SpOn 05.02.2026
10:53 Uhr

Deutsche Bahn: Betriebsrat fordert nach tödlicher Attacke Bodycams mit Ton


Im Fall des getöteten Zugbegleiters werten die Ermittler Videoaufnahmen aus. Unterdessen werden Forderungen nach mehr Sicherheitsmaßnahmen laut.

Deutsche Bahn: Betriebsrat fordert nach tödlicher Attacke Bodycams mit Ton

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz gibt es Forderungen nach Konsequenzen. So macht sich der Betriebsratschef im DB-Regionalverkehr neben Doppelbesetzungen für Bodycams mit Tonfunktion stark. »Wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt und nicht nur das Filmmaterial«, sagte Ralf Damde dem Sender WDR5 . Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass der Datenschutz dem entgegenstehen solle.

Auch der Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, Martin Burkert, sprach sich im Bayerischen Rundfunk dafür aus. Zugbegleiter könnten zudem durch einen Notrufknopf an der Armbanduhr ausgestattet werden. »Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar«, sagte er.

Mutmaßlicher Täter in U-Haft

Videoaufnahmen vom Angriff auf seinen Kollegen zeigten, dass dieser sich vorbildlich verhalten habe, sagte Damde: »Er hat deeskaliert und trotzdem ist es passiert.« Es sei aber wichtig, zu hören, was gesprochen werde, auch um später besser beweisen zu können, wie sich solche Situationen steigerten. Dies sei daher einer der ersten Punkte, die er mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) besprechen wolle.

In diesem Fall ging es allerdings um Videoaufnahmen aus dem Zug, nicht von einer Bodycam, sagte Damde dem SPIEGEL auf Nachfrage. Auch die Ermittler teilten mit , dass sie Videoaufzeichnungen aus dem Zug auswerteten, in dem es am frühen Montagabend zu der Tat gekommen war. Das genaue Motiv ist weiter unklar, der Verdächtige schweigt bislang.

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Der 36 Jahre alte Bahnmitarbeiter war bei einer Ticketkontrolle in einem Regionalexpress von einem Fahrgast mit Schlägen attackiert worden. Er verlor das Bewusstsein und starb später in einer Klinik. Der mutmaßliche Täter, ein 26 Jahre alter griechischer Fahrgast, sitzt in Untersuchungshaft.

Eine Umfrage der EVG unter Bahnmitarbeitenden habe ergeben, dass 82 Prozent der Befragten schon einmal einen verbalen oder körperlichen Übergriff erlebt hätten, sagte Burkert. »Das sind schockierende Zahlen. Und wir sagen seit Langem, dass sich etwas ändern muss.«

Fast 3000 registrierte Straftaten

Laut einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf Anfrage des Linkenabgeordneten Dietmar Bartsch gab es im vergangenen Jahr von Januar bis Oktober fast 3000 registrierte Straftaten gegen Mitarbeiter der Deutschen Bahn: davon 1148 Fälle von Bedrohung, 1231 Fälle von Körperverletzung und 324 Fälle gefährlicher Körperverletzung. Auch die Gewerkschaft der Polizei fordert mehr Sicherheitspersonal in Zügen.

bbr/dpa/AFP