Nach Protesten von indigenen Aktivisten bei der Weltklimakonferenz in Belém hat Brasiliens Regierung die Ausweisung von zehn neuen indigenen Gebieten angekündigt. »Die Botschaft, die wir der Welt vermitteln wollen, lautet, dass es keinen Kampf gegen den Klimanotstand ohne Rücksichtnahme und Respekt gegenüber den Hütern des Planeten geben kann«, teilte die Ministerin für indigene Völker von Brasilien, Sonia Guajajara, bei der Unterzeichnung entsprechender Verordnungen mit.
Die Verordnungen gelten als wichtiger Schritt im Verfahren der Grenzziehung für indigene Territorien. Sie sind offizielle Akte der institutionellen Anerkennung des Rechts auf indigene Gebiete und der Festlegung ihrer Grenzen. Die endgültige Entscheidung obliegt dem Präsidenten, Luiz Inácio Lula da Silva, der die Gebiete per Dekret bestätigen muss.
Die Maßnahme folgt wenige Tage nach Demonstrationen von Tausenden Indigenen sowie internationalen Klimaschützerinnen und -schützern bei der Uno-Klimakonferenz in Belém. Teilnehmende blockierten zeitweise den Haupteingang; Berichten zufolge kam es auch zu einem Eindringen in die Eingangshalle der stark gesicherten Zeltstadt.
Indigene Händler vor einem Zaun um den Veranstaltungsort des Uno-Klimagipfels
Foto: Fernando Llano / AP / dpaBereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung die permanente indigene Besitznahme von elf Territorien anerkannt. Unter der Regierung des Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro waren seit 2018 keine Schritte dieser Art eingeleitet worden.
In Brasilien bestehen seit Jahrzehnten ungelöste Landkonflikte zwischen indigenen Völkern und Großgrundbesitzern oder Siedlern, die immer wieder in Gewalt und Todesfällen eskalieren.
Bei der Weltklimakonferenz COP30 wird derzeit über konkrete Schritte gegen die Erderwärmung verhandelt. Indigene gelten dabei als Schlüssel im Kampf gegen den Klimawandel. In Regionen, in denen sie über verbriefte Landrechte verfügen, wird Studien zufolge weniger Wald abgeholzt als anderswo.
Sônia Guajajara ist die erste brasilianische Ministerin für indigene Völker. Sie will den Raubbau an der Natur durch den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro überwinden. Lesen Sie hier mehr dazu.
