SpOn 27.01.2026
14:25 Uhr

China und Wirtschaft: Deutsche Firmen ziehen Geld aus den USA ab und investieren massiv in China


Wegen Donald Trumps erratischer Zollpolitik reduzieren deutsche Firmen ihre Geschäfte in den USA. Forscher sehen gleichzeitig verstärkte Investitionen in China. Für Deutschlands Exportbilanz sei das ein erhebliches Problem.

China und Wirtschaft: Deutsche Firmen ziehen Geld aus den USA ab und investieren massiv in China

Das Wachstum in China stottert. Zuletzt meldete die Regierung in Peking das schwächste Quartal seit Langem. Doch der riesige Markt in dem Land zieht weiter Firmen aus Deutschland an. Sie haben im vergangenen Jahr ihre Investitionen in China deutlich erhöht.

Laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) sind insgesamt mehr als sieben Milliarden Euro zusätzlich an ‌Direktinvestitionen geflossen. Das sei der höchste Wert seit 2021 und rund die Hälfte mehr als 2024. Er liege auch über dem längerfristigen Durchschnitt der Jahre 2010 bis 2024 von sechs Milliarden Euro.

»In der Gesamtschau bauen die deutschen Unternehmen in China ihr Engagement dort weiter aus – und das mit wieder erhöhtem Tempo«, sagte der Leiter des Bereichs Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienmärkte am IW, Jürgen Matthes.

Gewinne in China werden reinvestiert

Dagegen haben sich die Investitionen deutscher Unternehmen in den USA im ersten Jahr von Präsident Donald Trumps zweiter Amtszeit nahezu halbiert: Von Februar bis November 2025 brachen die Direktinvestitionen um 45 Prozent auf insgesamt rund 10,2 Milliarden Euro ein, wie aus einer anderen IW-Studie hervorgeht.

Das IW hat sich auch ‌die Finanzierung der deutschen Direktinvestitionen in der Volksrepublik angeschaut. Demnach stammen die Gelder dafür vor allem aus Gewinnen chinesischer Tochterunternehmen, die reinvestiert wurden und nicht nach Deutschland zurückgeflossen sind.

Die ⁠aus Gewinnen in der Volksrepublik ‍reinvestierten Mittel lägen mit rund zwölf Milliarden Euro sehr viel höher als die tatsächlichen neuen Investitionen von sieben Milliarden Euro.

Firmen geben Druck aus Peking nach

»Diese hohe Differenz deutet darauf hin, dass es wie in den Vorjahren auch deutsche Firmen gibt, die in erheblichem Umfang Investitionen aus China abgezogen haben«, sagte Matthes. Viele und vor allem einige größere Unternehmen wollten ​dort aber weiter investieren. Oft würden sie dem chinesischen Druck nachgeben, zunehmend die gesamte Wertschöpfung in die Volksrepublik zu verlagern.

So setzten immer ⁠mehr auf die Strategie »China für China« oder gar »China für die Welt«. »Dabei greifen sie immer mehr auf lokale Zulieferer und immer weniger auf Lieferungen aus Deutschland zurück«, sagte der IW-Experte. Das kann vor möglichen Zöllen und Exportbeschränkungen schützen. Aber auch die Produktentwicklung geschehe zunehmend in China, teils werde sogar neueste Forschung dort angesiedelt.

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Die Unternehmensgruppe EBM-Papst etwa, die als Weltmarktführer im Bereich Ventilatorentechnik gilt, hat 30 Millionen Euro in den weiteren Ausbau des Standorts Xi'an gesteckt. »Wir ⁠entwickeln und produzieren dort, wo unsere Kunden sind«, sagte ein Unternehmenssprecher.

Nicht nur die Fertigung erfolge vor Ort, sondern auch lokale Entwicklung – vom Engineering bis zur Anpassung von Produkten an regionale Anforderungen. »Dies macht uns vor Ort schneller, anpassungsfähiger und unabhängiger von globalen Störungen«, so der Sprecher.

Warnung vor günstigen Importen aus China

Der ‌Trend zur lokalen Produktion dürfte sich in der Exportbilanz niederschlagen. »Das alles ‍wird unsere Exportchancen nach China weiter verringern, die ohnehin schon stark unter den chinesischen Wettbewerbsverzerrungen leiden«, sagte Matthes.

Peking setze nachweislich viel mehr als andere Länder auf staatliche Subventionen. Zudem sei die ‍Landeswährung Yuan gegenüber dem Euro deutlich unterbewertet. »Beides führt dazu, dass chinesische Produktion in China und Exporte von dort zu unseren Lasten künstlich verbilligt sind«, sagte der IW-Ökonom.

Problematisch werde es vor allem dann, wenn deutsche Firmen in China ebenfalls von ‍Subventionen vor Ort profitieren oder gar erst angelockt würden und so immer weniger auf den heimischen Standort setzten. »Noch mehr schadet es der deutschen Industrie, wenn mit ⁠chinesischer ​Staatsförderung hergestellte Produkte nach Europa exportiert werden, weil dann subventionierte chinesische Jobs auf unfaire Weise mit deutschen Arbeitsplätzen konkurrieren«, sagte Matthes.

Die Berechnungen des Instituts zu den Direktinvestitionen beruhen auf den Werten der Bundesbank für den Zeitraum Januar bis November 2025. Diese ​wurden auf das Gesamtjahr hochgerechnet.

mmq/Reuters