SpOn 17.02.2026
13:08 Uhr

Corona-Impfungen: Wie bestimmte Produkte zu Hirnthrombosen führten


Forschende haben aufgeklärt, warum Vektor-Impfstoffe in der Pandemie sehr selten gefährliche Blutgerinnsel auslösen konnten. Das Problem war demnach das Transportmittel, das den Wirkstoff in die Zellen brachte.

Corona-Impfungen: Wie bestimmte Produkte zu Hirnthrombosen führten

Hirnthrombosen nach bestimmten Coronaimpfungen kamen sehr selten vor, sorgten in der Pandemie aber für Unsicherheit. Nun hat ein internationales Forscherteam aufgeklärt, wie die Nebenwirkung entsteht. Die Ergebnisse könnten dazu dienen, in Zukunft sicherere Impfstoffe zu entwickeln, schreiben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im »New England Journal of Medicine« .

Die ersten Fälle der gefährlichen Blutgerinnsel im Gehirn durch den Coronaimpfstoff Vaxzevria von AstraZeneca waren im Frühjahr 2021 bekannt geworden. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hatte bis 31. Mai 2021 bei rund 9,2 Millionen Impfungen mit Vaxzevria 106 Fälle als Nebenwirkung der Impfung in Deutschland registriert, 21 Menschen starben. Hirnthrombosen kamen auch bei einem in Deutschland weniger eingesetzten Impfstoff von Johnson & Johnson vor.

Bei der Erkrankung handelt es sich um das impfinduzierte »Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom«, kurz TTS – wodurch es zu Blutgerinnseln mit gleichzeitig niedrigem Blutplättchenspiegel kommt. Inzwischen sind die Coronaimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson nicht mehr auf dem Markt. Forscher wollen aber verstehen, was genau das Problem war, um bei künftigen Impfungen vorzubeugen.

Das Transportmittel war das Problem

Auffällig war, dass die gefährlichen Blutgerinnsel bei den zugelassenen mRNA-Impfstoffen von Biontech und Moderna nicht vorkamen, sondern nur bei den sogenannten Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson. Diese bestehen aus eigentlich harmlosen Adenoviren, die den Wirkstoff in die Zellen transportieren.

Nun stellten die Forschenden jedoch fest: Die gefährliche Reaktion des Körpers betraf nicht den wirksamen Teil des Impfstoffs, sondern das Adenovirus. Das Transportmittel war offenbar das Problem, nicht der Wirkstoff der Impfung, der hier aus Erbgut für ein Oberflächenprotein des Coronavirus bestand.

Wird ein Vektor-Impfstoff gespritzt, richtet sich das Immunsystem unter anderem gegen das sogenannte Adenovirus-Protein VII. Die Krux: Ein Abschnitt dieses Proteins ähnelt einem Bestandteil des menschlichen Blutgerinnungssystems, dem Plättchenfaktor PF4.

Bei Menschen mit einer bestimmten Genvariante kann die Impfung so dazu führen, dass sie Antikörper gegen den Plättchenfaktor PF4 bilden. Dadurch wird die Produktion von Blutplättchen in ihrem Körper aktiviert. Es entstehen potenziell tödliche Blutgerinnsel (Thrombosen) im Gehirn mit einem gleichzeitigen Mangel an freien Blutplättchen (Thrombozytopenie).

»Jetzt können wir die verantwortliche Stelle im Protein VII des Impfstoffs gezielt verändern und Vektor-Impfstoffe für alle sicherer machen«, sagt Andreas Greinacher, einer von vier Studienleitern. Er hatte bereits 2021 an der Universitätsmedizin Greifswald eine erste Erklärung der Nebenwirkung vorgelegt. (Mehr dazu lesen Sie hier.)

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Coronaimpfungen haben Millionen Todesfälle weltweit verhindert. Für einige Menschen empfiehlt die Ständige Impfkommission weiterhin eine jährliche Auffrischungsimpfung im Herbst. Dazu zählen unter anderem: Menschen ab 60 Jahren sowie ab sechs Monaten mit einer Immunschwäche oder bestimmten anderen Grunderkrankungen.

atr/dpa