Nach der verheerenden Brandkatastrophe bei einer Silvesterparty im Schweizer Skiort Crans-Montana bleibt der Barbesitzer in Haft. Ein Gericht hat die Untersuchungshaft für den Mann bestätigt. Wie am Montag aus Ermittlerkreisen verlautete, gilt die Entscheidung zunächst für drei Monate.
Bei dem Feuer in der Bar Le Constellation in Crans-Montana waren in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 100 Menschen teils schwer verletzt worden, darunter viele Jugendliche. Gegen das französische Betreiberehepaar Jacques und Jessica Moretti wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung ermittelt.
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Nach einer mehr als sechsstündigen Befragung hatte die Staatsanwaltschaft im Kanton Wallis am Freitag entschieden, Jacques Moretti in Gewahrsam zu nehmen, und dies unter anderem mit Fluchtgefahr begründet. Morettis Frau hingegen blieb auf freiem Fuß.
Berichten zufolge hatte Jacques Moretti gegenüber Ermittlern eingeräumt, dass ein Serviceausgang im Erdgeschoss der Bar zum Zeitpunkt der tödlichen Brandkatastrophe von innen verriegelt war. Demnach habe Moretti den Ausgang in der Unglücksnacht selbst von außen geöffnet und dann mehrere leblose Körper vor der Tür gefunden. Der Franzose soll zudem ausgesagt haben, er wisse nicht, warum der Ausgang verschlossen gewesen sei.
Moretti habe zudem eingeräumt, dass er selbst die Schaumstoffverkleidung der Decke eingebaut habe, die in Brand geraten war. Er erklärte demnach, alten Akustikschaum entfernt und durch Schaumstoff ersetzt zu haben, den er im Baumarkt gekauft habe. Mitarbeiter waren sich der Gefahr durch die Verkleidung offenbar bewusst. So hatte ein Kellner zu Silvester 2019/20 laut einem Video die Gäste vor der Gefahr gewarnt, den Schallschutz an der Decke in Brand zu setzen.
Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge war der Brand im Keller der Bar offenbar durch Partyfontänen ausgelöst worden, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach. Nach Angaben des Gemeinderatspräsidenten hatte die letzte der jährlich vorgeschriebenen Brandschutzinspektionen im Jahr 2019 stattgefunden.
