Der Besitzer der Unglücksbar von Crans-Montana kommt auf freien Fuß. Ein Schweizer Gericht hob die Untersuchungshaft gegen Jacques Moretti gegen Auflagen auf. Die Auflagen sollen eine Flucht verhindern, wie aus der Mitteilung des Gerichts hervorgeht.
Moretti muss seine Ausweis- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft hinterlegen, darf nicht ausreisen, muss sich täglich bei einer Polizeidienststelle melden und eine Kaution hinterlegen. 200.000 Franken (rund 216.000 Euro) seien auf dem Konto der Staatsanwaltschaft eingegangen, teilte das Gericht mit.
Das Geld stamme von engen Freunden von Moretti. Für seine Frau Jessica gelten ähnliche Auflagen, sie war aber nicht in Untersuchungshaft genommen worden.
40 Tote, 80 Schwerverletzte
Bei dem Brand in der Silvesternacht hatten Funken sprühende Partyfontänen offenbar schalldämmenden Schaum an der Decke der Bar in Brand gesteckt und sich rasend schnell ausgebreitet . 40 Menschen kamen ums Leben, 116 überlebten, darunter viele Teenager. Rund 80 von ihnen haben schwere Wunden und müssen sich teils auf monate- oder jahrelange Behandlungen einstellen.
Die Morettis sind nach Angaben der Staatsanwaltschaft bislang die einzigen Beschuldigten in dem Strafverfahren. Sie ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung. Die Behörde schloss Ermittlungen gegen weitere Personen jedoch nicht aus.
Die Gemeinde Crans-Montana hatte eingeräumt, dass die eigentlich vorgeschriebenen Brandschutzkontrollen in der Bar seit 2019 nicht mehr durchgeführt worden waren. Die Verantwortlichen lassen sich inzwischen von Anwälten vertreten und geben keine Auskunft mehr .
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Wegen der vielen persönlichen Verflechtungen in den kleinen Gemeinden im Kanton Wallis forderten Kritiker, dass die Ermittlungen von einem Sonderstaatsanwalt außerhalb des Kantons geführt werden. Staatsanwältin Beatrice Pilloud weist das zurück. Mehr zum Filz und zur Vetternwirtschaft im Wallis lesen Sie hier .

