Koa Kane? Erst mal koa Problem! Die meisten Bayernspieler wirkten in den vergangenen Tagen und Wochen ausgelaugt, im Fußballsprech würde man wohl sagen: »überspielt.« Was kein Wunder ist nach einer langen Vorsaison, der Klub-WM im Sommer und dem energieintensiven Kompany-Fußball in dieser Saison. Einer aber läuft immer seine Kilometer: Konrad Laimer.
Jetzt muss der österreichische Außenverteidiger ganz offenbar auch noch das Toreschießen übernehmen – wie in der elf Minute in Stuttgart. Er leitete die Aktion selbst ein, spielte auf Michael Olise, der zurück zu Laimer passte. Und was machte der? Ließ den Ball durch seine Beine gleiten und verwandelte dann mit der Hacke. Auf der Ersatzbank nickte Supertorjäger Harry Kane anerkennend. Sein Auftritt sollte noch kommen.
Die Ergebnisse:
VfB Stuttgart – FC Bayern 0:5 (0:1)
FC Augsburg – Bayer Leverkusen 2:0 (2:0)
1. FC Köln – FC St. Pauli 1:1 (0:0)
VfL Wolfsburg – FC Union Berlin 3:1 (2:0)
1. FC Heidenheim – SC Freiburg 2:1 (0:1)
Bereits am Freitagabend gewann Gladbach 1:0 in Mainz.
Arbeit ist nicht immer schön: Trotz des frühen Treffers schleppten sich die Bayern über den Platz, der VfB war die bessere Mannschaft, schoss in der ersten Hälfte neunmal in Richtung Tor, traf sogar einmal, aber aus Abseitsposition. Der Ausgleich wäre verdient gewesen, eigentlich auch die Schwaben-Führung. Aber der VfB schoss eben kein Tor, und die Bayern kämpften. Auch wenn das nicht immer klappte: Kurz vor der Pause wollte Dribbler Luis Díaz den Ball nach vorn dreschen, schlug ein Luftloch, es war eine bezeichnende Szene für den unglücklichen Auftritt.
17 Saisontore: Harry Kane
Foto: Ronald Wittek / EPAKane ist eben Kane: Auch nach der Pause war Stuttgart am Anfang das bessere Team, aber Bayerns Trainer Vincent Kompany hat nun mal den Luxus, ein paar nicht ganz so schlechte Spieler einwechseln zu können. Wie unter anderem Harry Kane, der, kurz nachdem er den Platz betrat, das 2:0 erzielte (66.). Auch danach probierte Stuttgart alles, ein Tor wollte dem VfB aber weiterhin nicht gelingen. Stattdessen legte Kane vom Elfmeterpunkt noch das 4:0 nach (82.), zuvor hatte der Stuttgarter Lorenz Assignon den Ball auf der Linie mit der Hand geblockt. In der 88. Minute erzielte Kane mit seinem dritten Treffer das 5:0. Die Bayern spielten sich in einen Rausch, ihr Fußball wirkte nun wieder wie der von vor einigen Wochen. Das 3:0 gelang zwischendurch Josip Stanisic nach einem Fehler von Keeper Alexander Nübel, der von den Bayern an Stuttgart verliehen ist.
Das können nur die Bayern: Der Rekordmeister spielte lange fahrig, kraftlos, schwerfällig. Und dennoch gewannen die Münchner deutlich bei den starken Stuttgartern, der vermeintliche Kampf um die Meisterschaft wird immer langweiliger. Was auch und vor allem an Kane liegt, der nun schon wieder 17 Bundesligatore erzielt hat in dieser Saison. Jonas Urbig, der im Tor statt Manuel Neuer starten durfte, ließ sich indes nichts zuschulden kommen.
Mehr als ein Weihnachts-Baum? Der FC Augsburg hatte viel vor mit seinem Trainer Sandro Wagner, geklappt hat das Experiment aber nicht. Jetzt ist Wagner Geschichte – und Ex-Trainer Manuel Baum interimsweise wieder da. Und schon spielt der FC Augsburg wieder wie der FC Augsburg der vergangenen Jahre. Einen Schönheitspreis gewinnt der Klub mit seinen vielen langen Bällen und den zahlreichen Grätschen nicht, für ein weiteres Jahr Bundesliga sollte das aber reichen. Gegen Leverkusen trafen Dimitrios Giannoulis (6.) und Anton Kade (28.) zum Sieg. Wenn das so weitergeht, steht Manuel Baum womöglich auch im kommenden Jahr noch an der Seitenlinie beim FCA.
