SpOn 30.11.2025
21:59 Uhr

Cindy Speich im Interview: Influencerin »Die Bauleitung« trotzt dem Hass der Männer


Cindy Speich teilt Handwerkscontent auf Instagram, und viele Männer regt das auf. Online wie offline erlebt die 30-Jährige täglich Beleidigungen. Ihre spöttische Art, damit umzugehen, schadet ihrem Erfolg nicht – im Gegenteil.

Cindy Speich im Interview: Influencerin »Die Bauleitung« trotzt dem Hass der Männer

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Frauen waren noch nie gut im Argumentieren. Und weißt du, warum du nur vier Gehirnzellen hast? Für jede Herdplatte eine.«

Hasskommentare sind für Cindy Speich zum Geschäftsmodell geworden.

Instagram-Reel @haus_plan_b: »Das ist Cindy, wie sie einen günstigen Sichtschutz baut. Und das, das ist Lukas. Lukas fragt Cindy: Wieso gibt's in Deutschland nur noch so Mannsweiber?«

Eigentlich betreibt die 30-Jährige einen Instagram-Kanal mit Bau-Content. So erfolgreich, dass ihr inzwischen mehr als 800.000 Menschen folgen.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Guck dir das doch mal an! Das liegt ja voll im Wasser, das Teil.«

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie vor drei Jahren ein rund 100 Jahre altes Haus in ihrer Heimat Thüringen gekauft und saniert es seitdem, in Eigenregie. Für die gelernte Friseurin neues Terrain. Sie nennt sich inzwischen selbst "Die Bauleitung”.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ich hatte früher mit dem Bauen gar nichts am Hut. Einer meiner Leitsprüche während des Bauens war immer: ›YouTube regelt.‹ Bagger fahren zum Beispiel. Das habe ich mir auch über YouTube beigebracht damals. Das war so das Erste.«

Eine Frau auf ihrer eigenen Baustelle. Ein Anblick, der einigen Spaziergänger keine Ruhe zu lassen scheint. Regelmäßig wird Cindy Speich belehrt. Ungefragt natürlich.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Da kam auch wieder so ein netter Herr, der dann der Meinung war, ich würde hier draußen Gipsplatten verarbeiten, also Trockenbauplatten. Als würde ich so doof sein und würde hier draußen irgendwelche Trockenbauplatten verarbeiten. Ich muss mich da ja eigentlich auch nicht rechtfertigen, aber man will ja trotzdem irgendwo freundlich sein. Sie meinen es ja alle nur gut. Unsere Spezies.«

Aber nicht nur an der Grundstücksgrenze wird Cindy Speichs Können in Frage gestellt. Von Anfang an bekommt sie auch online Kommentare von denen, die meinen, etwas besser zu wissen.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ein klassischer Kommentar von Marco, der schreibt: ›Und wer hat dir im Hintergrund geholfen?‹ Es gibt immer Leute, die das alles sehr anzweifeln. Selbst wenn ich auf dem Gerüst stehe und bin am Verputzen, die dann trotzdem das alles in Frage stellen, nicht glauben können. Das ist wirklich für viele Menschen wie als würden die irgendwie eine neue Galaxie entdecken oder so. Würde mein Mann draußen stehen auf dem Gerüst und würde vor allem dann auch noch dazu Videos ins Internet stellen – es würde keiner, glaube ich, oder kaum jemand anzweifeln, dass er das gemacht hat, dass er das kann. Oder ihn fragen: ›Ja, wo sind denn deine Kinder?‹

Zum einen wird ihr das handwerkliche Können abgesprochen, zum anderen wird sie beleidigt und ihr Körper bewertet.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Wenn ich draußen zeige, wie ich ein Fundament anfertige und kein bisschen auf mein Äußerliches eingehe, und ich auch nicht darum bitte, um deren Meinung dazu, warum muss man mich dann auf meinen Körper hinweisen? Warum?«

Von wem solche Kommentare kommen, kann Cindy Speich eindeutig sagen:

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Es sind nur Männer. Ich habe das Gefühl, dass mir oft Dinge abgesprochen werden, nicht zugetraut werden oder wie gesagt auch oft unterstellt wird, dass ich das gar nicht gemacht habe, weil ich halt eine Frau bin.«

Als Cindy vor rund drei Jahren anfing, Videos zu posten, löschte sie noch alle Hasskommentare, hat versucht, sie zu ignorieren. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes bekam sie immer mehr abfällige Bemerkungen über ihren Körper. Das hat sie verletzt. Heute möchte Cindy Speich in ihren Videos vor allem den Tätern den Spiegel vorhalten.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ich nutze ja die Hate-Kommentare in meinen Videos und meistens startet das Video mit einem Hate-Kommentar.«

Instagram-Reel @haus_plan_b: »Das ist Cindy, wie sie hübsche Pflanzkästen baut. Und das, das ist Marius. Marius findet: Alle Frauen denken, sie wären fett, bis auf die verfetteten. Steffen schreibt: Die Dicke kann nichts. Sebastian schreibt: Es ist einfach die Wahrheit! Und jetzt ab mit dir in die Küche, Mädel!«

