Wichtige Updates
Marc Röhlig
Hauptstadtbüro
Thomas Erndl (CSU) gehört zu den Abgeordneten, die den derzeitigen Wehrdienst-Kompromiss in der Regierung ausgehandelt haben. »Wir kehren zurück zu einem Normalfall«, verteidigt er die Pflicht zur Verteidigung. Deutschland sei eine Wirtschaftsmacht und müsse seine Sicherheit gewährleisten können. Durch das Gesetz rücke wieder in den Fordergrund, dass die Bundeswehr wieder gesellschaftlich getragen wird. Es bleibe die Möglichkeit, den Dienst an der Waffe zu verweigern – ein Zwang entstehe dadurch nicht. »Per Lotterie in den Schützengraben – das ist billige Polemik«, empört sich Erndl über Vorwürfe aus der Linksfraktion.
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Florian Pütz
Nachrichtenressort

Nun ist Jörg Zirwes von der AfD an der Reihe, ein ehemaliger Soldat. Er meint, der Antrag sei »verteidigungspolitisch völlig unverantwortlich, genauso wie seinerzeit die Aussetzung der Wehrpflicht durch die Merkel-Regierung.« Die darf in AfD-Tiraden ja meist nicht fehlen. Dann zieht Zirwes historische Linien über die preußische Heeresreform bis heute. Aus seiner eigenen Erfahrung als Soldat hat Zirwes nichts beizutragen.
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Miriam Khan
Nachrichtenressort
Es geht weiter mit Falko Droßmann von der SPD. Er ist verteidigungspolitischer Sprecher und war selbst bei der Bundeswehr. Deutschlands Armee sei es »immer besser gegangen, wenn Sozialdemokraten und Sozialdemokraten Verteidigungsminister und Verteidigungsminister waren«, behauptet er. Anschließend bezieht er zu den zuvor vorgetragenen Argumenten Stellung.
Anders als von der Linken behauptet, sei im Gesetz der Koalition kein »Zwangsdienst« vorgesehen, so Droßmann. Mit Blick auf die AfD sagt er weiter: »Ich möchte auch mal was zu dem Haufen hier sagen.« In Anspielung auf die Rede des Abgeordneten Rüdiger Lucassen stellt er klar: »Für sein Vaterland zu fallen, das will kein Soldat, das sage ich Ihnen.« Droßmann ist Oberstleutnant der Bundeswehr. Er unterstreicht anschließend den freiwilligen Charakter des geplanten Wehrdiensts. »Und ich bin mir sehr sicher, dass es zu keiner Pflicht kommen wird, weil unterschätzt nicht die junge Generation. Die wird für unser Land, unsere Freiheit einstehen«, schließt er.
Anders als von der Linken behauptet, sei im Gesetz der Koalition kein »Zwangsdienst« vorgesehen, so Droßmann. Mit Blick auf die AfD sagt er weiter: »Ich möchte auch mal was zu dem Haufen hier sagen.« In Anspielung auf die Rede des Abgeordneten Rüdiger Lucassen stellt er klar: »Für sein Vaterland zu fallen, das will kein Soldat, das sage ich Ihnen.« Droßmann ist Oberstleutnant der Bundeswehr. Er unterstreicht anschließend den freiwilligen Charakter des geplanten Wehrdiensts. »Und ich bin mir sehr sicher, dass es zu keiner Pflicht kommen wird, weil unterschätzt nicht die junge Generation. Die wird für unser Land, unsere Freiheit einstehen«, schließt er.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow / dpa
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Severin Weiland
Hauptstadtbüro, im Bundestag

Die Linke-Rednerin Desiree Becker bemühte den Nachkriegsautor und einstigen Wehrmachtssoldaten Wolfgang Borchardt mit seinem Gedicht »Dann gibt es nur eins«, aus der sie die Zeile zitierte: »Du. Arzt am Krankenbett. Wenn sie dir morgen befehlen, du sollst die Männer kriegstauglich schreiben, dann gibt es nur eins: Sag nein!«
Eine einst in der westdeutschen Friedensbewegung der 1989er Jahre beliebte Zeile in Reden und auf Kundgebungen.
