Die Probleme sind augenscheinlich derart gravierend, dass Palla nicht einmal einen neuen Starttermin nannte. Womöglich könne dieser erst Mitte 2026 überhaupt geplant werden, hieß es.

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Bereits vor ihrem Amtsantritt im Oktober hatte sich dies demnach abgezeichnet. Analysen der DB Projekt Stuttgart–Ulm GmbH und des Beratungsunternehmens PWC offenbarten, dass das geplante Eröffnungsdatum erhebliche Risiken berge.

Kernproblem sind technische Probleme am Digitalen Knoten Stuttgart, durch den die Leit- und Sicherungstechnik der Bahn im Großraum Stuttgart digitalisiert werden soll. Bei dem Pilotprojekt gibt es offenbar Probleme mit der Zulassung und Freigabe der Technik von Hitachi, zentraler Projektpartner beim Digitalen Knoten.

Neue Chefin Evelyn Palla: Bahn voller Baustellen

Neue Chefin Evelyn Palla: Bahn voller Baustellen

Foto:

Christoph Soeder / REUTERS

Vom Prestigeprojekt entwickelt sich Stuttgart 21 zunehmend zum peinlichsten Projekt der Bahn. Seit 2010 wird daran gearbeitet, den Tiefbahnhof zu realisieren. Erst stiegen die Kosten drastisch von geplanten 4,5 Milliarden Euro auf rund elf Milliarden Euro. Dann wurde klar, dass auch die Eröffnung sich nicht nur etwas verzögert, sondern dramatisch. 2019 hätten eigentlich erste Züge von diesem Bahnhof abfahren sollen statt wie bislang vom alten Kopfbahnhof in Stuttgart.

Auch beim Lieblingsärgernis der Deutschen, der Pünktlichkeit der Bahn, will Palla gegensteuern. Schnell werde dies allerdings nicht gehen, hatte sie bereits frühe Hoffnungen erstickt. »Es geht jetzt darum, die Pünktlichkeit zu stabilisieren – also die Talsohle zu erreichen, und dann nach oben zu bringen«, sagte sie nun. Damit bei den Fahrgästen trotzdem eine Verbessung ankomme, wolle sie Sofortprogramme anstoßen. Mehr Komfort im Fernverkehrszug, mehr Verfügbarkeit von Toiletten, um sauberere WCs, sauberere Züge, sauberere und sichere Bahnhöfe insgesamt. Auch die Bistros in den Zügen sollten mehr verfügbar sein.

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Viele dieser Probleme hingen mit der Unpünktlichkeit zusammen. Komme ein Zug abends nicht mehr in die Werkstatt, weil der Fahrplan nicht eingehalten wurde, könne er über Nacht nicht repariert werden. »Deswegen ist der Pünktlichkeitsverlust auch immer ein Verlust an Verfügbarkeit von Sanitäranlagen und von Bordbistros.«

Ob nun das wackelige WLAN oder dreckige Züge, es sei »alles ärgerlich«, sagte Palla. »Ich würde da keine Priorisierung vornehmen, was mich am meisten nervt.«

kig