Der Teenager, über den am späten Dienstagabend in London so viele sprachen, suchte nach Worten. Er wisse gar nicht recht, wie er beschreiben solle, was da gerade geschehen sei. Das sagte Estêvão, 18, Flügelstürmer des FC Chelsea. Mit seinem Team hatte der Brasilianer soeben den FC Barcelona in der Champions League geschlagen. 3:0 (1:0) siegten die Blues.
Dann fand er die Worte doch. »Es ging alles sehr schnell«, sagte Estêvão im TV nach Spielende, »ich habe einfach eine Lücke gefunden, mich durchgeschlängelt und dann das Tor geschossen.« Ein besonderer Moment in seiner Karriere sei dieser Treffer gewesen.
Das war er tatsächlich, denn Estêvãos Tor um 2:0 war der Höhepunkt der Partie. Der flinke Stürmer kam rechts vor dem gegnerischen Strafraum an den Ball, tänzelte an Barcelonas Abwehrspieler Pau Cubarsí vorbei, setzte sich gegen einen zweiten Verteidiger durch und schoss den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Elegantes Dribbling, wuchtige Präzision im Abschluss, es war ein spektakulärer Treffer.
»Es ist ein großer Abend für Estêvão«
Im Sommer war Estêvão von Palmeiras für 45 Millionen Euro zum FC Chelsea gewechselt, die Ablöse soll auf mehr als 60 Millionen Euro steigen können. Sechs Tore und eine Vorlage gelangen ihm seither. Aber dieser Auftritt gegen Barcelona war sein bislang bemerkenswertester.
»Es ist ein großer Abend für Estêvão, ein großer Abend für den gesamten Verein«, sagte Chelseas Enzo Maresca später. Als der Trainer gefragt wurde, ob Estêvão ihn an Lionel Messi erinnere, schlägt er leisere Töne an. »Lamine und er sind mit 18 noch so jung, dass es meiner Meinung nach zu viel Druck für junge Spieler wie sie wäre, wenn man anfängt, über Messi oder Ronaldo zu sprechen«, sagte er.
Estêvão in der Londoner Jubeltraube
Foto: Jose Breton / NurPhoto / IMAGO»Mit 18 müssen sie Spaß haben, sie müssen glücklich zum Training kommen, aber wenn man sie mit Messi oder Ronaldo vergleicht, ist das meiner Meinung nach zu viel für sie.«
Lamine Yamal, das Wunderkind mit dem noch größeren Namen, gelang am Dienstagabend nicht so viel wie Estêvão: ein Schuss, zwei Torschussvorlagen, Auswechslung in der 78. Minute. Da war Barça aber längst geschlagen.
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Ein Slapstick-Eigentor von Jules Koundé hatte die Katalanen in Rückstand gebracht (27. Minute), Koundé stocherte den Ball unbeabsichtigt durch die Beine eines Mitspielers und ins Tor. Verteidiger Ronald Araújo musste noch vor der Pause wegen einer Gelb-Rot vom Platz (44.). Es folgten die Treffer Estêvãos (55.) und von Liam Delap (73.). Während Chelsea in der Champions-League-Tabelle vorerst Fünfter ist, fällt Barcelona auf den 15. Rang. Der Vorjahreshalbfinalist muss um die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale bangen.
Er habe einige sehr positive Dinge gesehen, sagte Trainer Hansi Flick trotzdem mehrfach am Dienstagabend. Da seien aber auch manch schwerwiegende Ballverluste gewesen. »Wir müssen ein bisschen mehr kämpfen«, sagte Flick.
