SpOn 27.11.2025
15:11 Uhr

Christina Block vor Gericht: Hauptverdächtiger David Barkay hofft offenbar auf Bewährungsstrafe


Fast zwei Jahre wurde nach David Barkay mit Haftbefehl gefahndet. Jetzt sagte er bei den Ermittlern aus, nach SPIEGEL-Recherchen offenbar mit der Absicht, eine mildere Strafe zu erreichen.

Christina Block vor Gericht: Hauptverdächtiger David Barkay hofft offenbar auf Bewährungsstrafe

Über Monate wurde im Saal 237 des Landgerichts Hamburg über ihn geredet: David Barkay, ein angeblicher israelischer Ex-Geheimdienstler. Er ist der Hauptverdächtige im Fall der beiden entführten Kinder der Unternehmerin Christina Block. Den Ermittlern zufolge soll er maßgeblich die Entführung vorbereitet und durchgeführt haben. Danach soll er nach Israel geflogen sein. Seit März 2024 wird nach Barkay international gefahndet.

Mitte November erklärte die Staatsanwaltschaft Hamburg überraschend, dass David Barkay in Kontakt mit den Ermittlern stehe – und bereits vier Tage lang ausführlich ausgesagt habe. Warum er das zu diesem Zeitpunkt gemacht hat, ist bislang nicht bekannt. In der 327-seitigen Abschrift der Vernehmung geht er nicht darauf ein. Einen Hinweis könnte jedoch ein Vermerk der Staatsanwaltschaft liefern; er liegt dem SPIEGEL vor.

So scheint David Barkay die Ermittler gefragt zu haben, ob für ihn eine Bewährungsstrafe möglich sei. Die Staatsanwälte sagten ihm daraufhin, dass das nicht wahrscheinlich sei – aber auch »nicht völlig ausgeschlossen«. Sein Anwalt reagierte nicht auf eine Anfrage.

Mehrere Jahre Haft drohen

Gegen David Barkay wird unter anderem wegen Kindesentziehung, Freiheitsberaubung, Misshandlung Schutzbefohlener und Körperverletzung ermittelt. Es sind Taten, für die mehrere Jahre Haft drohen. Die Staatsanwaltschaft teilte Barkay aber laut Vermerk auch mit, dass er mit einer »erheblichen Strafmilderung« rechnen könne, sollte er die Tat gestehen und mit seiner Aussage helfen, herauszufinden, was genau passiert ist und wer beteiligt war.

In der Silvesternacht 2023 soll David Barkay mit mindestens sieben weiteren Tätern die zwei jüngsten Kinder von Christina Block entführt haben. Die Kinder lebten seit August 2021 bei ihrem Vater in Dänemark, gegen den Willen der Mutter. Kurz nach der Entführung trafen die Kinder auf ihre Mutter, kehrten aber am 5. Januar zurück zu ihrem Vater. Grund war ein Beschluss des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Hamburg.

Barkay soll demnächst im Prozess aussagen

In seiner Vernehmung gestand David Barkay die Tat, erklärte aber auch, er sei von Christina Block beauftragt worden, die Kinder zu holen. Ihm soll dabei von der Mutter weisgemacht worden sein, die Kinder seien beim Vater in Gefahr und es sei legal, die Kinder zurückzubringen. Christina Blocks Anwalt Ingo Bott wollte sich zu den neuen Vorwürfen nicht äußern.

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Auch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Christina Block hinter der Tat steckt. Seit Juli 2025 muss sie sich deshalb in einem Strafprozess vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Neben Block sitzen sechs weitere Personen auf der Anklagebank, unter anderem der ehemalige ARD-Sportkommentator Gerhard Delling. Er ist der Lebensgefährte von Block und soll ihr geholfen haben. Beide bestreiten die Vorwürfe.

David Barkay soll nach SPIEGEL-Informationen an einem der nächsten Prozesstage als Zeuge aussagen. Der Prozess ist derzeit ausgesetzt und soll am 10. Dezember fortgesetzt werden.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte über Barkays Aussage: Es geht um 220.000 Euro in bar – und um Schockmomente bei der Entführung der Kinder .

chp