SpOn 24.01.2026
16:47 Uhr

Crans-Montana: Italien empört über Freilassung von Barbesitzer


Der Besitzer der Unglücksbar in Crans-Montana wurde aus der Untersuchungshaft entlassen. Italiens Regierung sieht darin einen Affront gegen die Opfer und hat Roms Botschafter in der Schweiz zu Beratungen nach Hause gerufen.

Crans-Montana: Italien empört über Freilassung von Barbesitzer

Italien hat die Freilassung des Betreibers der von der tödlichen Brandkatastrophe betroffenen Schweizer Bar »Le Constellation« scharf kritisiert. Regierungschefin Giorgia Meloni und Außenminister Antonio Tajani erklärten am Samstag, sie hätten Roms Botschafter in der Schweiz dazu aufgefordert, der zuständigen Schweizer Staatsanwältin ihre »große Empörung« über die Entlassung des Verdächtigen aus der Untersuchungshaft mitzuteilen. Um über weitere Schritte zu beraten, wurde der Botschafter zurück nach Italien gerufen, wie Meloni und Tajani weiter mitteilten.

Der Barbetreiber werde eines besonders schweren Verbrechens verdächtigt, hieß es in der von Meloni veröffentlichten Erklärung. Mit seiner Freilassung bestehe ein Fluchtrisiko und die Gefahr, dass der Verdächtige Beweise manipuliere. »Ganz Italien fordert lauthals Aufklärung und Gerechtigkeit und verlangt, dass nach dieser Katastrophe respektvolle Maßnahmen getroffen werden, die dem Leid und den Erwartungen der Angehörigen vollständig Rechnung tragen«, hieß es weiter.

Barbesitzer Jacques Moretti war am Freitag gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (rund 215.000 Euro) unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der Franzose ist unter anderem verpflichtet, sich täglich auf einer Polizeiwache zu melden, und darf die Schweiz nicht verlassen.

»Echter Affront« für die Angehörigen der Opfer

Er und seine Frau werden verdächtigt, für die Brandkatastrophe mit 40 oftmals minderjährigen Todesopfern  verantwortlich zu sein. Bei dem Brand in der Silvesternacht starben auch sechs junge Menschen aus Italien. Zudem stammten mehr als ein Dutzend der 116 Schwerverletzten von dort. Entsprechend groß war die Anteilnahme.

Tajani hatte Morettis Freilassung bereits am Freitag einen »echten Affront« für die Angehörigen der Opfer genannt. Meloni hatte kurz nach der Entscheidung ihren Unmut darüber in den sozialen Medien geäußert, es würde dem Gedenken schwer schaden und die Familien beleidigen. Auch mehrere Opferanwälte zeigten sich empört.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Gegen Jacques und Jessica Moretti wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung ermittelt. Die Ermittler vermuten, dass die Katastrophe durch an Flaschen befestigte Feuerwerksfontänen ausgelöst wurde, die zu nahe an die mit Schaumstoff verkleidete Decke gehalten wurden. Jacques Moretti hatte während einer Vernehmung angegeben, den schalldämpfenden Schaumstoff an der Decke selbst in einem Baumarkt gekauft und angebracht zu haben.

Der Franzose saß seit dem 9. Januar in Untersuchungshaft, während seine Frau unter Auflagen auf freiem Fuß blieb. Die Kaution wurde laut Gericht von einem Freund des 49-Jährigen gezahlt.

Mehr zum Thema

Mehr als drei Wochen nach der Brandkatastrophe werden nach Angaben von Schweizer Behörden und Krankenhäusern noch immer rund 70 Verletzte in Krankenhäusern in der Schweiz und anderen Ländern behandelt, auch in Italien. Einige der Schwerverletzten befinden sich weiter auf der Intensivstation und kämpfen ums Überleben.

Lesen Sie hier weiter: Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana schieben sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zu. Die Barbetreiber inszenieren sich als Opfer. Und die Familien der Toten sollen abgespeist werden .

jus/AFP