Demografie ist so ein Begriff in diesen Tagen. Viel wird über das deutsche Rentensystem diskutiert, die Alterung der Gesellschaft wird zu einem immer größeren Problem.
China will es offensichtlich gar nicht so weit kommen lassen – und greift dafür zu eher unkonventionellen Mitteln: So soll das erste Mal seit Jahrzehnten wieder eine Mehrwertsteuer auf Kondome und andere Verhütungsmittel erhoben werden. Die Maßnahme war bereits in einem 2024 verabschiedeten Gesetz enthalten, am 1. Januar soll sie laut dem »Guardian« in Kraft treten.
Mehr als 30 Jahre lang verfolgte China eine Einkindpolitik. Sie führte zu einer geringeren Geburtenrate, trieb den wirtschaftlichen Aufschwung an. Im Oktober 2015 erklärte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei die Einkindpolitik offiziell für beendet. Auch, weil die Gesellschaft massiv alterte.
Inzwischen versucht Peking wieder, Menschen dazu zu bewegen, mehr Kinder zu bekommen. Und ohnehin erst einmal wieder Menschen zusammenzubringen: Neben der Mehrwertsteuererhöhung für Kondome kommen zum Jahreswechsel etwa Steuererleichterungen für Kinderbetreuung und Partnervermittlungsdienste. Anreize für eine große Familie also.
Die Pläne Pekings sind nicht neu. Im laufenden Jahr stellte China laut dem Bericht umgerechnet fast 13 Milliarden Dollar an Zuschüssen für Kinderbetreuung bereit. Zwar stieg die Geburtenrate 2024 im Vergleich zum Vorjahr leicht an, auf 6,77 pro 1000 Einwohner. Das liegt aber immer noch weit unter dem historischen Niveau. Laut dem »Guardian« schrumpft die chinesische Bevölkerung seit mindestens drei Jahren.
13 Prozent auf Verhütungsmittel
Dem Bericht zufolge kostet eine Packung Kondome 40 bis 60 Yuan (5,70 bis 8,50 Dollar). Die Antibabypille liegt bei 50 bis 130 Yuan pro Monat. Ab Januar kommen dann 13 Prozent darauf. Ein Experte sagte dem »Guardian«, er rechne nicht damit, dass diese Maßnahme einen wesentlichen Einfluss auf die Geburtenrate haben dürfte.
Auch ein anderer Experte, Yun Zhou von der University of Michigan, sagte demnach, dass es vor allem um Symbolpolitik geht. Eine Symbolpolitik, die laut Yun vor allem zulasten von Frauen gehen dürfte. Denn sie trifft es meist zuerst, wenn Verhütungsmittel schwerer zu beschaffen sein werden.
