Deutschland hat einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) überstellt. Wie der ICC und das Auswärtige Amt mitteilen, wurde der Beschuldigte beim Gericht in Gewahrsam genommen.
Nach SPIEGEL-Informationen handelt es sich bei dem Mann um den libyschen Staatsangehörigen Khaled al-Hishri, genannt al-Buti. Er ist ein führendes Mitglied der Rada-Miliz, die in der libyschen Hauptstadt Tripolis den Flughafen Mitiga und das umliegende Gebiet kontrolliert.
Ein wegen Völkerrechtsverbrechen international gesuchter und in 🇩🇪 festgenommener Tatverdächtiger wurde heute erfolgreich an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) überstellt. 🇩🇪 unterstützt den #ICC & setzt sich für die Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. https://t.co/grOXYKj9rg
— Auswärtiges Amt (@AuswaertigesAmt) December 1, 2025
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Der Strafgerichtshof bestätigte, dass es bei dem Überstellten um al-Hishri geht. Ihm werde vorgeworfen, zwischen 2015 und 2020 Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen begangen, angeordnet oder beaufsichtigt zu haben. Darunter sind Mord, Folter, Vergewaltigung und sexuelle Gewalt, wie der ICC mitteilt.
Schon im Juli hatte der SPIEGEL berichtet , dass die Bundespolizei al-Hishri am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) festgenommen hatte. Er hatte versucht, in die tunesische Hauptstadt Tunis zu reisen. Nach Angaben des ICC erfolgte die Festnahme am 16. Juli 2025, sechs Tage nachdem der Gerichtshof einen Haftbefehl ausgestellt hatte.
Anhörung geplant
Al-Hishri soll nach Informationen des SPIEGEL lange Zeit ein Frauengefängnis in Libyen geleitet haben. Es ist Teil berüchtigter Hafteinrichtungen auf dem Flughafengelände in Tripolis. Dort wurden wiederholt Gefangene misshandelt, gefoltert oder über Monate ohne jeden Kontakt zur Außenwelt festgehalten. Uno-Berichte dokumentieren schwerste Menschenrechtsverletzungen.
Mit der Überstellung könnte al-Hishri der erste libysche Gewaltakteur seit dem Beginn der Ermittlungen des Gerichtshofs zu Libyen sein, der in Den Haag vor Gericht kommt.
Vor dem Internationalen Strafgerichtshof soll al-Hishri angehört werden. Wann diese stattfinden wird, ist nach Angaben des ICC noch nicht klar. In der Anhörung werde unter anderem die Identität des Beschuldigten überprüft. Außerdem erfahre al-Hishri, welche Verbrechen ihm vorgeworfen werden.
Der Verwaltungschef des Gerichtshofs, Osvaldo Zavala Giler, bedankte sich bei den nationalen Behörden für die intensive und konsequente Zusammenarbeit, die die Verhaftung al-Hishris möglich gemacht habe.
Welche Hinweise gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher vorliegen, lesen Sie hier .



