Anderthalb Jahre nach einer Cyberattacke gegen die CDU hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen von den bisher zuständigen Ermittlungsbehörden in Nordrhein-Westfalen übernommen. Hintergrund: Man gehe inzwischen von Spionage aus. Das sagte eine Sprecherin auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.
Ermittelt wird demnach wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agententätigkeit. »Weitere Auskünfte werden derzeit nicht erteilt«, hieß es von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Nach früheren Medienberichten führt eine Spur nach China.
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Die Bundes-CDU wollte sich auf Anfrage mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Damals kurz nach dem Angriff sagte die Partei gegenüber dem SPIEGEL, das Vorgehen deute »auf einen sehr professionellen Akteur hin«.
»Mit allem, was uns zur Verfügung steht, zur Wehr setzen«
Vor der Europawahl war die CDU im Frühjahr 2024 von Hackern angegriffen worden. Unter anderem hatten die Täter Daten aus dem Kalender von Parteichef Friedrich Merz erbeutet. Merz selbst sagte damals, es sei »der schwerste Angriff auf eine IT-Struktur, die jemals eine politische Partei in Deutschland erlebt hat«. Es handle sich um hochprofessionelle Angriffe: »Dagegen müssen wir uns mit allem, was uns zur Verfügung steht, zur Wehr setzen.«
Zunächst lagen die Ermittlungen bei der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, weil die betroffenen Server in NRW standen.
Kurz zuvor war auch die SPD Opfer einer Cyberattacke geworden. Damals wurden E-Mail-Konten der Parteizentrale gehackt. Auch mehrere deutsche Unternehmen aus den Bereichen Logistik, Rüstung, Luft- und Raumfahrt und IT-Dienstleistungen waren betroffen.
Die Bundesregierung macht für den Angriff den russischen Militärgeheimdienst verantwortlich. Das Auswärtige Amt bestellte deswegen einen hochrangigen russischen Diplomaten ein und rief den deutschen Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, für eine Woche zu Konsultationen nach Berlin zurück.
