Ich weiß, wie du letzten Sommer versagt hast: Gemütlich schipperte Borussia Dortmund dem Heimsieg über den FC St. Pauli entgegen. Julian Brandts Führungstor verhinderte erneute Pfiffe zur Pause (45.+1 Minute), Karim Adeyemi legte nach dem Seitenwechsel nach (54.). Die Gäste vom Kiez? Siebzehnter! Was sollte also schon passieren? Beinahe dasselbe Malheur, das Schwarz-Gelb schon im August zum Saisoneinstand unterlaufen war. Damals schenkte Dortmund eine Zwei-Tore-Führung her, heute brachten James Sands (62.) und der eingewechselte Ricky-Jade Jones (72.) St. Pauli zurück in ein Spiel, das nie hätte spannend werden dürfen.
Erkennen Sie ohne kalibrierte Linie, ob der Ricky-Jade Jones Maximilian Beier im oder vor dem Strafraum trifft?
Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERSDass der Frust der Hinrunde nicht völlig reproduziert wurde, hatte dann wieder mit Jones zu tun. Der nämlich trat in der Nachspielzeit Maximilian Beier um, und nach VAR-Prüfung stand fest: Der Treffer fand im Strafraum statt. BVB-Kapitän Emre Can versenkte den Elfmeter (90.+4), die Ergebnisse stimmen also weiter in Dortmund. Aber auch nur die.
Die Ergebnisse: Dank des 3:2 (1:0) festigt der BVB seinen Status als zweite Kraft in der Bundesliga. Die TSG Hoffenheim ist nach dem 1:0 (1:0) über Bayer Leverkusen ein ernsthafter Kandidat für die Champions League. Der 1. FC Köln gewinnt nach Rückstand 2:1 (0:1) gegen Mainz, Wolfsburg und Heidenheim trennen sich 1:1 (0:1), zwischen dem Hamburger SV und Borussia Mönchengladbach fielen keine Tore. Ganz anders bereits gestern: Werder Bremen und Eintracht Frankfurt spielten 3:3 (1:1).
Abteilung Sauerland: 23 Kilometer liegen zwischen den Ortschaften Brilon und Marsberg im Hochsauerland. Bundeskanzler Friedrich Merz und BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke wuchsen quasi in direkter Nachbarschaft auf, sind bis heute in schwarz-gelber Freundschaft verbunden. So ließ es sich der Kanzler nicht nehmen, das Dortmunder Heimspiel gegen den FC St. Pauli neben Watzke auf der Tribüne zu verfolgen. In Dortmund zugegen war er ohnehin – weil er vom Bäckerinnungsverband West mit dem »Großen Stutenkerl« ausgezeichnet wurde. Watzke hatte die Laudatio gehalten.
Der Kopf von Schwarz-Gelb neben dem Kopf von Schwarz-Rot
Foto: Ina Fassbender / AFPHarm sieht Arm: Für Merz war es der erste Stadionbesuch als Kanzler. Zuvor hatte er sich vor allem als schlechtes Omen verdingt: Im Mai 2023 sah Merz, wie der BVB am letzten Spieltag mit einem Remis gegen Mainz die Meisterschaft aus der Hand gab, ein Jahr später wohnte er in London der schwarz-gelben Niederlage im Champions-League-Finale gegen Real Madrid bei. Und diesmal? Entschied Schiedsrichter Harm Osmers früh auf Handelfmeter für St. Pauli. Der wurde dann vom Videoassistenten flugs wieder einkassiert, Fábio Silvas Arm war so angelegt wie irgend möglich (18.). Es blieb vorerst beim Schreckmoment.