Eine einst in der westdeutschen Friedensbewegung der 1989er Jahre beliebte Zeile in Reden und auf Kundgebungen.
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Marc Röhlig
Hauptstadtbüro
Nun schickt die Linksfraktion ihre erste Rednerin: Desiree Becker. Kaum überraschend: Sie lehnt die Wehrpflicht entscheidend ab. »Junge Menschen haben anderes vor, als für die Reichen ihren Kopf hinzuhalten.« Pistorius’ Gesetz sei alles andere als freiwillig, den Fragebogen auszufüllen, sei Zwang. Reiche das Personal nicht, werde doch wieder verpflichtet. Wie viele Soldatinnen und Soldaten benötigt werden, bleibe unklar.
Becker hielt dem Regierungskabinett dann vor, ihre Kinder nicht in den Krieg schicken zu wollen. Auf eine Medienanfrage, ob man die eigenen Kinder zum Dienst verpflichten würde, hätten alle Ministerinnen und Minister gar nicht oder ausweichend geantwortet. An die Jugend appellierte die Linke: »Geht auf die Straße, streikt gegen den Wehrdienst!«
Becker hielt dem Regierungskabinett dann vor, ihre Kinder nicht in den Krieg schicken zu wollen. Auf eine Medienanfrage, ob man die eigenen Kinder zum Dienst verpflichten würde, hätten alle Ministerinnen und Minister gar nicht oder ausweichend geantwortet. An die Jugend appellierte die Linke: »Geht auf die Straße, streikt gegen den Wehrdienst!«
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Severin Weiland
Hauptstadtbüro, im Bundestag

Nanni wirft der Groko vor, das Gesetz zur Modernisierung der Wehrpflicht sei handwerklich nicht gut gemacht. Dieses Land wolle sich verteidigen, aber dieses Gesetz biete diese Möglichkeit nicht allen an.
Nanni hat innerhalb der Grünen kürzlich einen Vorschlag für eine Onlineplattform, auf der sich Freiwillige für zivile und militärische Fähigkeiten eintragen können, »die im Rahmen von Krisen nützlich sein können«. Bei der Truppe oder zivilen Diensten könnten nach Nannis Plan auch ältere Menschen anheuern.
Nanni hat innerhalb der Grünen kürzlich einen Vorschlag für eine Onlineplattform, auf der sich Freiwillige für zivile und militärische Fähigkeiten eintragen können, »die im Rahmen von Krisen nützlich sein können«. Bei der Truppe oder zivilen Diensten könnten nach Nannis Plan auch ältere Menschen anheuern.
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Florian Pütz
Nachrichtenressort

Grüne lehnen Gesetz ab
Nun tritt Sara Nanni von den Grünen ans Rednerinnenpult. Sie schießt gegen Röttgens Rede: »Sieben Minuten und nichts gesagt«, urteilt sie. Nanni stellt klar, dass die Grünen dem Gesetz zur Wehrdienstreform nicht zustimmen werden. »Ja, der personelle Aufwuchs bei der Bundeswehr ist wichtig. Aber wir müssen auch den personellen Aufwuchs beim Zivilschutz schaffen«, sagt sie. Zivile und militärische Verteidigung müsse zusammengedacht werden, beide Themen müssten in dem Fragebogen, der jungen Leuten vorgelegt wird, abgefragt werden.
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Severin Weiland
Hauptstadtbüro, im Bundestag

Während der Rede des CDU-Politikers Norbert Röttgen gibt es auch wiederholt Applaus aus den Reihen der Grünen, unter anderem von Nikolaus Wagener. Der bayerische Abgeordnete hatte sich jüngst für eine gesellschaftliche Dienstpflicht im militärischen und zivilen Bereich ausgesprochen, seine Idee ist in der Partei indes umstritten.
