SpOn 20.11.2025
02:41 Uhr

COP30 in Belém: Grüne Politikerin kritisiert Friedrich Merz aus Brasilien


»Nicht das Deutschland, das ich repräsentieren möchte«: Die Grüne Lisa Badum kritisiert den Kanzler von der Klimakonferenz aus. Mehrfach habe sie sich in Brasilien für dessen Geringschätzigkeiten entschuldigen müssen.

COP30 in Belém: Grüne Politikerin kritisiert Friedrich Merz aus Brasilien

Der Druck auf den Kanzler ist groß, nach dem jüngsten verbalen Fehltritt . Das gilt für das politische Berlin. Doch auch aus der Ferne kommt Kritik an der abschätzigen Aussage des CDU-Chefs über die brasilianische Stadt Belém.

Die Grünenpolitikerin Lisa Badum befindet sich derzeit genau dort, genauer auf der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém. Sie hat einen Brief an Friedrich Merz geschrieben. »Als deutsche Abgeordnete auf der COP30 schäme ich mich für Ihre Worte und musste mich in Gesprächen mit Menschen aus Pará schon mehrfach dafür entschuldigen«, schreibt sie darin an den Kanzler. »Denn das ist nicht das Deutschland, das ich repräsentieren möchte.« Pará ist die brasilianische Region, in der die Konferenz stattfindet.

Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, in Belém (am 19. November)

Lisa Badum, klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, in Belém (am 19. November)

Foto: Martina Herzog / dpa

Merz hatte sich nach seinem Besuch bei der Klimakonferenz in Belém auf einem Handelskongress in Berlin zu seinen Eindrücken von der armen Millionenstadt am Amazonas geäußert. «Ich habe einige Journalisten, die mit mir in Brasilien waren, letzte Woche gefragt: Wer von euch würde denn gerne hierbleiben? Da hat keiner die Hand gehoben», sagte er. »Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind.«

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Die Botschaft, die Merz mit diesen Äußerungen verband, war: Man lebe in Deutschland »in einem der schönsten Länder der Welt«. In Brasilien hatten seine Worte Empörung ausgelöst.

Merz solle sich beim brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und den Menschen von Belém entschuldigen, verlangte Badum. Zudem solle er sich gemeinsam mit den brasilianischen Gastgebern für eine erfolgreiche Konferenz einsetzen. »Die Klimakrise erfordert internationale Solidarität und Zusammenarbeit statt engstirniger Arroganz. Korrigieren Sie Ihren Fehltritt und stellen Sie klar, wofür unser Land wirklich steht: Freundschaft und Weltoffenheit.«

Kanzler will persönlich mit Lula reden

Merz selbst hingegen sieht das deutsch-brasilianische Verhältnis nicht als belastet an. »Ich habe gesagt, Deutschland ist eines der schönsten Länder der Welt, und das wird vermutlich auch Präsident Lula so akzeptieren«, sagte der CDU-Vorsitzende zuletzt bei einer Pressekonferenz mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Ulf Kristersson in Berlin.

Umweltminister Carsten Schneider (SPD) habe am Nachmittag mit dem Präsidenten in Brasilien gesprochen, sagte Merz. »Ich hab ihn gebeten, Präsident Lula meine herzlichen Grüße auszurichten.« Er selbst werde am Wochenende beim G20-Gipfel in Johannesburg ein »weiteres gutes Gespräch« mit Lula führen, »völlig unbelastet«.

Lula selbst hatte sich bemüht, die Kritik zwar zurückzuweisen – zugleich aber auch die Situation nicht weiter zu verschärfen. Merz hätte in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche probieren sollen, »denn dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten«, sagte Lula.

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jok/dpa