SpOn 12.02.2026
17:29 Uhr

Crans-Montana: Opferanwälte befragen Barbetreiber, Anwesende rufen »Mörder«


Spießrutenlauf für das Ehepaar Moretti: Die Betreiber der Bar Le Constellation in Crans-Montana müssen sich einer Befragung stellen. Vor dem Gebäude treffen sie auf verzweifelte Angehörige.

Crans-Montana: Opferanwälte befragen Barbetreiber, Anwesende rufen »Mörder«

Die Bilder zeigen ein Gedränge und Menschen mit Wut und Verzweiflung im Gesicht: Angehörige von Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana haben das Betreiberpaar der Bar, in der das verheerende Feuer ausgebrochen war, heftig beschimpft und bedrängt. Jessica Moretti kam nur mithilfe der Polizei in das Gebäude in Sitten im Kanton Wallis, in dem die Vernehmungen stattfinden. Sie war mit ihrem Mann Jacques vor Ort.

»Mörder«, riefen einige Anwesende, und »Ihr seid Monster«. Unter anderem war die Familie des 17-jährigen Trystan dort, eines der 41 Todesopfer der Tragödie. Die Angehörigen trugen T-Shirts mit dem Foto von Trystan. »Ich bin hier, um Jessica Moretti zu zeigen, dass sie Familien zerstört hat«, sagte Trystans Bruder Tobyas, 14, dem Portal »20 Minuten«. »Dass sie uns in die Augen schaut und sieht, wie es uns geht.« Gulcin Kaya, die Mutter eines 18-jährigen Opfers, schrie: »Wo ist mein Sohn, wo ist er?«

Während seine Frau weinend das Gebäude betrat, antwortete Jacques Moretti den wütenden Angehörigen: »Wir übernehmen die Verantwortung. Wir versprechen Ihnen: Wir sind hier, um für Gerechtigkeit zu sorgen.« Gegen die Morettis wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt.

In der Bar Le Constellation waren in der Silvesternacht 41 zumeist junge Menschen bei einem Brand im Untergeschoss ums Leben gekommen. 115 weitere Menschen wurden verletzt, viele von ihnen erlitten schwerste Verbrennungen. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis hatte die Anhörungen am Mittwoch und Donnerstag angesetzt, um den Anwälten der Opferangehörigen die Gelegenheit zu geben, eigene Fragen zu stellen.

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Die Ermittler vermuten, dass die Brandkatastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die der Decke zu nahe kamen. Jacques Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaum an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und installiert zu haben. Der Franzose hatte wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen, bevor er gegen Zahlung einer Kaution und unter Auflagen freikam.

Ermittelt wird auch gegen den Sicherheitschef der Gemeinde Crans-Montana und seinen Vorgänger. Mehrere Opferanwälte fordern weitere Untersuchungen zu möglichen Versäumnissen bei den Behörden.

Raclette, Seilschaften, Korruption: Die Klischees über das Wallis sind in der Schweiz lange bekannt. Die fragwürdige Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana rückt die Region nun auch international in schlechtes Licht. Lesen Sie hier  mehr dazu.

sol/dpa/AFP