SpOn 21.11.2025
14:54 Uhr

Burgtheater-Chef Stefan Bachmann glaubt: »Zürich hasst Theater«


Vor 59 Jahren kam Stefan Bachmann in der Schweiz zur Welt. Doch Karriere als Regisseur machte er anderswo, heute ist er Intendant am Wiener Burgtheater. Von seiner Heimatstadt behauptet er: »Zürich hasst Theater.«

Burgtheater-Chef Stefan Bachmann glaubt: »Zürich hasst Theater«

Man kennt es seit den »Bremer Stadtmusikanten«: Manchmal muss man die Heimat weit hinter sich lassen, um seiner Berufung zu folgen. Nun drohte Stefan Bachmann, 59, Theaterdirektor, in seiner Geburtsstadt Zürich wirklich nicht der Tod. Aber seine Karriere als Direktor eines der wichtigsten Theater im deutschen Sprachraum machte Bachmann – nach einer kurzen Zeit als Hospitant im Schauspielhaus – fern von Zürich.

Womöglich hatte das Gründe, anscheinend sitzen sie tief. Jedenfalls fällt der Intendant des Wiener Burgtheaters ein negatives Urteil über das Zürcher Theaterpublikum. »Zürich hasst Theater«, sagte der Schweizer im Gespräch mit dem Verband der Auslandspresse in Wien. Es sei sehr schwierig, dem dort streng protestantisch geprägten Publikum eine Gemütsregung zu entlocken. »Zürich hat im Kern eine harte Kaufmannsseele.«

Auch das Musiktheater habe es in der Stadt der Banken schwer. Die Menschen in Zürich gingen nicht aus Liebe zum Genre in die Oper, sondern aus rein gesellschaftlichen Gründen. Diese Ansicht vertritt Bachmann schon länger, äußert sie aber immer grundsätzlicher. Im September sagte er der »Süddeutschen Zeitung«  noch: »In Zürich zum Beispiel, um es hart zu sagen, ist Theater vielen schlicht egal. Es wird zwar geduldet, aber nicht frenetisch gefeiert.«

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Gegenüber der »Neuen Zürcher Zeitung«  hatte Stefan Bachmann vor rund einem Jahr noch bekannt, es habe aus Zürich nie eine Anfrage für ihn gegeben. In Zürich sei »S isch no guet gsii« – in etwa: »Es war ganz gut« – das größte Lob, was man zu hören bekomme. »Für Theaterschaffende sind solch laue Urteile Gift«, so Bachmann.

Ganz im Gegensatz dazu bekomme das Theater in Österreich eine extreme Aufmerksamkeit. »Theater gehört zum Leben dazu«, sagte Bachmann zur Lage in Wien. Vor allem die Schauspieler und Schauspielerinnen stünden im Zentrum der Publikumsgunst, weniger wichtig sei die Regie. »Das ist immer wieder interessant, auch zu sehen, zu was für emotionalen Regungen das Publikum in der Lage ist.« Bachmann steht seit 14 Monaten an der Spitze der herausragenden Wiener Bühne, er folgte auf Martin Kušej. Mit seiner bisherigen Direktionszeit sei er – auch angesichts der deutlich gestiegenen Auslastung – sehr zufrieden.

Bachmann leitete von 2013 bis 2024 als Intendant das Schauspiel Köln. Der mehrfach ausgezeichnete Theaterregisseur war auch Schauspieldirektor in Basel.

feb/dpa