Wiedersehen macht (verhaltene) Freude: Im Stadion An der Alten Försterei trifft Benedict Hollerbach am liebsten. In der Vorsaison wunderte das kaum, stand der junge Mittelstürmer doch in Diensten des 1. FC Union. Im Sommer ging es für Hollerbach nach Mainz, er sollte dort die Nachfolge von Nationalspieler Jonathan Burkardt antreten – und blieb in der Liga bis in den Januar hinein torlos. Bis es eben wieder nach Berlin ging, nach Köpenick, zu den alten Mitspielern. Hollerbach jubelte nur verhalten, sein Trainer Urs Fischer, ebenfalls einstmals Eiserner, hielt sich ebenfalls zurück, nachdem Hollerbach den Ball aus kurzer Distanz zum 2:0 über die Linie gedrückt hatte (69. Minute). Für Ekstase wäre schließlich auch noch nach Abpfiff Zeit, der überhaupt erst zweite Saisonsieg für das Liga-Schlusslicht, wäre zu feiern. Oder?
Die Resultate des Spieltags: Denkste. Union kam zurück, zum Anschluss, zum Ausgleich. Beim 2:2 (0:1) waren die Gastgeber dem Sieg in der Schlussphase gar näher. 2:2 (2:1) trennten sich auch der 1. FC Heidenheim und der 1. FC Köln in der gemeinsamen Traumtorfabrik an der Brenz. Gegen einen dezimierten Hamburger SV drehte der SC Freiburg das Spiel zum 2:1 (0:0). Am Freitagabend hatten Eintracht Frankfurt und Borussia Dortmund 3:3 (1:1) gespielt. Die Partien Werder Bremen gegen TSG Hoffenheim und St. Pauli gegen RB Leipzig fielen Sturmtief »Elli« zum Opfer und mussten abgesagt werden.
Fischer, Fischer, wie tief ist der Abstiegskampf? Dabei hatte für die Mainzer alles so gut angefangen. Ein bisschen Qualität steckt eben doch im Kader, der sich so locker durch die erste Phase der Conference League manövriert hatte – wenngleich beim Steckpass von Lee Jae-sung übers halbe Feld die Union-Abwehr auch Winterschlaf hielt. Nadiem Amiri sprang die Kugel bei der Ballannahme so hoch, dass er sich den Volley zur Führung quasi selbst auflegte (30.).
Angriff ist der beste Verteidiger: Auf Strecke hatten Steffen Baumgarts Berliner das Chancenplus auf ihrer Seite. Oliver Burke zwang Daniel Batz zur Fußabwehr (60.), dann traf Jeong Woo-yeong per Kopf (77.), Andras Schäfer per Lupfer die Latte und Andrej Ilić mit dem Abstauber das leere Tor nicht (79.). Den Ausgleich besorgte dann in der Theorie Marin Ljubicic, tatsächlich aber hielt der Kroate bei seinem Bundesliga-Debüt lediglich auf der Torlinie die Stirn in einen Kopfball von Innenverteidiger Danilho Doekhi, den er so um seinen bereits siebten Pflichtspieltreffer der laufenden Saison brachte (86.).
Saïd El mal-wieder-auf der-Bank-a: Der 1. FC Köln ist zum Jahresende in ein Formtief geraten. Der FC gewann keines seiner letzten sechs Bundesligaspiele und holte lediglich zwei Punkte. Entsprechend schwor Lukas Kwasniok seine Mannschaft im Trainingslager im spanischen La Nucia auf den Abstiegskampf ein. Allzu dramatisch scheint die Lage für den Trainer allerdings nicht zu sein – zumindest lässt das der erneute Bankplatz für den FC‑Shootingstar der Saison, Saïd El Mala, vermuten. Gerade einmal sechs Bundesliga-Startelfeinsätze hat der Offensivspieler vorzuweisen. Neun Torbeteiligungen, das Interesse europäischer Topklubs und eine mögliche WM-Teilnahme reichen für Kwasniok offenbar noch nicht für den Abstiegskampf-Alltag.