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Also eigentlich dürfte ich die Kommentare, die ich öffentlich bekommen habe, auch öffentlich teilen. Unzensiert. Ich persönlich zensiere aber die Namen, weil ich mittlerweile jeden Monat irgendeine Abmahnung bekomme. Ich habe auch zum Beispiel mal einen Kommentar von einem Musiker bekommen, der selber in der Öffentlichkeit steht und mich beleidigt hat in einem Kommentar. Und das habe ich dann auch veröffentlicht, damals noch unzensiert. Da war mein Profil noch nicht so groß. Und es hat keine 24 Stunden gedauert und ich hatte direkt die ersten E-Mails, weil ich ihm ja sein ganzes Leben zerstört hätte, mit diesem Video und ich möchte das doch bitte löschen. Ich habe es nicht gelöscht, ich habe es drinnen gelassen, aber das Ding war, die haben das dann offenbar mehrfach gemeldet und Instagram hat das Video dann nach zwei Wochen gelöscht. Das hat mir einfach bewiesen: Okay, der Täter wird in dem Sinne geschützt, es passiert nichts.«

Cindy Speich kritisiert in ihren Videos unter anderem Geschlechterklischees. Klischees, die sie wütend machen.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Wenn Typen ihre Wut herauslassen in Form von Musik oder Content, Videos. Das wird total gefeiert. Aber wenn du als Frau, und ich habe auch diese Wut in mir, die ich ja auch irgendwo rauslasse in meinen Videos, das darf nicht sein. Ich finde das gut. Eigentlich müssten noch mehr Frauen so was machen und noch mehr rauslassen.«

Online-Hass mag zunächst folgenlos erscheinen. Aber wer denkt, man dürfe im Netz alles schreiben, denkt womöglich auch, das sei in der persönlichen Begegnung okay.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ich hatte letztens einen Herrn getroffen, als ich auch unterwegs war in der Arbeitshose und so und er dann natürlich auch direkt anfing: ›Ja, was willst du denn, wenn Frauen auf dem Bau arbeiten und so was sollen wir Männer dann machen? Sollen wir uns dann etwa um die Kinder kümmern, Haushalt schmeißen und kochen und so?‹ Dann habe ich gesagt: ›Ja‹. Also das war schon sehr angespannt, das Gespräch.Klar, du bekommst diese Kommentare, aber das ist dann immer noch mal was anderes, wenn dann so ein Mann dir gegenübersteht und dir das so sagt.«

Wie Cindy Speich geht es vielen Personen des öffentlichen Lebens. Luisa Neubauer ging bereits gerichtlich gegen Hasskommentare vor. Luisa Dellert zeigt jeden Hasskommentar an und die Journalistin Dunja Hayali hat sich aufgrund enormer Anfeindungen aus den Sozialen Medien zurückgezogen. Laut der Studie »Lauter Hass, leiser Rückzug«, unter anderem durchgeführt von der Organisation Hate Aid, richtet sich Hass vorrangig gegen Menschen, die sich politisch äußern. An zweiter Stelle steht das Aussehen, wie bei Cindy. Neben Beleidigungen erlebt die 30-Jährige aber auch immer wieder Übergriffiges, und potenziell Bedrohliches.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ich hatte zum Beispiel auch mal hier zwei Männer stehen, die kamen hierher. Da habe ich gerade hinten gebaut, im Garten, und die wollten mich einfach besuchen kommen. Und ich dachte mir so: Woher wissen die, wo ich wohne? Die haben dann auch gesagt: ›Ja, ganz easy durch Google Maps‹. Mir hat auch schon ein Mann mal über Instagram ein Foto geschickt von Google Maps, wo mein Haus dann auch eingekreist war und so, also das hat er auch easy herausgefunden, obwohl ich nie meine Straße und so geteilt habe.«

Bislang hätten es alle Besucherinnen und Besucher gut mit ihr gemeint, sagt Cindy Speich. Einschüchtern lassen will sie sich von so etwas nicht.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Ich habe einfach aus dem Hass mein Business gemacht. Ich verdiene mit dem Hass mein Geld. Also an der Stelle einen großen Dank an meine Hater.«

Und es gibt auch Dinge, die sie motivieren, weiter zu machen.

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Jetzt schreiben mir ganz viele auch, und das wirklich jeden Tag, dass sie tatsächlich durch meine Videos, durch meinen Content sich so motiviert fühlen und dann einfach auch selber irgendwas gemacht haben und schicken mir dann Bilder von den Ergebnissen und so und ich finde das ganz toll. Das gibt mir natürlich ganz viel.«

Feedback, das ihr hilft, besser umzugehen mit Hass wie diesem:

Cindy-Adriana Speich, Bau-Influencerin:
»Von einem Lukas: Wer sich öffentlich zur Schau stellt, muss damit rechnen, auf körperliche Defizite hingewiesen zu werden. Es gibt schließlich hier eine öffentliche Kommentarfunktion, und deshalb werde ich mein Maul weiter aufmachen. Alles klar, wissen wir Bescheid. Ich auch. Ich mache auch mein Maul auf.«

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