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Miriam Khan
Nachrichtenressort
Röttgen: »Wir haben die US-Regierung in dieser Lage nicht mehr an unserer Seite«
Nun spricht Norbert Röttgen (CDU). Mit Blick auf seinen Vorgänger am Rednerpult kündigt Röttgen an: »Ich möchte zur Realität des Landes und Europas mit meinem Beitrag wieder zurückkommen.« Anschließend erklärt er, wieso um das Thema Wehrdienst länger gerungen wurde: Es habe »drei Monate intensiver Arbeit« gegeben. »Das ist parlamentarische Normalität.«
Das Gesetz sei auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine entstanden: »Wir sind in einer sicherheitspolitischen Bedrohungslage, wo es auf Deutschland ankommt und dass wir eine einsatzfähige, verteidigungsfähige Bundeswehr haben«, sagt Röttgen. Er skizziert eine »Bedrohungslage, die real ist, die ernst ist.« Der Krieg sei »eine Realität, die Tod, Zerstörung, Leid seit nahezu vier Jahren schafft. Und wir haben die US-Regierung in dieser Lage nicht mehr an unserer Seite.«
Die Koalition habe »keinen Zweifel, anders als die AfD, dass mit diesem Krieg die Freiheit und der Frieden in ganz Europa bedroht ist«, führt er weiter aus. Deutschland müsse sich »wieder verteidigen können, um uns nicht verteidigen zu müssen«, so Röttgen. Dafür brauche es Aufrüstung und »deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten, als wir heute haben.« Er versichert: Im Gesetz sei Transparenz und Kontrolle vorgesehen. Daher müsste es »auch zustimmungsfähig sein über die Koalition hinaus.«
Das Gesetz sei auch vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine entstanden: »Wir sind in einer sicherheitspolitischen Bedrohungslage, wo es auf Deutschland ankommt und dass wir eine einsatzfähige, verteidigungsfähige Bundeswehr haben«, sagt Röttgen. Er skizziert eine »Bedrohungslage, die real ist, die ernst ist.« Der Krieg sei »eine Realität, die Tod, Zerstörung, Leid seit nahezu vier Jahren schafft. Und wir haben die US-Regierung in dieser Lage nicht mehr an unserer Seite.«
Die Koalition habe »keinen Zweifel, anders als die AfD, dass mit diesem Krieg die Freiheit und der Frieden in ganz Europa bedroht ist«, führt er weiter aus. Deutschland müsse sich »wieder verteidigen können, um uns nicht verteidigen zu müssen«, so Röttgen. Dafür brauche es Aufrüstung und »deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten, als wir heute haben.« Er versichert: Im Gesetz sei Transparenz und Kontrolle vorgesehen. Daher müsste es »auch zustimmungsfähig sein über die Koalition hinaus.«
Foto: Sebastian Christoph Gollnow / dpa
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Paul-Anton Krüger
Hauptstadtbüro, im Bundestag

Kurz vor Sitzungsbeginn um 9:00 Uhr kommt der Kanzler ins Plenum. Friedrich Merz begrüßt seinen Verteidigungsminister Boris Pistorius mit Handschlag; erster Tagesordnungspunkt ist der neue Wehrdienst. Merz geht dann auf die erste Bank in den Reihen der Union zu. Fraktionschef Jens Spahn und der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger stehen da. Die Stimmung ist erkennbar gelöst. Die Unionsspitzen machen nicht den Eindruck, als würden sie sich noch sonderlich sorgen über die Abstimmung zum Rentenpaket, deren Ergebnis gegen 12:30 Uhr bekannt gegeben werden dürfte.
Es gibt an diesem Sitzungstag fünf namentliche Abstimmungen. Wenn Koalitionsabgeordnete fehlen, fällt das vorher auf. Merz hatte am Vorabend die Latte für die Mehrheit der Koalition noch höher gelegt. Er wünsche sich die Kanzlermehrheit, also mindestens 316 Stimmen, ließ er wissen. Spahn und Bilger kommunizierten öffentlich keine Zahlen, mit wie vielen Abweichlern sie noch rechnen von den 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe der Union. Der Kanzler dürfte da einen gewissen Informationsvorsprung gehabt haben.