Kein Platz für Übergriffe: Den Hamburger SV belastet die Causa Stefan Kuntz: Gegen den geschassten Sportvorstand lagen schwere Anschuldigungen vor, Kuntz soll sich Mitarbeiterinnen des Klubs gegenüber wiederholt anzüglich und übergriffig verhalten haben. Kuntz' Abgang war folgerichtig, die Frage, wie seine kolportierten Verfehlungen so lange toleriert werden konnten, dürfte den HSV aber noch länger beschäftigen. Die organisierten Fans des HSV positionierten sich vor dem Duell mit Mönchengladbach per Banner: »Ob Block oder Vorstandsflur: Kein Platz für Übergriffe in unserem Verein. Solidarität mit allen betroffenen HSV-Mitarbeiterinnen!«
Mit Dach und Krach: Sportlich durfte der HSV in der englischen Woche durchschnaufen. Am Dienstagabend musste die Partie gegen Leverkusen spontan abgesagt werden, nach Schneefall und Tauwetter hatte es Bedenken um die Statik des Dachs im Volksparkstadion gegeben. Gegen Gladbach war die Arena wieder freigegeben – und die Fans sahen ebenso viele Tore wie nach der Spielabsage, nämlich keines. Ärgern dürfte das vor allem die Hamburger, die das Spiel 90 Minuten lang dominiert hatten, aber im Abschluss zu harmlos blieben.
2026 wird unser Jahr: 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach, 1:0 gegen Leverkusen – bei der TSG Hoffenheim starten sie furios in den Januar. Dank des direkt verwandelten Freistoßes von Wouter Burger springt der Klub zwischenzeitlich auf Platz drei.
Pechvogel Flekken: Ein Gegentreffer aus knapp 30 Metern ist schon schlimm genug, wenn man mit einer Flanke rechnet und den Ball formschön unterläuft, ist es noch schlimmer. Damit war der Arbeitstag von Leverkusens Torhüter Mark Flekken allerdings noch nicht am Tiefpunkt angekommen. In der 60. Minute musste der Niederländer wegen Oberschenkelproblemen ausgewechselt werden.
Selten, aber schön: Man tut Stefan Bell nicht unrecht, wenn man ihn eher in der Kategorie Torverhinderer einordnet. Seit mehr als dreieinhalb Jahren hat der 34-jährige Mainzer Defensivspieler nicht mehr in der Bundesliga getroffen, aber in Köln channelte er plötzlich seinen inneren Lionel Messi: Nach einem Einwurf drehte er sich geschmeidig um Gegenspieler Eric Martel und jagte den Ball unter die Latte. Ein seltener Bell, ein tolles Tor.
Doppeltorschütze Ragnar Ache feiert mit Saïd El Mala
Foto: Marius Becker / dpaAn- und Entspannung in Köln: Als Aufsteiger tummelt sich der FC tabellarisch im Mittelfeld, gegen den FC Bayern zeigte man unter der Woche eine ansprechende Leistung. Also alles okay? Mitnichten. Teile der Fanszene murren gegen Trainer Lukas Kwasniok und das 0:1 nach 45 Minuten sorgte für Halbzeitluft zum Schneiden. 45 Minuten später war die Luft voller Konfetti und der FC gewann erstmals nach acht Spielen wieder.
Psychospielchen: Wer binnen vier Wochen die Duelle bei den direkten Abstiegskonkurrenten St. Pauli und Mainz verliert, dem dürfte eigentlich nicht mehr zu helfen sein. Doch in Heidenheim haben sie die »Jede Partie ist ein Endspiel«-Mentalität so verinnerlicht, dass ihnen das nichts anhaben kann. Dank Adrian Beck ist das Team von Frank Schmidt wieder mittendrin.
Wolfsburg, wohin? Der Plan war logisch und einfach: Gegen die beiden Tabellenkinder St. Pauli und Heidenheim gewinnen und dann die Rückrunde entspannt durchspielen. Teil eins des Plans ging unter der Woche auf, Teil zwei scheiterte. Statt neun Punkten Vorsprung sind es weiterhin sechs auf den Relegationsrang – und es scheint in Wolfsburg nicht viele zu interessieren. Keine 20.000 Fans wollten den VfL sehen.
