SpOn 21.11.2025
11:53 Uhr

China sagt Konzerte aller japanischen Musiker ab – mit sofortiger Wirkung


Die politischen Differenzen in der Taiwanfrage haben drastische Folgen für die Musikszene: Chinesische Behörden gehen gegen japanische Künstler vor, ein Veranstalter berichtet von einer Unterbrechung mitten im Soundcheck.

China sagt Konzerte aller japanischen Musiker ab – mit sofortiger Wirkung

China sagt wegen diplomatischer Spannungen abrupt Konzerte japanischer Musiker ab. So wurde der renommierte Jazzbassist Yoshio Suzuki am Donnerstag mitten im Soundcheck für einen Auftritt in Peking von Zivilpolizisten unterbrochen.

»Nach weniger als einer Minute kam der Besitzer des Veranstaltungsortes zu mir und sagte, die Polizei habe ihm mitgeteilt, dass alle Konzerte mit Japanern abgesagt seien – und dass es keine gebe«, sagte der seit 13 Jahren in der Volksrepublik lebende deutsche Dokumentarfilmer und Konzertveranstalter Christian Petersen-Clausen der Nachrichtenagentur Reuters. Der 80-jährige Suzuki und sein Quintett hatten ein monatelanges Prüfverfahren durchlaufen, um die Visa für ihre Auftritte zu erhalten. »Sie waren total begeistert, nach China zu kommen«, sagte Petersen-Clausen. Nun sei die Band »am Boden zerstört«.

Reiseboykott nach Japan

Die Absage ist kein Einzelfall: In dieser Woche wurden etwa ein Dutzend Konzerte in größeren chinesischen Städten gestrichen. Musiklokale wurden am Donnerstag und Freitag zudem von den Behörden gewarnt, dass auch die restlichen für 2025 geplanten Konzerte mit japanischen Musikern abgesagt werden könnten.

Auslöser sind Äußerungen der neuen japanischen Ministerpräsidentin Sanae Takaichi von Anfang des Monats. Sie hatte erklärt, ein chinesischer Angriff auf Taiwan, der das Überleben Japans bedrohe, könne eine militärische Reaktion Tokios auslösen. Die Volksrepublik, die die demokratisch regierte Insel als eigenes Territorium betrachtet, reagierte verärgert und kündigte Konsequenzen an. Die Reaktion Pekings begann mit wirtschaftlichen Maßnahmen wie einem Boykott von Reisen nach Japan und einem Einfuhrverbot für japanische Meeresfrüchte.

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Nun weitet sich der Konflikt zunehmend auf kulturelle Veranstaltungen aus. So wurde auch ein für Mittwochabend geplantes Konzert der Sängerin Kokia in Peking kurzfristig abgesagt, wie aus zahlreichen Beschwerden von Fans in den sozialen Medien hervorging. Videos in den sozialen Netzwerken zeigten eine aufgebrachte Menge vor dem Veranstaltungsort. »Gebt uns unser Geld zurück!«, riefen verärgerte Fans.

China hat in der Vergangenheit wiederholt kulturelle Boykotte als Druckmittel in diplomatischen Auseinandersetzungen eingesetzt. So dürfen seit einem Streit über ein Raketenabwehrsystem im Jahr 2016 keine großen südkoreanischen Popbands mehr in China auftreten.

Auch Filmpremieren betroffen

Auch Auftritte von japanischen Comedians und Premieren japanischer Filmproduktionen wurden abgesagt, wie die »South China Morning Post« berichtet . Die in Hongkong erscheinende Zeitung betont, viele Chinesen seien mit japanischen Animationsfilmen wie denen von Studio Ghibli aufgewachsen.

Die Absagen der Konzerte träfen die chinesische Wirtschaft in einer Zeit, in der die Regierung angesichts einer Konjunkturflaute versuche, die Ausgaben für Dienstleistungen anzukurbeln, sagte Veranstalter Petersen-Clausen. Er verwies auf die wirtschaftlichen Folgen durch stornierte Flüge und Hotelbuchungen der Fans. Livekonzerte seien zudem ein wichtiges Ventil für viele junge Chinesen. Die antijapanische Stimmung sei zwar online zu spüren, nicht jedoch bei den Konzerten selbst. »Ich habe noch nie erlebt, dass jemand in diesen Momenten die Politik ins Spiel gebracht hat.«

feb/Reuters