Nach drei Tagen Weihnachtspause fliegen im Alexandra Palace (Ally Pally) bei der Darts-WM 2026 wieder die Pfeile. Für das Jahreshighlight in London werden schon seit vielen Jahren zwischen 20 und 25 Prozent der Tickets nach Deutschland verkauft. Und das, obwohl Erfolge deutscher Spieler rar gesät waren.
Erst bei der Weltmeisterschaft 2021 erreichte mit Gabriel Clemens ein Deutscher zum ersten Mal die Runde der letzten 16. Zwei Jahre später warf sich der »German Giant« dann nach einem legendären Sieg gegen Gerwyn Price sogar bis ins Halbfinale .
Seitdem stand mit Ricardo Pietreczko bei der vergangenen WM erst ein weiterer Deutscher im Achtelfinale der Weltmeisterschaft der Professional Darts Corporation (PDC).
Dieses Jahr dürfen Fans aus Deutschland wieder darauf hoffen, gleich mehrere Deutsche in der Runde der letzten 16 zu sehen. Mit Ricardo Pietreczko, Martin Schindler, Gabriel Clemens und Arno Merk sind wie schon bei der WM 2024 noch vier Deutsche in der Runde drei dabei. Vor zwei Jahren gelang keinem der Einzug ins Achtelfinale. Wie stehen ihre Chancen dieses Mal? Der Überblick.
Ricardo Pietreczko gegen Andreas Harrysson (Samstag, circa 20.15 Uhr)
»Pikachu« ist so etwas wie Deutschlands WM-Spieler. Beim Jahreshighlight in London zeigte sich der 31-Jährige bisher immer in guter Verfassung. Deshalb steht der gelernte Maler nach einer ergebnistechnisch eher bescheidenen Saison bei seiner dritten Weltmeisterschaft auch zum dritten Mal in der Runde drei.
Nach einem 3:1 zum Auftakt gegen José de Sousa aus Portugal wehrte Pietreczko in Runde zwei die Aufholjagd der Nummer 21 der Welt erfolgreich ab. Pietreczko hatte nach einem guten Start 2:0 geführt, bevor Chisnall zu seinem Spiel fand und zum 2:2 ausgleichen konnte. Im Entscheidungssatz schien dann das Momentum aufseiten des Engländers, der auch in Führung ging und einen Matchdart vergab, bevor Pietreczko aufgrund seiner Treffsicherheit auf die Doppelfelder doch noch 3:2 gewann.
Ricardo Pietreczko: Während seiner Zweitrundenpartie gegen Dave Chisnall
Foto: Bradley Collyer / PA Wire / dpaNun geht es nach Pietreczkos guten – und vor allem nervenstarken – Vorstellungen in den ersten beiden Runden gegen den schwedischen Debütanten Andreas Harrysson, der in Runde eins für die erste große Überraschung des Turniers sorgte, indem er den Weltranglistenzwölften Ross Smith 3:2 besiegte. Wie auch in seiner zweiten Partie gegen den Japaner Motomu Sakai bewahrte »Dirty Harry« dabei in den entscheidenden Phasen der Partie die Ruhe. Die Zuschauer dürfen also auf ein Duell zweier nervenstarker Akteure hoffen.
Aufgrund seiner Erfahrung und der gezeigten Leistungen der vergangenen Jahre geht Pietreczko als Favorit in die Partie. Siegwahrscheinlichkeit: 70 Prozent.
Martin Schindler gegen Ryan Searle (Sonntag, cirka 13.45 Uhr)
»The Wall« ist nach einigen Jahren im Schatten von erst Max Hopp und später Gabriel Clemens mittlerweile die unumstrittene Nummer eins in Deutschland. Schindler ist der erste Deutsche, der sich in die Top 16 der Weltrangliste gespielt hat, keiner hat mehr Turniere gewonnen als er. Der große Wurf bei einem Major-Turnier oder der WM fehlt ihm aber noch. Die aktuelle Nummer 13 der Welt stand erst zweimal in Runde drei, ist über diese noch nicht hinausgekommen. Nun soll es mindestens das Achtelfinale sein.
In den ersten beiden Runden hat Schindler überzeugt, gab gegen Stephen Burton nur einen und gegen Keane Barry keinen Satz ab. Schindlers Treffsicherheit auf die Triple-20, sein Powerscoring, hat dabei dafür gesorgt, dass er sich zu Beginn der Partien auch recht viele Fehlwürfe auf die Doppelfelder erlauben durfte, die es zum Gewinn eines Legs benötigt.
Martin Schindler: Hat das Achtelfinale im Visier
Foto: Wayne Tuckwell / Pro Sports Images / IMAGOGegen Ryan Searle wird Schindler sich das eher nicht erlauben können. »Heavy Metal« stand bereits dreimal im WM-Achtelfinale und hat bisher mit ähnlichen Statistiken wie Schindler in seinen ersten beiden Spielen ebenfalls überzeugt. Der Mann, der mit mehr als 30 Gramm Gewicht seit Jahren die schwersten Pfeile auf der Tour spielt, gilt als einer der besten Powerscorer der Welt, wenn er seinen Touch findet. Allerdings hat Searle manchmal mit seinen Nerven zu kämpfen. Sollte Schindler an seine Performance der ersten beiden Runden anknüpfen können, dürfte er aber gute Chancen haben. Siegwahrscheinlichkeit: 60 Prozent.
