Szene des Spiels: Ein Konter des FC Arsenal in der 73. Minute, und was für einer. Der eingewechselte Gabriel Martinelli flitzt aus der eigenen Hälfte los, bekommt den Ball, jagt aufs Tor. Bayern-Torwart Manuel Neuer stürmt ihm, aus seinem Strafraum kommend, entgegen, aber Martinelli lässt ihn einfach stehen, als wäre er gar nicht da. Wie das nun mal so ist, wenn ein 24-Jähriger in ein Laufduell mit einem 40-Jährigen geht. Es ist nicht mehr 2014, Manuel Neuer, es ist 2025. Martinelli schiebt den Ball ins leere Tor. Und mit dem 3:1 ist die Partie entschieden.
Manel Neuer kann nur noch hinterher schauen
Foto: Kin Cheung / APSzene des Spiels (aus Bayern-Sicht): Ein Schuss, ein Tor, die Bayern. 30 Minuten lang ist die Offensive der Münchner beim Gipfeltreffen beim FC Arsenal nicht existent, die Londoner führen 1:0, dann kommt der Moment, den sie haben wollen: Joshua Kimmich öffnet das Spiel mit einem langen Pass auf Serge Gnabry, der auf der rechten Seite den Ball gefühlvoll in den Strafraum weiterleitet, und den Rest erledigt, nein, nicht Harry Kane, sondern Lennart Karl, der 17-Jährige aus Leimen. Ein Fall für die Zahlenfetischisten des Fußballs: Der jüngste Spieler, der in der Champions League gegen den FC Arsenal getroffen hat.
Resultat des Spiels: Vincent Kompany, der Trainer des FC Bayern, hat diese Partie beim Tabellenführer der Premier League im Vorfeld als »Test« bezeichnet. Ein Test, wie sehr man auf diesem Niveau mithalten kann. Mithalten konnten sie, mehr diesmal aber auch nicht. Arsenal gewinnt 3:1 (1:1). Wer den Liveticker zu diesem Topspiel nachlesen will, kann das hier tun.
Die erste Halbzeit: So ein Spiel, das man gern als intensiv bezeichnet. Das ist immer dann die Krücke, wenn ein Spiel nicht so wirklich spektakulär ist, kaum Torchancen bietet, aber dennoch interessant ist. Erst überließ Arsenal den Bayern die Spielkontrolle, dann schlug die Elf von Mikel Arteta mit dem zu, mit dem man den Bayern derzeit am ehesten beikommt. Ein Standard. Jurrien Timber köpfte einen Eckball ins Bayern-Tor, nachdem er vorher clever Manuel Neuer mit einem kleinen Schubser kurz aus dem Tritt gebracht hatte. Neuer war so irritiert, dass er gar vergaß, den Reklamierarm in die Höhe zu recken. Bayern konterte danach über Kimmich, Gnabry, Karl zum Ausgleich. Remis zur Pause, und noch ein Wort aus dem Fußball-Inventar: leistungsgerecht.
Lennart Karl jubelt schon wie ein Alter. Hauptsache cool.
Foto: Peter Cziborra / Action Images / ReutersDie zweite Halbzeit: eine Arsenal-Halbzeit. Erst fliegt den Bayern ein Eckball nach dem nächsten um die Ohren, dass ihnen der Schweiß nur so ausbricht. Dann lassen sie sich klassisch auskontern, und Noni Madueke, ebenfalls eingewechselt, vollendet den Überfall-Angriff zum 2:1. Anschließend kommt der Auf- und Antritt von Martinelli, und am Ende ist das 3:1 noch ein Resultat, mit dem man sehr glücklich nach München zurückfliegen darf. Arsenal ist in Europa die Nummer eins. Bayern ist es in Deutschland.
Man of the Match: Eindeutig Nicolas Jover. Wer, bitte? Der Mann hat zwar nicht mitgespielt, aber er ist der Standardtrainer des FC Arsenal. Standardtrainer gibt es viele mittlerweile im Fußball, zum Beispiel beim DFB, aber meistens, zum Beispiel beim DFB, kann man davon auf dem Platz nicht viel entdecken. Anders bei Jover: Jeder Eckball, jeder Freistoß bei Arsenal ist durchchoreografiert wie bei einem Tschaikowsky-Ballett. Die Bayern dagegen nur als Panik-Orchester.
Und wieder so eine Arsenal-Ecke, inklusive Bayern-Panik
Foto: Andy Rain / EPADuell des Spiels:: Das Duell zweier Guardiola-Eleven. Der Arsenal-Trainer Arteta war Assistent von Guardiola bei Manchester City und hatte dort auch einen Spieler zu betreuen, der damals Stütze der Hellblauen war: Vincent Kompany. Kompany hat elf Jahre bei City gespielt, er hatte in jener Zeitspanne zahlreiche Duelle mit Arsenal, so gab es mal ein grandioses 6:3. Bei Arsenal traf damals noch Per Mertesacker.
Barttracht des Spiels: Es ist der November, der Monat, in dem sich seit Jahren Männer einen Schnauzer wachsen lassen, um damit auf Männerkrankheiten wie Prostatakrebs hinzuweisen. Das ist wohl auch Manuel Neuers Motivation für seinen blonden Schnauz, den er neuerdings spazieren führt. Jedenfalls würde er damit sofort für eine Neuverfilmung von Detektiv Rockford gecastet werden. In vier Tagen ist der November vorbei.
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Zitat des Spiels: »Er fühlt sich bei uns sauwohl, wir lieben ihn, in München fühlt er sich wohl – also was spricht dagegen?« Wenn man Bayern-Vorstand Max Eberl vor der Partie hört, scheint der Vertragsverlängerung von Harry Kane nichts im Weg zu stehen. Ähnliches hatte Eberl vor Jahresfrist schließlich auch über Thomas Müller gesagt.
Erkenntnis des Spiels: Sie können es also doch. Verlieren. Aber am Ende sei ihnen gesagt: Eine Niederlage beim FC Arsenal in der Ligaphase: was bedeutet was im November in einer Champions League-Saison? Nichts. Eine Standortbestimmung, mehr nicht. Es bedeutet genauso wenig wie ein Sieg bei PSG in der Ligaphase.
