Kanzler Friedrich Merz (CDU) fand schon 14,5 jährliche Krankentage bei Beschäftigten zu viel. Nun meldet die Krankenkasse DAK, dass Beschäftigte im Jahr 2025 im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben waren. Was stimmt nun?
Beides.
Der Unterschied: Das Statistische Bundesamt, von dem die Zahl der 14,8 Krankentage im Jahr 2024 stammt, bezieht sich auf Werktage. Die DAK-Daten auf Kalendertage.
Für die DAK-Analyse wertete das Berliner Iges-Institut Daten von rund 2,4 Millionen Beschäftigten aus, die bei der DAK versichert sind. Demnach waren im vergangenen Jahr an jedem Tag durchschnittlich 54 von 1000 Erwerbstätigen krankgeschrieben. Die drei häufigsten Ursachen waren Atemwegsinfekte, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Probleme, etwa Rückenschmerzen. Nach Berufen betrachtet gab es im Gesundheitswesen mit durchschnittlich 22,5 Fehltagen die häufigsten Ausfälle – und am seltensten in der Datenverarbeitung mit durchschnittlich 12,6 Tagen.
Streitpunkt telefonische Krankschreibung
Bei Berechnungen zum Krankenstand ist generell nicht erfasst, wenn Beschäftigte nur ein oder zwei Tage fehlen, ohne zum Arzt oder einer Ärztin zu gehen. Nach aktueller Rechtslage müssen Arbeitnehmer eine Bescheinigung dann vorlegen, wenn sie länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig sind, also am vierten Tag. Der Arbeitgeber darf sie aber auch schon früher verlangen.
2024 hatte die DAK 19,7 Fehltage ermittelt. Im Vorjahresvergleich hat sich die Zahl der Krankentage also kaum verändert.
Schon Anfang des Jahres 2024 war vor dem Hintergrund des hohen Krankenstands darüber diskutiert worden, die Lohnfortzahlung am ersten Krankheitstag abzuschaffen. Auch die telefonische Krankschreibung stand in der Kritik. Um diese Punkte dreht sich auch jetzt wieder die Diskussion. CSU-Chef Markus Söder sprach sich etwa für eine frühere Krankschreibe-Pflicht aus. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte an, die telefonische Krankschreibung zu überprüfen.
Forderung nach Krankenstands-Gipfel
DAK-Chef Andreas Storm fordert einen Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen an einen Tisch bringt. Die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf hohem Niveau einpendele, so Storm. Deswegen sei eine fundierte Ursachenforschung notwendig. Als Baustein für neue Lösungswege schlägt er die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen vor. So könnten Beschäftigte nur für einen Teil der täglichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben werden.
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Die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, nannte es »inzwischen hoch unanständig, in welchem Ausmaß krankgemeldete Beschäftigte unter den Generalverdacht gestellt werden, sie wären Drückeberger und Faulenzer«. Nachgewiesen sei, dass viele krank zur Arbeit gingen – auch wegen Angst um ihren Arbeitsplatz.
