Der Unverzichtbare: Die Rechnung war vermeintlich einfach: Schießt Erling Haaland kein Tor, hat Bayer Leverkusen gute Chancen auf eine Überraschung. Zumindest verlor Manchester City alle drei Partien der vergangenen drei Monate, in denen der Norweger nicht traf. In der Liga und der Königsklasse hatte Haaland bisher in 16 Spielen 19 Tore geschossen. Fast so, als wolle Manchesters Trainer Pep Guardiola beweisen, dass es auch ohne den Stürmerstar geht, ließ er ihn zunächst auf der Bank sitzen.
Nicht nur ihn: Insgesamt wechselte Guardiola auf zehn Positionen im Vergleich zum letzten Pflichtspiel und ließ über 600 Millionen Euro Marktwert zunächst draußen. Leverkusens Malik Tillmann sagte nach dem Spiel bei DAZN, dass die Aufstellung des Gegners noch einmal einen »Extra-Push« gegeben hätte.
Das Ergebnis: Leverkusen gelingt der Coup und besiegt Manchester City 2:0 (1:0). Nach den deutlichen Niederlagen gegen PSG und den FC Bayern bewies Leverkusen, dass es auch mit Topgegnern mithalten kann. Die »Werkself« nutzte ihre wenigen Chancen effizient, während City lange Zeit kaum etwas einfiel.
Stranger Things: Dabei mussten die Leverkusener bereits vor dem Anpfiff Nervenstärke beweisen. Auf dem Weg nach Manchester sorgten erst fehlendes Gepäck und ein fehlender Flugzeugschlepper für Verzögerungen, und dann durften die Bayer-Spieler die Maschine erst eine Stunde nach der Landung verlassen (mehr dazu hier). Die Pressekonferenzen mit Trainer Kasper Hjulmand und Mittelfeldspieler Aleix Garcia mussten um zwei Stunden verschoben werden. Garcia: »Es war strange. Ich wusste nicht genau, was los ist. Das Schlimmste war die Stunde Wartezeit«.
Kamera ab: Am vergangenen Wochenende zeigte sich Guardiola so, als hätte er drei Tage in einem Flugzeug festgesteckt. Durch die 1:2-Niederlage bei Newcastle United liegt Manchester City mit sieben Punkten Rückstand auf Tabellenführer Arsenal auf Rang drei der Premier League. Seinen Frust ließ Guardiola nach dem Spiel unter anderem an gegnerischen Spielern und einem Kameramann aus, dessen Equipment er beiseite drückte und ihn anfuhr. Hinterher sagte er, er schäme sich für sein Verhalten.
Bankqualität: In der Champions League lag Guardiolas Team mit zehn Punkten aus vier Spielen voll auf Kurs. Vielleicht deswegen erlaubte er es sich, seine B-Elf in die Partie gegen Leverkusen zu schicken. Gianluigi Donnarumma, Bernardo Silva, Phil Foden, Haaland, Jérémy Doku – sie alle nahmen zunächst auf der Bank Platz. Währenddessen besetzen bei Leverkusen fünf A-Jugendspieler die Plätze auf der Ersatzbank. Das lag zum einen an vielen Verletzten, zum anderen an Fehlkalkulationen vor der Saison. Der formstarke Jonas Hofmann war vor der Saison nicht für die Königsklasse nominiert worden.
Durch die Beine: Alejandro Grimaldo trifft zum 1:0
Foto: Peter Powell / REUTERSDie Kammer des Flekkens: In der ersten Hälfte kam Manchesters B-Elf nie so wirklich in Fahrt. Abschlüsse von Nathan Aké (5. Minute), Oscar Bobb (43.) und Tijani Reijnders (45.) wehrte Mark Flekken im Tor der Leverkusener ab. Der Niederländer besaß ohnehin in Manchester schon Angstgegner-Status. Mehrmals lehrte er City-Angreifern, damals noch im Trikot des FC Brentford, das Fürchten. Ohne Haaland ging im City-Angriff nicht viel zusammen. Bezeichnend dafür war eine klägliche Kung-Fu-Einlage seines Vertreters Omar Marmoush (37.), der eine Flanke verpasste, die Haaland gelegentlich ins Tor katapultiert.
Leverkusen spielte abwartend, ließ den Ball gut durch die eigenen Reihen laufen, um dann mit einem mustergültigen Angriff in der 23. Minute zuzuschlagen. Eine Flanke von Ibrahim Maza, legte Christian Kofane in den Rückraum ab. Kapitän Alejandro Grimaldo war zur Stelle und schloss trocken durch zwei Verteidiger-Beine zur 1:0-Führung ab. Spätestens ab diesem Moment waren im »City of Manchester-Stadium« nur noch die Auswärtsfans zu hören. Mit »Schalalalala SV Bayer« besangen sie ihr Team.
Vercoacht: Pep Guardiola nach dem Spiel
Foto: Dave Thompson / AP / dpaYoung Trafford: Zur Halbzeit reagierte Guardiola: Doku, Foden und Nico O'Reilly kamen in die Partie. Doch Leverkusen war das Team, das besser aus der Pause kam. Eine Flanke von Maza aus dem Halbfeld fand Stürmer Patrik Schick, der den Ball mit dem Kopf ins Tor streichelte (54.). Bei beiden Toren war Manchester Citys Torwart James Trafford – nicht zu verwechseln mit dem Stadion des Stadtrivalen Manchester United »Old Trafford« – machtlos. Sein Champions League-Debüt war das nächste unglückliche Kapitel seit der Rückkehr des City-Eigengewächses vom FC Burnley. Der 23-Jährige sollte die neue Nummer eins werden. Nach einem Patzer im Ligaspiel gegen Tottenham verpflichtete City jedoch Welttorhüter Donnarumma.
Schwere Geschütze: Wenig später hatte Guardiola genug gesehen und war bereit, die wirklich schweren Geschütze aufzufahren. Er winkte Haaland vom Aufwärmen heran. Dessen entschlossener Blick auf dem Weg zur Bank ließ nichts Gutes für Leverkusen erahnen. In der 70. Minute, fünf Minuten nach seiner Einwechslung, bekam Haaland nach einem Pass von Foden die Möglichkeit zum Anschluss. Wieder war Flekken zur Stelle, als der Norweger versuchte, ihn zu umkurven. Einen Schuss aus der Drehung (73.) schoss Haaland wenig später weit über das Tor. Spätestens jetzt läutete Leverkusen die Abwehrschlacht ein. Doch Flekken, der später zum »Man of the Match« gekürt wurde, wehrte alles ab.
Erling Haaland scheitert an Mark Flekken
Foto: Peter Powell / REUTERSAusblick: Leverkusen steht nun vorerst auf dem 13. Tabellenplatz der Champions League und darf sich mit acht Punkten Hoffnung auf die Playoff-Runde machen. Dafür wird es in den restlichen Spielen gegen Newcastle United, Olympiakos Piräus und Villareal allerdings noch Punkte benötigen. Manchester City könnte hingegen den Anschluss an die Spitzengruppe verlieren. Am nächsten Spieltag kommt es für die »Skyblues« zum Aufeinandertreffen mit Real Madrid.
