SpOn 19.02.2026
09:50 Uhr

DB Cargo: Neuer Chef will fast die Hälfte der Stellen streichen


Der Bahn-Tochter DB-Cargo bleibt nicht mehr viel Zeit für einen Neuanfang. Der neue Chef Bernhard Osburg will es jetzt mit einem radikalen Kahlschlag versuchen.

DB Cargo: Neuer Chef will fast die Hälfte der Stellen streichen

Der Chef der seit Jahren kriselnden Bahn-Güterverkehrstochter DB Cargo, Bernhard Osburg, hat den Abbau von fast der Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland angekündigt. Von den derzeit rund 14.000 Vollzeitstellen hierzulande sollen 6200 wegfallen, sagte Osburg. Das betreffe fast alle Bereiche, etwa Fahrbetrieb, Disposition, Planung, Administration sowie Vertrieb und die IT.

Der Stellenabbau ist Teil eines Umstrukturierungsplans, mit dem Osburg das hochdefizitäre Unternehmen wieder in die Spur bringen will. Viel Zeit bleibt ihm nicht. Noch in diesem Jahr muss DB Cargo infolge eines EU-Beihilfeverfahrens wieder schwarze Zahlen schreiben. Sonst droht das Aus. Das operative Minus belief sich Osburg zufolge im vergangenen Jahr noch auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Schon Osburgs Vorgängerin, Sigrid Nikutta, wollte den Konzern neu aufstellen, musste aber gehen, nachdem ihr Sanierungskonzept in einem externen Gutachten durchgefallen war. Osburg wartet nun auf die Bestätigung der Experten für seine Strategie, die zum Jahr 2030 ausgelegt ist. In dieser Woche wurden die Beschäftigten sowie der Aufsichtsrat von DB Cargo informiert.

Nachfrage nimmt stark ab

Weil die Nachfrage im Güterverkehr in Deutschland bei den Hauptkunden aus den Sektoren Auto, Chemie und Stahl immer schwächer wird, will Osburg den Fokus aufs europäische Ausland legen. »Wir richten Vertrieb, Planung, Disposition und Produktion deutlich stärker europäisch aus und bauen DB Cargo zum führenden europäischen Schienenlogistiker mit klaren, grenzüberschreitenden Systemlösungen aus«, betonte er.

Die zweite Säule besteht aus Einsparungen in Höhe von rund einer Milliarde Euro bis 2030. Die Maßnahmen dafür umfassen unter anderem den Wegfall von 4000 Arbeitsplätzen, eine schlankere Verwaltung sowie Produktivitätssteigerungen im Fuhrpark. Von derzeit 27 Instandhaltungswerken sollen zwölf geschlossen oder verkauft werden.

Weitere 2000 Stellen fallen im sogenannten Einzelwagenverkehr weg, der beibehalten, aber grundlegend neu aufgestellt werden soll. Bei dieser Verkehrsart werden einzelne Wagen bei Industriekunden abgeholt und auf großen Rangierbahnhöfen zu langen Zügen zusammengestellt. Am Zielort werden sie wieder auseinandergenommen und die Waggons einzeln zum Endkunden weitertransportiert.

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Osburg will die sogenannte Zugbildung künftig an vier Hauptstandorten – Köln-Gremberg, Seelze, Mannheim und Nürnberg – konzentrieren. Fünf weitere Rangieranlagen sollen als nachgelagerte Standorte betrieben werden, mit einer flexibleren Auslastung. Er betonte, dass das Geschäft im Einzelwagenverkehr auch in der neuen Struktur defizitär und die Bahn auf eine Förderung des Bundes angewiesen bleibe.

Bis zum Sommer sollen weitere Details geklärt und die Sanierung nach und nach umgesetzt werden, betonte Osburg. Der Bereich Einzelwagenverkehr folgt etwas später, soll aber bis 2027 abgeschlossen sein.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die mit Nikutta bittere Kämpfe über deren Sanierungskonzept geführt hatte, befürwortet Osburgs Ausrichtung auf den europäischen Markt. »Wir sind uns mit Cargo-Chef Osburg einig: Cargo muss effizienter werden und Cargo kann wachsen«, teilte EVG-Vizechefin Cosima Ingenschay mit. Über den Weg dahin sei sich die Gewerkschaft aber nicht mit dem neuen Vorstand einig. »Bevor ein großer Arbeitsplatzabbau startet, erwarten wir, dass jeder Stein umgedreht und jede Maßnahme zur Steigerung der Effizienz geprüft wird.« Die EVG werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen.

mik/dpa-AFX