Der Wutanfall eines hochrangigen Managers der Campbell Soup Company bringt den US-Lebensmittelkonzern in Erklärungsnot. Der Ausraster des Mannes wurde aufgezeichnet und beinhaltet gleich mehrere heikle Punkte: beleidigende Worte über Konsumenten, rassistische Äußerungen gegenüber Mitarbeitern und der Vorwurf, dass bestimmte Zutaten angeblich verschleiert werden. So hatte der Mann angedeutet, der Lebensmittelkonzern verarbeite in seinen Konserven Fleischersatz aus dem 3D-Drucker.
Campbell Soup erwidert in einem Statement auf seiner Website: »Ein kürzlich veröffentlichtes Video enthielt falsche Aussagen über unsere Zutaten. Die in der Aufnahme hörbaren Kommentare über unser Essen sind nicht nur unzutreffend, sondern absurd. Wir verwenden weder im Labor gezüchtetes Huhn noch irgendeine Form von künstlichem oder biotechnologisch hergestelltem Fleisch in unseren Suppen.«
Die Aussagen, auf die Campbell abzielt, stammen demnach von einem IT-Manager. Die »Washington Post« zitiert den Mann aus Mitschnitten, die der Zeitung nach eigenen Angaben vorliegen. Demnach fielen die Zitate im November 2024 in einem Gespräch zwischen dem Manager und dem ehemaligen Campbell-Mitarbeiter Robert Garza. Die beiden trafen sich demnach eigentlich zu Gehaltsverhandlungen. Garza habe das Gespräch dann laut eigenen Angaben heimlich aufgezeichnet, weil der Manager ihm seltsam vorgekommen sei.
Die Zeitung zitiert den IT-Manager mit den Worten, die Suppen seines Arbeitgebers seien »Scheiß für scheiß-arme Leute«. Er würde die Produkte nicht mehr kaufen, jetzt, wo er wisse, was da drin sei. »Ich will kein Stück Huhn essen, das aus einem 3D-Drucker kommt«, hört man ihn an anderer Stelle sagen. Auf Anfragen reagierte der Mann laut der Zeitung nicht.
Ein Sprecher von Campbell Soup gab an, dass das Unternehmen die Angelegenheit sehr ernst nehme. Der IT-Manager wurde mittlerweile freigestellt.
Die Tonbandaufnahme ist laut »Washington Post« Teil von Garzas Klage wegen Diskriminierung am Arbeitsplatz gegen Campbell Soup und ehemalige Vorgesetzte. In der Klageschrift heißt es demnach, Garza sei im Januar gekündigt worden, nachdem er angekündigt habe, den IT-Manager wegen seiner Aussagen bei der Personalabteilung zu melden. Garza werte die Kündigung als Vergeltungsmaßnahme für seine Beschwerden über den Manager.
Fleisch aus dem Labor
Fleisch aus dem 3D-Drucker ist ein sensibles Thema für US-Unternehmen. Verbraucher stehen zellbasiertem Fleisch skeptisch gegenüber. Zugleich ist es ein großes Thema in der Forschung. Zellbasiertes Fleisch gilt als umwelt- und tierfreundliche Alternative. Dafür entnehmen Wissenschaftler lebenden Tieren winzige Gewebeproben, aus denen sie einzelne Zellen gewinnen. Diese vermehren sich und wachsen zu Gewebestücken heran, die unter anderem mit Fettzellen vermischt werden. Ein sogenannter Bioprinter verleiht dem Gemisch eine Struktur, die echtem Fleisch ähnelt.
Der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, erklärte in einem Beitrag auf X, Fleisch aus dem Labor sei per Gesetz in Florida verboten. »Unsere Verbraucherschutzabteilung leitet eine Untersuchung ein und wird Antworten von Campbell verlangen.« Zellbasiertes Fleisch ist in den USA auf Bundesebene erlaubt, aber in Florida per Landesgesetz verboten. In der Europäischen Union ist es bislang nicht zugelassen.
Campbell Soup weist die Behauptungen zu Fleisch aus dem 3D-Drucker entschieden zurück. In einer Stellungnahme betont der US-Konzern, »dass die Kommentare von einer Person aus der IT stammen«, die nichts mit der Herstellung der Lebensmittel zu tun habe.
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Laut dem Bericht äußerte sich der Manager in dem Gespräch auch rassistisch über indische Mitarbeiter, mit denen er nicht gern zusammenarbeite. Sollten die Kommentare tatsächlich gefallen sein, seien sie inakzeptabel, teilte Campbell mit. »Sie spiegeln nicht unsere Werte und die Kultur unseres Unternehmens wider.«
Die Campbell Soup Company ist auch wegen der Verpackung ihrer Dosensuppen bekannt. Der Künstler Andy Warhol verewigte die Dosen in den Sechzigerjahren in einer Pop-Art-Serie.