Saïd El Mala bleibt das Kölner Kronjuwel
Foto: Harry Langer / dpaBeim Rückstand von 1:2 kam der 19‑Jährige zur Pause ins Spiel – und keine fünf Minuten später machte er erneut eindrucksvoll Werbung für mehr Einsatzzeit. Mit einem abgefälschten Schlenzer ins lange Eck glich er für den FC aus. DAZN‑Kommentator Robby Hunke geriet daraufhin ins Schwärmen über »die Aura«, die El Mala am Ball ausstrahlte. Auch ein Vergleich mit Arjen Robben fiel.
Der kam flach: An Traumtoren mangelte es der Bundesliga in den vergangenen Wochen wahrlich nicht – ob der Hackentreffer von Hamburgs Luka Vušković im Nordderby oder Martin Terriers Skorpion-Tor gegen den 1. FC Köln. In dieser wahren Traumtor‑Inflation droht die Aktion von Marvin Pieringer aus der 15. Minute fast unterzugehen. Eine Hereingabe von der rechten Seite verwandelt der Heidenheimer mit einem der flachsten Fallrückzieher, die die Bundesliga je gesehen hat, ins Kölner Tor.
Marvin Pieringer mit einem der schelmischeren Jubel, die so im Umlauf sind
Foto: kolbert-press / Martin Agüera / IMAGODebüt zum Vergessen: Der FC antwortete prompt: Eric Martel (18.) traf per Kopf. Um die anhaltenden Abwehrsorgen (vier verletzte Innenverteidiger) zu lindern, verpflichteten die Kölner Jahmai Simpson‑Pusey von Manchester City. Der Plan ging zumindest in der 26. Minute nicht auf: Ein Querschläger des Debütanten führte erst zu einer Ecke. In deren Anschluss dann wieder Simpson‑Pusey es war, der einen Schuss von Julian Niehues (26.) mit einem missglückten Blockversuch ins eigene Tor abfälschte.
Fan-Liebling: Über die Aussagekraft der Fan-Abstimmung zum »besten Spieler der bisherigen Saison« auf Bundesliga.de lässt sich sicher streiten. Unbestritten ist jedoch, dass Titelträger Luka Vušković mit seinen 18 Jahren eine herausragende Serie für den Hamburger SV spielt. Und auch im neuen Jahr setzt die Leihgabe der Tottenham Hotspur die starken Auftritte fort: Eine Ecke köpfte er knapp hinter die Torlinie zur HSV-Führung (48.). Lucas Hölers Rettungsversuch kam zu spät.
HSV-Darling Luka Vušković
Foto: Joeran Steinsiek / STEINSIEK.CH / IMAGOHallo? Ist da jemand? Daniel Elfadli wollte es kaum glauben. Hoffnungsvoll stand er da am Spielfeldrand und wartete auf eine Intervention des Videoschiedsrichters. Tatsächlich: Ein Kontakt seines Fußes mit der Wade Hölers war, wenn überhaupt, nur schwer auszumachen. Doch die Entscheidung von Schiedsrichter Timo Gerach auf Elfmeter hatte Bestand und so auch Elfadlis gelb-rote Karte. Den fälligen Elfmeter verwandelte Strafstoß-Spezialist Vincenzo Grifo sicher zum Ausgleich (53.). Auch nach dem Siegtreffer der Freiburger durch Igor Matanović (83.) warteten die Hamburger auf ein Signal aus dem Kölner Keller. Der Ellenbogen von Johan Manzambi war in der Entstehung des Treffers verdächtig nah am Gesicht von HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha. Doch die Hanseaten warteten vergeblich. Trotz der strittigen Entscheidungen ging die Niederlage bei den dominanten Freiburgern in Ordnung.