Gabriel Clemens gegen Luke Humphries (Sonntag, cirka 21.30 Uhr)
»The German Giant« hatte mit seinem überraschenden Halbfinaleinzug bei der WM 2023 große Erwartungen in Darts-Deutschland geweckt. Erfüllen konnte er diese aber nicht. Clemens spielte von den Ergebnissen her erneut ein schwaches Jahr. Der ehemalige Top-20-Spieler ist mittlerweile auf Platz 47 der Weltrangliste abgerutscht, für die meisten Major-Turniere konnte er sich 2025 nicht qualifizieren.
Nach einem ungefährdeten Auftaktsieg gegen den Amerikaner Alex Spellman ging Clemens dann auch als klarer Außenseiter in sein Zweitrundenspiel gegen Wessel Nijman. Der junge Niederländer hatte aber offensichtlich mit den Nerven zu kämpfen, zeigte gerade auf den Doppelfeldern ungewohnte Schwächen. Clemens gewann am Ende trotz einer durchschnittlichen Leistung 3:0, ist bei dieser WM also noch ohne Satzverlust.
Gabriel Clemens: Lässt sich nach seinem Sieg gegen Wessel Nijman feiern
Foto: John Walton / PA Wire / dpaIn Runde drei wartet aber kein Geringerer als Luke Humphries, Weltmeister von 2024 und aktuell die Nummer zwei der Welt. Der Engländer spielte erneut ein starkes Jahr, nur sein Landsmann, Wunderkind Luke Littler, spielte mehr Preisgeld ein. Ein Sieg von Clemens gegen Humphries wäre angesichts der gezeigten Leistungen dieser beiden im Jahr 2025 und bei dieser WM eine große Überraschung. Es wäre allerdings nicht Clemens erste im Ally Pally. Siegwahrscheinlichkeit: 10 Prozent.
Arno Merk gegen Michael van Gerwen (Sonntag, cirka 22.50 Uhr)
Arno Merk ist aus deutscher Sicht die positive Überraschung dieses Turniers. Zunächst gewann der 33-Jährige in Runde eins gegen den ehemaligen Weltklassespieler Kim Huybrechts 3:1, bevor er Doppelweltmeister Peter Wright ungefährdet 3:0 besiegte. Und auch wenn gerade Wright eine enttäuschende Vorstellung lieferte, können sich Merks Leistungen bei diesem Turnier mehr als sehen lassen.
Von Nervosität war Merk bei seiner ersten PDC-WM kaum etwas anzumerken, und an Selbstvertrauen scheint es ihm ohnehin nicht zu mangeln. Als Nichtprofi müsste Merk eigentlich im kommenden Januar versuchen, sich bei der Q School der PDC eine der begehrten Tourkarten zu erspielen, die zur Teilnahme an fast allen Turnieren berechtigt.
Es sei denn, er würde sich bei dieser WM unter die Top 64 der Welt spielen, dann erhielte er automatisch eine Tourkarte. Gleich nach seiner Qualifikation für die Weltmeisterschaft rechnete Merk dann auch vor laufenden Kameras vor, wie weit er bei der WM kommen müsste, um das zu schaffen: ins Viertelfinale.
Arno Merk: Während seiner Partie gegen Peter Wright
Foto: Wayne Tuckwell / Pro Sports Images / IMAGOBisher hat Merk seinen großen Worten Taten folgen lassen. Nun geht es in Runde drei aber gegen Michael van Gerwen, dreimaliger Weltmeister und Nummer drei der Welt. Und diese Hürde dürfte sich als wesentlich höher erweisen als die bisherigen. Was Merk aber Hoffnung machen darf: Die Zeiten, in denen »Mighty Mike« verlässlich Topleistungen abliefert, scheinen vorbei. Auf starke Leistungen folgen regelmäßig für sein Niveau durchschnittliche Partien des Niederländers.
In Runde eins dieser WM mühte van Gerwen sich zu einem 3:1 gegen den Japaner Mitsuhiko Tatsunami, bevor er in seinem zweiten Spiel gegen William O'Connor wieder Weltklasse war. Aber welchen van Gerwen erwischt Merk am Sonntagabend? Spielt der ehemalige Tourdominator gegen Merk so wie in Runde eins, wird der Deutsche gute Chancen haben. Zeigt van Gerwen eine ähnliche Leistung wie in Runde zwei, wird es sehr schwer für Merk. Siegwahrscheinlichkeit: 20 Prozent.
Als Favorit für die Darts-WM 2026 gilt der erst 18 Jahre alte Titelverteidiger Luke Littler. Wer die besten Chancen hat, das Darts-Wunderkind zu stoppen, lesen Sie hier.