Es gibt an diesem Sitzungstag fünf namentliche Abstimmungen. Wenn Koalitionsabgeordnete fehlen, fällt das vorher auf. Merz hatte am Vorabend die Latte für die Mehrheit der Koalition noch höher gelegt. Er wünsche sich die Kanzlermehrheit, also mindestens 316 Stimmen, ließ er wissen. Spahn und Bilger kommunizierten öffentlich keine Zahlen, mit wie vielen Abweichlern sie noch rechnen von den 18 Abgeordneten der Jungen Gruppe der Union. Der Kanzler dürfte da einen gewissen Informationsvorsprung gehabt haben.
Foto: Tobias Schwarz / AFP
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Röhlig, Marc
Hauptstadtbüro
Der AfD-Abgeordnete Rüdiger Lucassen kritisiert das Wehrdienstgesetz als zu kleinen Wurf. Statt den Dienst wirklich zu modernisieren, werde er nur halbherzig angefasst und mit Geld um sich geworfen. »Soldaten, die wegen des Solds kommen, haben keine feste Grundlage für den Dienst«, behauptet Lucassen. Wenig überraschend: Der AfD-Politiker will einen Wehrdienst mit nationalistischem Anstrich. »Der deutsche Soldat muss wissen, wofür er kämpft.« Lucassen träumt von Soldatinnen und Soldaten, die für ihr Land kämpfen, nicht für eine Regierung – und spricht von einer angeblich 200-jährigen Tradition, in der Wehrpflichtige dies getan hätten. Welche Schrecknisse deutsche Soldaten in jener Zeit begingen, lässt Lucassen unerwähnt.
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Severin Weiland
Hauptstadtbüro, im Bundestag

Draußen regnet es in Strömen, drinnen sammeln sich die Abgeordneten zur Wehrdienst-Debatte. Im Verlauf des Vormittags steht auch die abschließende Beratung des Rentengesetzes an. Zuvor geht es um die Wehrpflicht. SPD-Fraktionsvize Siemtje Möller sagt, man werde sehen, was der neue Wehrdienst bringt, so die frühere parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium. Ein Anzeichen für Nervosität in der Großen Koalition.
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Florian Pütz
Nachrichtenressort

Siemtje Möller von der SPD beginnt mit der ersten Rede. »Liebe Schülerinnen und Schüler«, beginnt sie. Wie viele davon jetzt wohl zuschauen? Eigentlich ist ja gerade Schule, beziehungsweise Schulstreik gegen den Wehrdienst.
Jedenfalls macht Möller ihren Punkt: »Weder beschließen wir heute, dass ihr zum Dienst an der Waffe verpflichtet werdet, noch dass wir zukünftig die Lostrommel rühren, um euch als Kanonenfutter in die Ukraine zu schicken«, sagt sie: »Das ist Populismus pur oder auch einfach Unsinn. Denn es geht doch im Kern um das Gegenteil. Wir brauchen eine starke Bundeswehr und eine widerstandsfähige Bevölkerung, um uns verteidigen zu können, damit wir uns nicht verteidigen müssen.« Möller spricht von einem »exzellenten« Gesetzentwurf und ist sich sicher, dass die Bundeswehr genug Freiwillige finden wird.
Jedenfalls macht Möller ihren Punkt: »Weder beschließen wir heute, dass ihr zum Dienst an der Waffe verpflichtet werdet, noch dass wir zukünftig die Lostrommel rühren, um euch als Kanonenfutter in die Ukraine zu schicken«, sagt sie: »Das ist Populismus pur oder auch einfach Unsinn. Denn es geht doch im Kern um das Gegenteil. Wir brauchen eine starke Bundeswehr und eine widerstandsfähige Bevölkerung, um uns verteidigen zu können, damit wir uns nicht verteidigen müssen.« Möller spricht von einem »exzellenten« Gesetzentwurf und ist sich sicher, dass die Bundeswehr genug Freiwillige finden wird.
Foto: Kay Nietfeld / dpa
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Marc Röhlig
Hauptstadtbüro
Es geht los. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eröffnet den Sitzungstag – mit der Debatte über die Wehrpflicht als erstem Tagespunkt.
