Seine Besuche in Schulen helfen Manuel Hagel (CDU) im Wahlkampf in Baden-Württemberg nicht unbedingt. Nachdem ein altes Video des CDU-Kandidaten fürs Ministerpräsidentenamt aufgetaucht ist, in dem er etwas zu enthusiastisch über das Aussehen einer Schülerin spricht, nun der nächste Eklat.
Beim Besuch einer Schule in Stuttgart wurde Hagel vom ARD-Mittagsmagazin begleitet. Vor Ort sprach er mit einer Schulklasse. Auf ein Gespräch mit der Lehrerin hatte er offenbar weniger Lust. In dem Beitrag ist zu sehen, wie ein Schüler den Politiker fragt, warum immer weniger Inklusionslehrkräfte in die Schulen kämen. Hagel antwortet, dass es nicht genügend Stellen gebe und das geändert werden müsse. Die Lehrerin der Klasse will an der Stelle nachhaken und sagt: »Da hätte ich auch noch eine Frage.« Hagel unterbricht sie harsch und sagt: »Ich rede gerade mit den Schülern.« Die Lehrerin ist sichtlich irritiert, ihre Schülerinnen und Schüler ebenfalls. In den sozialen Netzwerken kursieren etliche Posts mit dem Videoausschnitt, bei den meisten kommt Hagel nicht sonderlich gut weg.
Hagel sagte dem Sender Welt nach den harten Social-Media-Reaktionen, dass die Kinder in der Klasse an dem Tag viele wichtige Fragen an ihn gehabt hätten, die er habe diskutieren wollen. »Was natürlich jetzt leider nicht gezeigt worden ist, waren die einigen Male vorher, wo mir die Lehrerin ins Wort gefallen ist. Und irgendwann habe ich dann mal gesagt, ich würde gerne mit den Kindern sprechen – weil das ist ja auch der Sinn von einem Schulbesuch«, so Hagel.
Treibhauseffekt falsch erklärt
Doch damit nicht genug. In demselben Mima-Beitrag soll Hagel vor den Siebtklässlern an der Tafel den Treibhauseffekt erklären. Es lief nicht so gut. »Zwischen der Erde und der Sonne ist die Atmosphäre. Und wenn die immer dünner wird, dann wird die Sonne immer heißer«, erklärt Hagel. »Und der Grund dafür sind Abgase, CO₂, und und und. Das ist dieser Treibhausgaseffekt.« Der 37-Jährige blickt in die Klasse, sagt: »Alright, oder?« und fragt noch die Lehrerin, ob das so gepasst habe. »Wunderbar, bin beeindruckt«, antwortet die Pädagogin.
Klimaaktivisten von Fridays von Future posteten den Clip in den sozialen Medien und übertitelten ihn mit dem Satz: »Wussten gar nicht, dass Manuel Hagel anscheinend auch die Schule bestreikt hat.« Ex-Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) schrieb auf X: »Der Kollege Hagel, will Ministerpräsident in BW werden, erklärt Schülern den Treibhauseffekt falsch. Seine Schulauftritte sind problematisch …«
Der Kollege Hagel, will Ministerpräsident in BW werden, erklärt Schülern den Treibhauseffekt falsch. Seine Schulauftritte sind problematisch… https://t.co/wpELK9zx4I
— Prof. Karl Lauterbach (@Karl_Lauterbach) March 5, 2026
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Der Treibhauseffekt beschreibt, wie bestimmte Gase in der Atmosphäre die Erde erwärmen. Diese Gase lassen Sonnenlicht bis zur Erde durch, aber verhindern teilweise, dass Wärme ins All entweicht – ähnlich wie Glas in einem Treibhaus. Dieser Effekt ist notwendig für Leben auf der Erde, weil er für lebensfreundliche Temperaturen sorgt. Er wird aber durch den Menschen gefährlich verstärkt – denn je mehr Klimagase wie Kohlendioxid in der Atmosphäre sind, desto wärmer wird es.
Hagel sei gebeten worden, »spontan einen Versuch zu unternehmen, einen ihm vorher nicht genannten Sachverhalt zu erklären«, sagte eine CDU-Sprecherin mit Blick auf die Erläuterung des Treibhauseffekts. »Diese Erklärung erfolgte vor der Klasse und mit dem Ziel, anschließend darüber auch mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen.« Die Lehrerin sei zudem mit den Erläuterungen zufrieden gewesen und hätte weder Ergänzungen noch Anmerkungen gehabt.
Am Ende des Beitrags bilanziert die Lehrerin noch vor der Kamera, der Besuch Hagels sei interessant gewesen, aber sie habe etwas ernüchtert, dass die CDU »kein Herz für Gemeinschaftsschule« habe. »Das nehme ich mit und das enttäuscht mich etwas.«
Für Hagel wird es wenige Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg eng. Die Grünen mit Spitzenkandidat Cem Özdemir haben die CDU in Umfragen eingeholt. Im ZDF-»Politbarometer Extra« liegen CDU und Grüne beide mit 28 Prozent gleichauf. Damit haben die Grünen mit ihrem Spitzenkandidaten Cem Özdemir in der Wählergunst erneut zugelegt und den Abstand zur lange führenden CDU geschlossen. Lesen Sie dazu hier mehr.

