Der Gemeindepräsident von Crans-Montana hat eingeräumt, nach der Brandkatastrophe mit Dutzenden Toten zunächst nicht die richtigen Worte gewählt zu haben. »Ich bedauere, dass ich mich nicht im Namen der Gemeinde entschuldigt habe«, sagte Nicolas Féraud der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er habe »in einer für uns alle emotional sehr schwierigen Situation« den Fehler gemacht, »Vorsicht walten zu lassen, anstatt mich zu entschuldigen und Emotionen zu zeigen«.
Die Tragödie beschäftige ihn sehr. »Ich weine jeden Tag, weil ich all diese Menschen verloren habe, die vor allem so jung waren, und weil ich so viele Verletzte sehe, die noch immer leiden. Dieses Trauma wird mich mein ganzes Leben lang begleiten.« Sollte er angeklagt werden, werde er Verantwortung übernehmen, sagte Féraud. Bislang habe die Justiz ihn aber nicht befragt. Rücktrittsforderungen lehne er ab: »Solange ich gewählt bin, werde ich das Schiff nicht mitten im Sturm verlassen.«
Auftritt störte Angehörige
Féraud hatte im öffentlichen Teil einer Pressekonferenz fünf Tage nach dem tödlichen Brand ohne große Emotionen referiert. Er sprach unter anderem über fehlende Brandschutzkontrollen und sagte, die Gemeinde sei als Geschädigte am meisten betroffen. Das hatte Angehörige der Opfer empört.
Der SPIEGEL hatte sich schriftlich bei Feraud erkundigt , wann und wie das betroffene Lokal zuletzt kontrolliert wurde. Daraufhin antwortete er: »Wer sind Sie, so etwas zu verlangen! Ich habe den Anstand, Sie nicht so zu behandeln, wie Sie es verdienen, und zwinge mich dazu, Sie darüber zu informieren, dass die Kantonspolizei für die Information der Presse zuständig ist.«
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Bei einer Party in der Bar »Le Constellation« war in der Silvesternacht ein Feuer ausgebrochen. Partyfontänen hatten offenbar schalldämmenden Schaumstoff an der Decke entzündet. 40 Menschen starben, mehr als 100 erlitten teils schwere Verletzungen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Beschuldigt werden die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti. Jacques Moretti kam zuletzt gegen eine Kaution von 200.000 Franken (rund 216.000 Euro) aus der Untersuchungshaft frei, was in Italien für Empörung sorgte.
Wie es in Crans-Montana nach der Katastrophe weitergeht, lesen Sie hier .