Foto: Kay Nietfeld / dpa
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Miriam Khan
Nachrichtenressort
Union kündigt interne »Manöverkritik« nach Rentenstreit an
Egal, wie die Abstimmung später ausgeht: Ein geschlossenes Bild hat die Union nicht abgegeben. Unions-Parlamentsgeschäftsführer Steffen Bilger (CDU) hat deshalb besonders eine »Manöverkritik« angekündigt. Die Fraktion müsse im Anschluss an das Votum beraten, wie es bei künftigen Projekten der Koalition besser laufen könne, sagte Bilger dem Nachrichtenportal Web.de. »Für das neue Jahr wäre es sicher gut, öffentliche Diskussionen zu vermeiden«, so Bilger. »Wir werden Prozesse verbessern, um aufkommende Probleme frühzeitiger zu erkennen – wie zum Beispiel bei der Weiterbearbeitung von Kabinettsbeschlüssen im parlamentarischen Verfahren.«
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Vor der Rentenabstimmung geht es erstmal um die Wehrpflicht. Viele Schülerinnen und Schüler streiken an diesem Freitag gegen die Wehrdienstreform, statt in die Schule zu gehen. SPIEGEL-Redakteurin Nadine Wolter hat mit jungen Leuten darüber gesprochen, warum sie mitmachen – oder warum sie nicht teilnehmen. Hier lesen Sie ihre Argumente.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Hat Spahn seine Fraktion diesmal im Griff?
Ein besonderes Augenmerk wird auf den Unionsfraktionsvorsitzenden Jens Spahn gerichtet sein. Nachdem ihm in der Vergangenheit mehrfach vorgeworfen wurde, die Fraktion nicht im Griff und Stimmungen nicht richtig gedeutet zu haben, kämpfte er bis zuletzt um jede Stimme für das Rentenpaket.
Alle erinnern sich noch an die Abstimmung zur Wahl der Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf, die schließlich abgesagt werden musste, weil Spahn am Ende die Gefolgschaft fehlte. Ein Teil der Unionsabgeordneten ist einer beispiellosen orchestrierten Kampagne von Abtreibungsgegnern, rechtspopulistischen Medien und dem Umfeld der AfD aufgesessen (hier mehr dazu).
Das soll sich nicht wiederholen. In der letzten Fraktionssitzung vor der nun anberaumten Abstimmung sagte Spahn am Dienstag nach Teilnehmerangaben, es gehe jetzt konkret um die Stabilität der Regierung. Ein Scheitern des Rentenpakets würde auf Unverständnis stoßen: »90 Prozent der Unionswähler würden dann fragen: Was macht Ihr da?«, zitierten Teilnehmer den Fraktionschef.
Alle erinnern sich noch an die Abstimmung zur Wahl der Verfassungsrichterin Frauke Brosius-Gersdorf, die schließlich abgesagt werden musste, weil Spahn am Ende die Gefolgschaft fehlte. Ein Teil der Unionsabgeordneten ist einer beispiellosen orchestrierten Kampagne von Abtreibungsgegnern, rechtspopulistischen Medien und dem Umfeld der AfD aufgesessen (hier mehr dazu).
Das soll sich nicht wiederholen. In der letzten Fraktionssitzung vor der nun anberaumten Abstimmung sagte Spahn am Dienstag nach Teilnehmerangaben, es gehe jetzt konkret um die Stabilität der Regierung. Ein Scheitern des Rentenpakets würde auf Unverständnis stoßen: »90 Prozent der Unionswähler würden dann fragen: Was macht Ihr da?«, zitierten Teilnehmer den Fraktionschef.
