SpOn 10.02.2026
18:17 Uhr

Deathcore-Band: Türkische Behörden verbieten Metal-Konzerte in Istanbul


Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine gilt die russische Band Slaughter to Prevail als regierungskritisch und musste ihr Land verlassen. Nun wurden ihre Konzerte in Istanbul untersagt – aus religiösen Gründen.

Deathcore-Band: Türkische Behörden verbieten Metal-Konzerte in Istanbul

Türkische Behörden haben zwei Metal-Konzerte in Istanbul der russischen Deathcore-Band Slaughter to Prevail und der polnischen Blackmetal-Band Behemoth verboten. Die Auftritte im Kulturzentrum Zorlu seien gestrichen, teilte der Landrat des Bezirks Besiktas mit. Sämtliche Veranstaltungen am Austragungsort wurden für zwei Tage untersagt.

Zur Begründung hieß es, die Veranstaltungen lösten wegen ihrer »Unvereinbarkeit mit den gesellschaftlichen Werten« eine breite Ablehnung in verschiedenen Teilen der Bevölkerung aus. Auf dieser Grundlage sei beschlossen worden, sämtliche Konzerte, Festivals sowie sonstige Gruppenveranstaltungen und Programme mit Eintritt im Zorlu, Zentrum für darstellende Künste, in Istanbul zu untersagen.

Sänger und Gitarrist Nergal der Black-Metal-Band Behemoth in London

Sänger und Gitarrist Nergal der Black-Metal-Band Behemoth in London

Foto: Justin Ng / Avalon / Photoshot / picture alliance

»Sehr traurige Situation«

Alex Terrible, Sänger der Band Slaughter to Prevail, sagte auf der Plattform Instagram, dies sei eine »sehr traurige Situation«. Er sei darüber informiert worden, dass das Konzert aufgrund von Druck aus islamistischen Kreisen abgesagt worden sei. Diese hätten die Ansicht verbreitet, dass die Band satanistische Propaganda verbreite. »Das ist völlig falsch. Ich glaube an Gott«, sagte er.

Die Band bekam zuvor auch in ihrem Heimatstaat Probleme – allerdings aufgrund regierungskritischer Texte. Im Jahr 2022 verließen Slaughter to Prevail Russland aus politischen Gründen und zogen nach Orlando, Florida, um. In dem Song »1984« hatten sie sich gegen Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine ausgesprochen und fürchteten dafür Konsequenzen durch den russischen Staat.

Der Istanbuler Gouverneur Davut Gül schrieb auf der Plattform X: »Bis heute ist in Istanbul keinerlei Tätigkeit erlaubt worden, die die Gesellschaft verdirbt, und dies wird auch künftig nicht erlaubt werden.« Türkische Medien hatten die Gruppen zuvor als religionsfeindlich beschrieben. Im Istanbuler Zentrum Zorlu finden zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt, darunter Konzerte, Theaterstücke und Musicals. Eine Stellungnahme des Kulturzentrums lag zunächst nicht vor.

cpa/dpa