SpOn 02.01.2026
13:12 Uhr

Deka-Manager Ingo Speich: »Die amerikanische Politik schwächt die Rechte der Aktionäre«


Der US-Präsident geht gegen Nachhaltigkeitsprogramme der Unternehmen vor und setzt Investoren unter Druck. Ingo Speich, Manager bei der Fondsgesellschaft Deka, warnt vor Risiken auch für Deutschland.

Deka-Manager Ingo Speich: »Die amerikanische Politik schwächt die Rechte der Aktionäre«

US-Präsident Donald Trump könnte zu einer Gefahr für die Aktionärsdemokratie werden. Das befürchtet Ingo Speich, Leiter der Abteilung »Nachhaltigkeit & Corporate Governance« bei Deka Investment, der Fondsgesellschaft der Sparkassen. »Die amerikanische Antinachhaltigkeitspolitik schwächt die Position der Aktionäre, und zwar über die USA hinaus«, sagte Speich, der als einer der führenden Aktionärsvertreter in Deutschland gilt, dem SPIEGEL.

DER SPIEGEL 2/2026

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Es sei ein Paradigmenwechsel, dass ausgerechnet im Mutterland des Shareholder-Value, der Ausrichtung der Unternehmensführung an den Interessen der Aktionäre, die Mitspracherechte der Anteilseigner beschnitten würden.

Speich bezieht sich unter anderem auf ein von Trump erlassenes Dekret, wonach »illegale« Programme für Vielfalt, Chancengleichheit und Inklusion (DEI) in den Unternehmen untersucht werden sollen. Auch deutsche Konzerne wie SAP und Volkswagen haben daraufhin ihre DEI-Programme in den USA eingedampft. Großanleger fordern solche Programme sowie Regeln für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (ESG) bei Unternehmen seit Jahren ein.

Deka-Manager Speich

Deka-Manager Speich

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services / IMAGO

Nun geraten jedoch auch die Investoren selbst unter Druck. Speich zufolge klagen »zahlreiche republikanische Bundesstaaten gegen Banken oder Vermögensverwalter«, weil diese unter anderem Nachhaltigkeitselemente in ihre Anlageentscheidungen integriert haben.

Außerdem beabsichtige zum Beispiel Texas, die Rechte von Stimmrechtsberatern einzuschränken, das sind Agenturen, die großen und kleinen Investoren Empfehlungen für ihr Abstimmungsverhalten auf Hauptversammlungen geben oder direkt für sie abstimmen. Die neuen Vorgaben hebelten »im Endeffekt deren Geschäftsmodell aus«, damit würden auch »die Aktionärsrechte massiv eingeschränkt«. Hinzu kämen neue Regeln der Wertpapieraufsicht SEC, die eine Mitsprache von Investoren bei ESG-Themen einschränken.

»All das führt zu einer Unsicherheit unter Investoren«, sagt Speich. Viele institutionelle Anleger stimmen auf Hauptversammlungen nicht mehr ab und diskutieren mit Unternehmen kaum noch über wichtige Themen wie Klimawandel und Diversität.

Das Risiko des Klimawandels

Tatsächlich führte der weltweit größte Vermögensverwalter Blackrock in den zwölf Monaten bis Ende Juni 2025 laut eigenen Angaben fast ein Drittel weniger Gespräche mit Unternehmen, in die er investiert hat. Zudem stimmte er nur noch bei zwei Prozent der Anträge zu ESG-Fragen bei Hauptversammlungen ab. 2021 lag diese Quote noch bei 47 Prozent. »Das ist besorgniserregend«, so Speich. Bei Vanguard, der Nummer zwei der Branche, ging das Engagement im zweiten Quartal des Jahres um 44 Prozent zurück.

Speich fürchtet, dass dieser Rückzug der Aktionäre massive Auswirkungen auch in Europa haben könnte. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft EY besitzen amerikanische Investoren im Schnitt gut 25 Prozent aller Aktien der Unternehmen im deutschen Aktienindex Dax. Hinzu kommt, dass auch deutsche Investoren sich häufig von amerikanischen Stimmrechtsberatern wie ISS oder Glass Lewis vertreten lassen. ISS ist eine US-Tochter der Deutschen Börse.

Dadurch wirkt sich amerikanisches Recht über die Grenzen hinaus aus. Die Passivität von US-Investoren könnte eine niedrigere Präsenz in den Hauptversammlungen und niedrigere Zustimmungsquoten nach sich ziehen, fürchtet Speich. »Das führt dazu, dass das Management beispielsweise aktiv keine Anträge zu ESG-Themen mehr einbringt oder darauf reagiert. Damit kann die Qualität der Unternehmensführung sinken.«

Dabei sei der Klimawandel real, und Diversität in den Unternehmen führe nachweisbar zu einer besseren wirtschaftlichen Entwicklung. Deka halte jährlich rund 300 Termine zu Nachhaltigkeitsaspekten mit Unternehmen ab. Noch sei nicht klar erkennbar, ob deutsche Konzerne nicht nur in den USA, sondern auch im Rest der Welt ihr Nachhaltigkeitsmanagement zurückschrauben.

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Speichs Sorge: Wenn der Druck durch den Kapitalmarkt nachlasse, »werden die Risiken durch den Klimawandel für die Geschäftsmodelle der Unternehmen über die Zeit immens sein«. Deka werde daher in der kommenden Hauptversammlungssaison Diversitätsthemen und das sogenannte »say on climate« weiterhin klar einfordern, also das Recht der Aktionäre, über die Klimastrategie der Unternehmen abzustimmen.