Bundeskanzler Friedrich Merz (l. ,CDU), Jens Spahn, Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag. Foto: Katharina Kausche/dpa
Auch Kanzler Friedrich Merz warnte in der Fraktionssitzung davor, dass das Scheitern der Abstimmung zu einer Destabilisierung Deutschlands und Europas führen könnte. »Ich akzeptiere hier, in unserem Kreis, jede Nein-Stimme und jeden Zweifel. Aber da unten (im Plenum des Bundestags) brauchen wir eine stabile politische Mehrheit. Alles andere führt uns ins Elend«, soll Merz gesagt haben.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Die Koalition hat nur eine Mehrheit von 12 Stimmen
Die Unionsfraktion hatte in dieser Woche eine Probeabstimmung zum Rentenpaket abgehalten. Nach Informationen des SPIEGEL votierte sie mit großer Mehrheit für eine Zustimmung zum Rentenreform-Gesetz. Abgestimmt wurde in der Fraktionssitzung per Handzeichen. Demnach sollen sich dennoch etwa 10 bis 15 Personen dagegen ausgesprochen und etwa fünf enthalten haben. Einige sprachen sogar von 20 Gegenstimmen. Hätte die Linksfraktion nicht angekündigt, sich enthalten zu wollen, wäre es womöglich knapp geworden. Denn die Koalition hat nur eine Mehrheit von 12 Stimmen.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
So wird gezählt
Durch Enthaltung der Linksfraktion benötigt die Koalition für das Rentenpaket weniger Stimmen. Bei der Berechnung einer einfachen Mehrheit im Bundestag werden die Enthaltungen nicht mitgezählt. Es werden also nur die Ja-Stimmen gegen die Nein-Stimmen aufgerechnet. Sollten sich alle 64 Linkenabgeordnete enthalten, würde die erforderliche Mehrheit bei Anwesenheit aller anderen Abgeordneten auf 284 Stimmen schrumpfen. Die Koalition hat 328 Stimmen und hätte damit einen komfortablen Puffer von 44 Stimmen.
Leseempfehlung: Die Linkspartei rettet die Koalition? Das wollen die Fraktionsspitzen beim Rentenpaket um jeden Preis verhindern. Friedrich Merz fordert am Donnerstagabend sogar die Kanzlermehrheit. Lesen Sie hier die Hintergründe von Andreas Niesmann und Christian Teevs.
Leseempfehlung: Die Linkspartei rettet die Koalition? Das wollen die Fraktionsspitzen beim Rentenpaket um jeden Preis verhindern. Friedrich Merz fordert am Donnerstagabend sogar die Kanzlermehrheit. Lesen Sie hier die Hintergründe von Andreas Niesmann und Christian Teevs.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU): »Sehe, wer klatscht und wer nicht«. Foto: Christof Stache / AFP
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Während die Abgeordneten im Bundestag über den neuen Wehrdienst abstimmen, wollen Schülerinnen und Schüler heute streiken, statt in die Schule zu gehen. In rund 90 Städten sind Aktionen geplant. Diesmal nicht fürs Klima – sondern gegen die Wehrdienstpläne der Bundesregierung. Lesen Sie hier, was es mit den Streiks auf sich hat.
Jugendliche in München mit Streikaufruf. Foto: Michael Nguyen / NurPhoto / IMAGO
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Die Linkspartei will sich bei der Abstimmung zum Rentenpaket enthalten. Was wie eine Hilfe für die zerstrittene Union aussieht, erhöht den Druck auf Bundeskanzler Merz und Fraktionschef Spahn. Lesen Sie hier einen Kommentar von Anna Reimann aus dem SPIEGEL-Hauptstadtbüro.
Kontrahenten Merz, Reichinnek. Foto: Clemens Bilan / EPA
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Koalitionspolitiker mahnen zur Einheit
Vor der entscheidenden Renten-Abstimmung haben führende Unionspolitiker mögliche Abweichler in den eigenen Reihen zur Zustimmung aufgerufen. »Die Koalition braucht eine eigene Mehrheit. Das Land steht vor vielen Herausforderungen«, sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann.
Lars Klingbeil, Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler. Foto: Jens Krick/action press
Die Linksfraktion hatte ihre Enthaltung angekündigt. Für die Koalition würde das bedeuten, dass es auch bei mehreren Abweichlern in den eigenen Reihen für eine Mehrheit reichen würde. Vizekanzler Lars Klingbeil warnte davor, sich auf die angekündigte Enthaltung der Linksfraktion zu verlassen. Klingbeil sagte, er sei »wirklich dankbar«, wie verantwortungsvoll die Linke sich verhalte. »Aber mein Anspruch ist schon, dass wir eine eigene Mehrheit haben.« Diese Koalition habe viel zu entscheiden. »Wir können nicht immer davon ausgehen, dass die Linken oder die Grünen uns da zur Seite springen«, so der SPD-Vorsitzende. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte: »Die CDU darf sich nicht von der Linken abhängig machen. Die eigene Mehrheit der Koalition muss stehen.«
Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion hatte wegen der zukünftigen Milliardenkosten mit einem Nein gedroht. Ein Scheitern des umstrittenen Rentengesetzes könnte aber einen Zerfall der gesamten Koalition einläuten.
