SpOn 09.02.2026
13:33 Uhr

China: Antike Hochkultur Shijiahe endete wohl mit Überschwemmungen


Vor 4000 Jahren bauten die Menschen in Zentralchina Städte mit Palästen und Wasserversorgung, sie schufen Kunst aus Jade und Keramik. Warum die Kultur zusammenbrach, erklären Forscher nun mithilfe von Tropfsteinen.

China: Antike Hochkultur Shijiahe endete wohl mit Überschwemmungen

Die Shijiahe-Kultur in der mittleren Region des Jangtsekiang zählt zu den frühen Hochkulturen der Erde. Vor rund 4600 Jahren entwickelten die Menschen im Zentrum des heutigen China Stadtmauern und Paläste, ein ausgeklügeltes System der Wasserversorgung sowie eine blühende Kunst mit Jade- und Keramikverarbeitung. Doch innerhalb von tausend Jahren ging diese Kultur unter und wanderte aus der Region ab. Bislang war der Grund dafür unklar.

Ein internationales Forschungsteam von der Universität Oxford und der Chinesischen Universität für Geowissenschaften in Wuhan sieht die Antwort nun in einer damaligen Änderung des Klimas. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die in der Fachzeitschrift »National Science Review«  veröffentlicht wurde.

Als zentraler Beleg diente ein präzise datiertes »Regenjahrbuch« anhand von Tropfsteinen aus der Heshang-Höhle im mittleren Jangtse-Tal. Stalagmiten entstehen, wenn Regentropfen von der Höhlendecke fallen und die darin gelösten Mineralien neue Schichten von Kalziumkarbonat ablagern. Diese bilden Stalagmiten, die sich vom Höhlenboden erheben. Genaue Messungen der chemischen Zusammensetzung der verschiedenen Schichten dieser Tropfsteine erlaubten, den Zeitpunkt ihrer Entstehung zu bestimmen und daraus die jährliche Niederschlagsmenge über einen Zeitraum von tausend Jahren zu ermitteln.

Heute regnet es noch mehr

Ihre Rekonstruktion ergab, dass das Tal drei Perioden mit geringen Niederschlägen (weniger als 700 Millimeter pro Jahr) von 40 bis 150 Jahren Dauer und zwei Perioden mit hohen Niederschlägen (mehr als 1000 Millimeter pro Jahr) erlebte, die 80 bis 140 Jahre dauerten. Der Vergleich mit archäologischen Daten aus der Region zeigte, dass diese Perioden mit vermehrten Überschwemmungen, der Ausbreitung von Feuchtgebieten und einem deutlichen Bevölkerungsrückgang im Tal einhergingen.

Die Region erlebte vor 3950 Jahren einen besonders tiefgreifenden Klima- und Kulturwandel, der mit dem Beginn der längsten vom Forschungsteam rekonstruierten Periode mit hohen Niederschlägen zusammenfiel. Während dieser Zeit führten die starken Regenfälle zu einer Ausdehnung der Seen im mittleren Jangtse-Tal, zur Überschwemmung tief liegender Gebiete und zu einem drastischen Rückgang der Siedlungs- und Ackerflächen. An diesen Wandel konnte sich die Shijiahe-Kultur offenbar nicht ausreichend anpassen. Der Rückgang archäologischer Funde ab dieser Zeit deutet auf einen deutlichen Bevölkerungsrückgang hin, der über Jahrhunderte anhielt. Es gibt Hinweise darauf, dass die Bevölkerung nach dem Ende der Shijiahe-Kultur ihr urbanes Zentrum im Tal verließ und sich in die umliegenden höher gelegenen Regionen zerstreute.

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Laut den Forschern liefern die Ergebnisse wertvolle Erkenntnisse für den Umgang mit aktuellen und zukünftigen Umweltveränderungen. Die Analyse zeigt, dass selbst die höchsten jährlichen Niederschlagsmengen während des Untergangs der Shijiahe-Kultur (1200 Millimeter pro Jahr) von denen der letzten 120 Jahre mit bis zu 1500 Millimeter pro Jahr übertroffen werden. Hauptautor Jin Liao aus Wuhan sprach von einer »begrenzten Anpassungsfähigkeit antiker Gesellschaften«. Die Forschungsergebnisse unterstrichen zugleich aber auch, dass die moderne Welt auf weitere Minderung von Klimarisiken angewiesen sei. Obwohl moderne Wassermanagementtechniken diese Region zu einem wichtigen Reisanbaugebiet Chinas gemacht haben, dürften die steigenden Temperaturen infolge des Klimawandels die Intensität extremer Überschwemmungen verstärken und die lokale Bevölkerung gefährden.

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