SpOn 31.01.2026
17:34 Uhr

Bundesliga: Eintracht Frankfurt kennt nur noch eine Richtung - abwärts


Frankfurt verliert erneut und hofft auf die Wende unter einem neuen Coach. Mainz hat den Trainerwechsel bereits hinter sich – und damit Erfolg. Und: Hoffenheim ist so gut wie lange nicht, aber auch ein echter Bayern-Jäger?

Bundesliga: Eintracht Frankfurt kennt nur noch eine Richtung - abwärts

Die Erlösung: Die Bundesliga-Konferenz am Samstag soll eigentlich ein Feuerwerk sein: alle paar Minuten ein Torschrei, ein Elfmeter, ein Platzverweis, das volle Programm. Doch an diesem Nachmittag, fünf Partien am 20. Spieltag parallel, geschah zunächst: nichts. Gähn, gähn, gähn. Bis plötzlich in der 26. Minute der Ruf kam: »Tor in Frankfurt!« Ein Reporter bei Dazn klang spürbar erleichtert, und tatsächlich: Eine elegante Hackenvorlage von Leverkusens Alejandro Grimaldo fand den mitgelaufenen Arthur, der Eintracht-Torhüter Kaua Santos mit einem Schuss aus spitzem Winkel überwand. Fußball kann so schön sein, wenn er denn stattfindet.

Die Ergebnisse am Samstagnachmittag:
Eintracht Frankfurt – Bayer Leverkusen 1:3
Werder Bremen – Borussia Mönchengladbach 1:1
RB Leipzig – Mainz 05 1:2
FC AugsburgFC St. Pauli 2:1
TSG Hoffenheim – Union Berlin 3:1

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Leverkusens Arthur beendet die Torkrise in der Samstagskonferenz

Leverkusens Arthur beendet die Torkrise in der Samstagskonferenz

Foto: Heiko Becker / REUTERS

Ungebremster Absturz: Mit Leverkusens Führungstreffer – dem ersten Tor der Samstagskonferenz – endete die große Langeweile. Und die Werkself hatte sichtlich Appetit bekommen: Nur wenige Minuten später legte Malik Tillman das 2:0 gegen Eintracht Frankfurt nach. Am Ende wurde es ein Sieg, der Leverkusen im Rennen um die Champions-League-Plätze hält – und Frankfurt noch tiefer in die Krise stürzt. In der Königsklasse schon früh gescheitert, in der Bundesliga seit Mitte Dezember ohne Sieg, im Pokal längst draußen, Chefcoach Dino Toppmöller freigestellt, bei der Eintracht geht die Talfahrt ungebremst weiter. Zeit, dass Montag wird.

Neues Gesicht: Denn am kommenden Montag soll bei Frankfurt alles besser werden, mit Albert Riera als neuem Cheftrainer. Eine Verpflichtung, die man als aufregend bezeichnen kann, vielleicht aber auch als riskant. Der 43-jährige Spanier war zuletzt in Slowenien bei NK Celje tätig, was selbst für Fußballkenner kein ganz großer Name ist. In Deutschland ist Riera bislang ein unbeschriebenes Blatt, doch Sportvorstand Markus Krösche hält große Stücke auf ihn. Riera sei ein »moderner Trainer«, jemand, der auf intensiven, offensiven Fußball stehe. Und offenbar ist das keine spontane Eingebung, die Frankfurter sollen ihn schon seit zweieinhalb Jahren beobachtet haben.

SGE-Trainer ab Montag: Riera war als Spieler unter anderem für den FC Liverpool aktiv

SGE-Trainer ab Montag: Riera war als Spieler unter anderem für den FC Liverpool aktiv

Foto: Ludek Perina / Zuma Press / dpa

Hoffenheims Höhenflug: Nun ja, von einem Bayern-Jäger zu sprechen, fällt in diesem Jahr schwer. Der Rekordmeister thront mit 50 Punkten an der Spitze, dahinter folgen Dortmund und, man wundert sich, die TSG Hoffenheim, beide mit 42 Punkten. Fünf Spiele, fünf Siege im Jahr 2026: Die Kraichgauer sind perfekt aus der kurzen Winterpause gekommen. Der Umschaltfußball unter dem Österreicher Christian Ilzer wirkt immer flüssiger, immer mutiger. Dieses Mal war es Andrej Kramarić, der Union bereits kurz vor der Pause mit zwei Treffern erledigt hatte. Nach dem Seitenwechsel hätte der Kroate beinahe sein drittes Tor erzielt, doch dann rutschte Unions Diego Leite vor ihm an den Ball und schob ihn ins eigene Tor.

