SpOn 04.08.2026
07:31 Uhr

China: Führungskader gehen offenbar in Klausur - Geheimtreffen in Beidaihe


Die Regierung in Peking schweigt immer zu diesem Termin: Im Badeort Beidaihe startet offenbar die jährliche Geheimklausur und befeuert Spekulationen über Machtkämpfe ​an der Spitze der Kommunistischen Partei.

China: Führungskader gehen offenbar in Klausur - Geheimtreffen in Beidaihe

In China hat wohl das geheime Sommertreffen der Staats- und Parteiführung begonnen. Eine Zusammenkunft von Präsident Xi ​Jinpings Stabschef Cai Qi mit Wissenschaftlern am Montag in dem Badeort Beidaihe gilt als Indiz für ‌den Beginn der traditionellen Klausur. Die Regierung in Peking bestätigt das Treffen nie offiziell.

Soldat an einem Privatstrand in Beidaihe

Soldat an einem Privatstrand in Beidaihe

Foto: © Staff Photographer / Reuters/ REUTERS

Die wochenlange Funkstille der Führungsriege und die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in dem Küstenort, der etwa anderthalb Schnellzugstunden von Peking entfernt liegt, befeuern jedoch jedes Jahr Spekulationen über Personalentscheidungen und Machtkämpfe an der Spitze der Kommunistischen Partei. Chinesische Staatsmedien vergleichen Beidaihe mit dem Landsitz des US-Präsidenten ⁠in ⁠Camp David oder dem russischen Sotschi.

»Xi war sehr erfolgreich darin, den Einfluss der Älteren zurückzudrängen.«

Jean Christopher Mittelstaedt, Universität Zürich

Früher galt das Treffen dort als eine wichtige Gelegenheit für amtierende und pensionierte Kader, hinter den Kulissen über Personal- ‌und Politikfragen zu verhandeln und Einfluss auszuüben. Unter dem ​mächtigen Präsidenten Xi ‌hat sich dies jedoch Beobachtern zufolge geändert. »Xi war sehr erfolgreich darin, den Einfluss der Älteren zurückzudrängen, sodass das Treffen im letzten Jahrzehnt an Bedeutung verloren hat«, sagte Jean Christopher Mittelstaedt von der Universität ‌Zürich der Nachrichtenagentur Reuters. Der Spielraum für echte Verhandlungen sei unter Xi, der die Macht stark auf sich konzentriert habe, enger geworden.

Beobachtern zufolge ‌dürften bei den diesjährigen Beratungen konkrete ​Themen im Vordergrund stehen:

  • So bereitet sich die Partei auf ein wichtiges Treffen im ‌Oktober ​vor, bei dem es um die Verschärfung der Parteidisziplin gehen soll.

  • Zudem steht die Führung vor wachsendem ​wirtschaftlichen Gegenwind im eigenen Land ⁠und muss Personalfragen vor dem ​21. Parteitag ​im kommenden Jahr vorbereiten, bei dem eine größere Regierungsumbildung erwartet wird.

Bereits vor dem Treffen hat Xi Jinping die Führung der Kommunistischen Partei zu einem verschärften Kampf gegen die Korruption im Militär aufgerufen. »Die Waffen müssen ​stets dem Befehl der Partei gehorchen«, sagte Xi am Freitag auf einer Sitzung des Politbüros, Chinas obersten Entscheidungsgremiums. ‌

Mehr zum Thema

Zudem forderte er die Einrichtung eines intelligenten Militärsystems, das verstärkt auf unbemannte Technologien und Cybersysteme setzt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Maßstab für die Modernisierung sei stets die Kampfkraft, betonte Xi einen Tag vor dem 99. Jahrestag der Gründung der Volksbefreiungsarmee.

Der Jahrestag findet inmitten eines verstärkten Vorgehens gegen ​Korruption im Militär statt. Einem Bericht des Londoner Forschungsinstituts IISS vom Februar zufolge hat dieses Vorgehen gegen ⁠ranghohe ⁠Militärs die Kampfbereitschaft beeinträchtigt und zu ernsthaften Mängeln in der Kommandostruktur der Armee geführt.

dop/Reuters