Friedrich Merz ist im Amt des CDU-Vorsitzenden bestätigt worden. Beim Parteitag in Stuttgart stimmten 91,17 Prozent der Delegierten für Merz als Parteichef. Das ist ein besseres Ergebnis als 2024; damals erhielt Merz 89,8 Prozent.
Merz ist seit 2022 CDU-Chef. Damals war er bei einem Online-Parteitag mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt worden; später wurde er mit 95,3 Prozent per Briefwahl bestätigt.
Die Wahl fand am Ende mehrere Stunden später statt als geplant, da sich die Aussprache nach der Rede von Merz deutlich länger zog als angesetzt. Zudem gab es schon bei der Probeabstimmung erhebliche technische Probleme. Die Delegierten sollten digital abstimmen, doch viele von ihnen suchten am Helpdesk Hilfe. Bei der tatsächlichen Abstimmung wurden dann Stimmzettel genutzt.
Stimmberechtigt waren 1001 Delegierte. 977 Stimmen wurden abgegeben. Für Merz stimmten 878 Delegierte, 14 enthielten sich.
Das heutige Ergebnis war mit Spannung erwartet worden. Knapp zehn Monate ist Merz nun Kanzler, und es ist bei Weitem nicht alles optimal gelaufen. Zum Regierungschef wurde er erst im zweiten Wahlgang gewählt. Darauf folgte die zunächst verpatzte Richterwahl und dann protestierte in der Rentendebatte die Parteijugend. Die Union liegt seit Monaten in allen Umfragen konstant unter dem Ergebnis der Bundestagswahl, die am nächsten Montag genau ein Jahr her ist. Und die persönlichen Beliebtheitswerte des Kanzlers sind tief im Keller.
Viele in der CDU hatten angesichts des holprigen Starts in seine Amtszeit nicht daran geglaubt, dass er die letzten beiden Ergebnisse wieder erreichen kann. Andere waren zuversichtlich, dass sich die Delegierten vor den fünf wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr hinter ihrem Vorsitzenden versammeln, um ein Zeichen der Geschlossenheit zu senden.
Als wichtige Marke nach unten galt das Ergebnis des CSU-Vorsitzenden Markus Söder, der im Dezember mit 83,6 Prozent sein bisher schlechtestes Ergebnis einfuhr. So hieß es von einigen: »Hauptsache besser als Söder«. Das hat Merz nun geschafft.
Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wurde in seinem Amt bestätigt: Er erhielt 90,47 Prozent von 955 gültigen Stimmen. Für Linnemann stimmten 864 Delegierte, 14 enthielten sich.
»Deutschland ist stärker gefragt als je zuvor«
In seiner Rede auf dem Parteitag in Stuttgart rief Merz die CDU zu gemeinsamer Unterstützung für die Regierungsarbeit auf. »Wenn wir geschlossen sind, dann können wir alles zusammen erreichen«. Merz ging dabei auch auf interne Kritik an zu vielen Zugeständnissen gegenüber der SPD ein. »Wir haben eine Verantwortung für ganz Deutschland, für alle Bürgerinnen und Bürger. Uns wurde die Aufgabe übertragen, das Land gut zu führen«, sagte Merz. Er fügte hinzu: »Der Erfolg der Bundesregierung wird unser gemeinsamer Erfolg sein, und die Verantwortung für das Land ist unsere gemeinsame Verantwortung.«
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»Die Welt ordnet sich neu, Europa steht unter Druck, und Deutschland ist stärker gefragt als je zuvor«, sagte Merz weiter. Als Partei, die wieder die Bundesregierung stelle, stehe sie vor großen Aufgaben. Der Bundeskanzler nannte unter anderem wirtschaftliche Stärke und Sicherheit sowie den Sozialstaat tragfähig zu erhalten und die Gesellschaft wieder zusammenzubringen.