Eine Frage bleibt: Aber sind die Hoffenheimer wirklich ein ernstzunehmender Bayern-Jäger? Die Antwort gibt es in einer Woche, im Topspiel in der Münchner Allianz-Arena am 8. Februar (17.30 Uhr, Stream: Dazn).

Ilzer > Rangnick: Nur um die aktuelle Hoffenheimer Stärke einzuordnen: Die 42 Punkte nach 20 Spieltagen sind mehr, als der Klub in seinem legendären Premierensaison 2008/2009 gesammelt hatte. Damals führte die TSG unter Trainer Ralf Rangnick sensationell nach der Hinrunde die Bundesliga an, stand nach 20 Spieltagen bei 39 Punkten, drei weniger als heute.

Bremer Serie: Nun ein 1:1 gegen Gladbach, davor 0:2 gegen Hoffenheim, 0:1 gegen Leverkusen, 3:3 gegen Frankfurt, 0:3 beim BVB, 0:0 in Augsburg, 0:4 gegen Stuttgart, 2:3 beim HSV, 1:1 gegen Köln, 0:2 in Leipzig – die Bilanz liest sich wie ein Warnhinweis. Am 7. November 2025 war es zuletzt so weit: ein 2:1 gegen Wolfsburg, der bislang letzte Sieg der Bremer. Seit zehn Spieltagen wartet Werder nun auf ein Erfolgserlebnis. Man weiß, was das bedeutet.

Gesetze der Krise: Unter der Woche machten bereits Gerüchte die Runde, Werders Trainer Horst Steffen könnte bald Geschichte sein. Der Druck auf ihn ist jetzt noch einmal gewachsen, auch wenn Keke Topps Ausgleichstreffer in der vierten Minute der Nachspielzeit gegen Gladbach eine totale Untergangstimmung verhindert hat. Trotzdem: Noch in der Vorsaison hatte Werder unter Ole Werner am Europapokal geschnuppert. Jetzt, mit dem einstigen Elversberger Fast-Aufstiegshelden an der Seitenlinie, steht die Mannschaft nur einen Punkt über dem Relegationsplatz.

Gewinner des Spieltags: Das war Mainz 05, das beim Champions-League-Kandidaten RB Leipzig mal eben drei Punkte entführt hat. Die Rheinhessen hatten die Trainerwechselkarte im Abstiegskampf schon Anfang Dezember ausgespielt und mit Urs Fischer den früheren Erfolgstrainer von Union Berlin geholt. Seine Bundesliga-Bilanz seitdem: drei Siege, drei Remis, eine Niederlage. Für einen Klub, der fast schon wie ein sicherer Absteiger wirkte, ist das: nicht so schlecht.

Fischer-Effekt: Mainz hat eine starke Entscheidung getroffen

Fischer-Effekt: Mainz hat eine starke Entscheidung getroffen

Foto: Karina Hessland / REUTERS

Verlierer des Spieltags: Und das war der FC St. Pauli, der in Augsburg eigentlich richtig gut gespielt und sogar geführt hatte. 17 Torschüsse, dazu die klar besseren Chancen, rein nach Zahlen hätten die Hamburger gewinnen müssen. Taten sie aber nicht. Mal wieder nicht. 14 Punkte nach 20 Spieltagen sind schon sehr dürftig.

Ausblick: Einen kleinen Satz im Abstiegskampf könnte der Hamburger SV am Samstagabend machen. Gewinnt der HSV im Volksparkstadion, könnte er von Platz 15 bis auf Rang zwölf klettern. Der Haken: Gegner ist der FC Bayern. Es ist der erste Nord-Süd-Gipfel – falls man das heute überhaupt noch so nennen mag – zwischen Hamburg und München im Volksparkstadion seit Oktober 2017. Das Hinspiel beim FC Bayern verlor der HSV 0:5.