Beim Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und der TSG 1899 Hoffenheim (2:2) ist am Samstagnachmittag ein Zuschauer im Stadion verunglückt. Nach Angaben des 1. FC Köln stürzte ein 90-jähriger Mann eine Treppe hinunter. Er sei anschließend reanimiert und in sehr kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden. Weitere Informationen zum Gesundheitszustand liegen dem Verein zunächst nicht vor.
Der Notarzteinsatz wirkte sich auch auf die Atmosphäre im Stadion aus: Beide Fanlager stellten ihre Unterstützung kurz nach dem Anpfiff ein und blieben bis zum Abpfiff weitgehend still. Kölns Trainer Lukas Kwasniok deutete auf der Pressekonferenz nach dem Spiel seine Unzufriedenheit mit dem Verhalten der Fans an. Auf Nachfrage eines Reporters des »Kölner Stadt-Anzeigers« sagte er: »Für uns ist es natürlich schade, weil das Heimspiel dann nicht mehr so einen Vorteil darstellt, wie es mit dem Support der Südkurve der Fall ist.«
Laut Kwasniok habe die Mannschaft so etwas bereits zum wiederholten Mal erleben müssen: Mal seien bei Auswärtsspielen Fans nicht dabei gewesen, mal sei die Unterstützung bei Heimspielen nicht so gewesen, wie man es sich erhofft habe. Zugleich habe man Verständnis für Themen außerhalb des Fußballs. Es sei deshalb ein »zwiegespaltenes Thema«, dessen Besprechung zu lange dauern würde.
Bezug auf Kompanys Rede über Rassismus
Kwasniok verwies dabei auf die Rede von Bayern-Trainer Vincent Kompany zum Thema Rassismus vom Freitag. Er könne ebenfalls eine solche »Grundsatzrede« zur eingestellten Fanunterstützung halten – dafür würden allerdings zwölfeinhalb Minuten nicht reichen.
Kompany hatte bei einer Pressekonferenz am Freitag einen fast zwölf Minuten langen Monolog zum Vorfall um Vinícius Júnior bei Real Madrids Champions-League-Spiel bei Benfica Lissabon gehalten. Der Brasilianer hatte sich vehement darüber beschwert, von einem gegnerischen Spieler rassistisch angefeindet worden zu sein. Anschließend musste die Partie unterbrochen werden. Benfica-Profi Gianluca Prestianni bestritt die Vorwürfe.
Kompany sprach in differenzierter Weise über die Szenen und die Rolle von Benfica-Trainer José Mourinho. Er beklagte grundsätzlich den Umgang mit Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft. Mehr zu der Rede lesen Sie hier .
Andere Worte als Köln-Trainer Kwasniok fand sein Spieler Tom Krauß nach dem Abpfiff zum Notarzteinsatz. »Es war ein komisches Spiel, weil die Stimmung zu Recht nicht da war. Aber ich muss ehrlicherweise sagen, das ist dann auch Nebensache, weil man dann auch sieht, dass es auch andere wichtigere Sachen gibt als Fußball«, sagte Krauß sichtlich betroffen.