Die Junge Gruppe in der Unionsfraktion hatte wegen der zukünftigen Milliardenkosten mit einem Nein gedroht. Ein Scheitern des umstrittenen Rentengesetzes könnte aber einen Zerfall der gesamten Koalition einläuten.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Auch über das Rentenpakt wurde kontrovers diskutiert
Umstritten ist auch das geplante Gesetz zur Stabilisierung des Rentenniveaus und zur Ausweitung der Mütterrente. Die geplante Stabilisierung bedeutet, dass die Renten mit den Löhnen in Deutschland Schritt halten. Unstrittig ist eine Fixierung bei 48 Prozent bis 2031, die mit Kosten von elf Milliarden Euro allein im Jahr 2031 zu Buche schlägt. Die Junge Gruppe in der Union lehnt aber ab, dass das Rentenniveau auch ab 2032 höher sein soll als ohne gesetzlichen Eingriff. Der Grund sind die dafür weiter anfallenden erwarteten Milliardenkosten.
Finanzminister Klingbeil, Ministerpräsident Söder. Foto: Clemens Bilan / EPA
Bei der Mütterrente geht es darum, die Zeit der Kindererziehung, die für die Rente anrechnungsfähig ist, auszuweiten. Das hat vor allem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Koalitionsvertrag durchgesetzt. Künftig soll sie für vor 1992 geborene Kinder um weitere sechs Monate verlängert werden. Anerkannt werden sollen somit drei Jahre für alle Kinder – unabhängig vom Jahr der Geburt des Kindes. Kosten: ab 2027 erst fünf Milliarden, später vier Milliarden Euro jährlich. Vor allem die CSU hatte die Vollendung der Mütterrente betrieben.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Neuer Wehrdienst ist umstritten
Wochenlang hat die schwarz-rote Koalition nach der Sommerpause über die Pläne für einen neuen Wehrdienst gestritten. Nun sollen sie heute im Bundestag beschlossen werden. Damit kehrt Deutschland zur verpflichtenden Musterung ganzer Jahrgänge zurück. Der Wehrdienst an sich bleibt aber freiwillig – sofern angestrebte Personalziele erreicht werden. Wenn nicht, könnte über einen weiteren Bundestagsbeschluss die Einführung einer teilweisen Wehrpflicht kommen. Beide Beschlüsse sind nicht unumstritten.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Wie die Sitzung heute abläuft
- Um 9.00 Uhr wird die 48. Sitzung des Bundestages eröffnet.
- Ab 9.00 Uhr wird über die zweite und dritte Lesung des von der Bundesregierung eingebrachten »Entwurfs eines Gesetzes zur Modernisierung des Wehrdienstes« beraten. Danach stimmen die Abgeordneten namentlich ab.
- Ab etwa 11.20 Uhr wird über die zweite und dritte Lesung des von der Bundesregierung eingebrachten »Entwurfs eines Gesetzes zur Stabilisierung des Rentenniveaus« beraten. Zudem geht es um die vollständige Gleichstellung der Kindererziehungszeiten (Stichwort Mütterrente), um betriebliche Altersversorgung und die sogenannte Aktivrente. Danach stimmen die Abgeordneten namentlich ab.
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Janko Tietz
Nachrichtenressort
Heute wird im Bundestag über die Gesetzentwürfe zur Modernisierung des Wehrdienstes und des umstrittenen Rentenpakets abgestimmt. Herzlich willkommen beim Liveblog und zum Videostream zu dieser Debatte. Wir halten Sie hier in den kommenden Stunden über die Auseinandersetzung im Parlament auf dem Laufenden.
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