Vergebene Liebesmüh: Dass Bayer viel mehr Ballbesitz hatte und augenscheinlich besser Fußball spielte? Wird dem FC Augsburg mit seinem neuen alten Trainer egal sein. Zumal Leverkusen zwar zu Chancen kam, aber zu ineffizient agierte. Und irgendwann auch zu kopflos, das verletzungsbedingte Fehlen von Schlüsselspieler Alejandro Grimaldo konnte Bayer zu keiner Zeit kompensieren.
Einer für Nagelsmann: Die Geschichte der ersten Hälfte zwischen Köln und St. Pauli ist schnell erzählt: Es passierte wenig bis nichts. Und als geneigter Beobachter musste man befürchten, dass das auch nach der Pause so weitergeht. Glücklicherweise bewahrheite sich diese Furcht nicht, und das lag – natürlich – an Kölns Supertalent Saïd El Mala. Nach einem Befreiungsschlag lief er einfach seinen Bewachern davon, lief fast über den halben Platz und verwandelte dann cool (51.). Behält er diese Form, könnte er tatsächlich ein Kandidat für Julian Nagelsmanns WM-Kader sein.
Läuft allen davon: Saïd El Mala
Foto: Oliver Kaelke / DeFodi Images / IMAGOSt. Pauli lebt: El Mala verließ dann den Platz – und von St. Pauli kam weiter: nichts. Keine Offensivaktionen, keine Chancen, kein Aufbäumen. Man rechnete schon fast mit der zehnten Niederlage in Folge. Doch dann kam ganz spät Ricky-Jade Jones, der nach einer Flanke hochstieg und St. Pauli mit dem ersten (!) Torschuss der Kiezkicker zum Ausgleich köpfte. Der Punktgewinn ist glücklich, aber ohne Glück entkommt man einer solch monströsen Negativserie auch nicht.
Was für die Fans: Zuletzt gewann der VfL Wolfsburg im Januar ein Bundesligaheimspiel. Ob das am nicht immer ausverkauften Stadion und der oft mauen Stimmung lag? Zäh waren die zahlreichen Sieglos-Spiele für die Fans der Wölfe gewiss. Nun ist die Serie vorbei, der VfL besiegte ein unterlegenes Union Berlin 3:1 und will nun eine Siegesserie starten.
Nur kurzes Wölfe-Zittern: Wolfsburg war dabei von Anfang an das bessere Team, Kevin Wimmer (10.), Mohamed Amoura (30.) und Lovro Majer (59.) schossen eine vermeintlich beruhigende Führung heraus. Zwar gelang Stanley N'soki der Anschluss (68.), für mehr reichte es aus Union-Sicht aber nicht. Auch, weil Leopold Querfeld kurz vor Ende einen Strafstoß vergab. Danach verteidigte Wolfsburg die drei Punkte.
Im Keller brennt noch Licht: Der 1. FC Heidenheim war für viele Beobachter nach dem miserablen Saisonstart schon abgeschrieben. Doch dann gewann das Team von Frank Schmidt in der Vorwoche bei Union Berlin – und ist jetzt voll zurück. Gegen Freiburg geriet Heidenheim zwar durch einen Treffer von Johan Manzambi (40.) in Rückstand, nachhaltig beeindruckt war das Team davon aber nicht. Heidenheim grätschte, Heidenheim kämpfte, und Patrick Mainka (59.) glich das Spiel aus. Doch damit nicht genug.
Der Superjoker: Schon in der Vorwoche traf Stefan Schimmer in der Nachspielzeit, auch gegen Freiburg wurde er wieder eingewechselt – und schoss sein Team erneut spät ins Glück. In der vierten Minute der Nachspielzeit umkurvte er Freiburgs Keeper Noah Atubolu und traf zum 2:1. Es war sein vierter Jokertreffer der Saison.
Heidenheim jubelt, in der Tabelle ist man 16.
Foto: Jan-Philipp Strobel / dpaVoll dabei: In den ersten neun Saisonspielen hat Heidenheim fünf Punkte zusammengekratzt, in den vergangenen zwei gleich sechs. Ein Team mit diesem Kampfgeist sollte man nicht abschreiben, und schon gar nicht während der Hinrunde.
