SpOn 22.11.2025
17:41 Uhr

Bundesliga: Bayern München dreht Partie gegen den SC Freiburg


Nach 17 Minuten liegt der FC Bayern 0:2 gegen den SC Freiburg hinten – der souveräne Tabellenführer reagiert auf seine Weise. Dortmund verspielt eine deutliche Führung, für Heidenheim wird es finster.

Bundesliga: Bayern München dreht Partie gegen den SC Freiburg

Ruhe, bitte: Still und stumm ging es zu in der Anfangsphase dieses Bundesligaspieltages. Die organisierten Fans, die zuletzt zu Tausenden in Leipzig noch lautstark auf die Straße gegangen waren, griffen in den Stadien zur Gegenstrategie. Bewusst wurde in den ersten zwölf Minuten auf Support verzichtet. Eine Ausdrucksform des Protestes gegen die Forderungen der Innenminister, repressiv gegen vermeintliche Gewalttäter vorzugehen. In einer Zeit, in der das, was man so gern als Stadionerlebnis bezeichnet, so sicher ist wie eigentlich noch nie. Ein Slogan beherrschte die Plakate: »Soll das die Zukunft des Fußballs sein?«

Die Resultate des Spieltages: Bayern München – SC Freiburg 6:2 (2:2), Borussia Dortmund – VfB Stuttgart 3:3 (2:0), FC Augsburg – Hamburger SV 1:0 (0:0), VfL Wolfsburg – Bayer Leverkusen 1:3 (0:3), 1. FC Heidenheim – Borussia Mönchengladbach 0:3 (0:1).

Sieh mal einer an: Nach zwölf Minuten des Fan-Schweigens wurden die Bayern-Anhänger noch stiller, als Yuito Suzuki (12. Minute) und Johan Manzambi (17.) Majestätsbeleidigung betrieben und die Gäste bei den Super-Bayern 2:0 führten. Wie schon beim 2:2 bei Union Berlin offenbarten die Münchner ihre Schwäche: Standardsituationen verteidigen. Aber es war dann doch nur ein Aufflackern. Lennart Karl (22.) und Michael Olise (45.+2) stellten die Hackordnung schon zur Pause wieder her. Die Bayern zu reizen, sehr gefährlich!

Statistik des Spieltags: Der Bundesligaprofi Maximilian Eggestein, derzeit beim SC Freiburg unter Vertrag, hat zum 19. Mal in seiner Karriere gegen den FC Bayern gespielt, 19-mal hat er nicht gewonnen. Damit ist er schon fast rekordverdächtig. Nur die Duisburger Fußball-Ikone Detlef Pirsig liegt noch vor ihm: 20 Spiele in den Sechziger- und Siebzigerjahren gegen Borussia Mönchengladbach ohne einen einzigen Erfolg. Und noch eine Zahl: Es war das 26. Heimspiel der Bayern gegen Freiburg in der Liga-Historie – und zum 26. Mal hat der FC Bayern nicht verloren: 25 Siege, ein einziges Unentschieden.

Kane gegen alle: Vor dem Spiel herrschte noch Gleichstand. 13 Saisontore für Harry Kane, dreizehn Saisontore SC Freiburg. Kane gelang nur ein Tor, und die Gäste trafen doppelt. Klarer Erfolg für den SC Freiburg.

BVB daheim: Es war das fünfte Heimspiel der Dortmunder in dieser Saison, einen Punkt hatte Schwarz-Gelb bis dahin abgegeben. Auch der VfB Stuttgart durfte zwar zunächst auf Augenhöhe mithalten, aber die Tore machte der BVB. Emre Can per Foulelfmeter und Maximilian Beier schienen die Partie schon vor der Pause entschieden zu haben. Wer allerdings gegen Stuttgart versucht, ein 2:0 über 45 Minuten lang nur noch zu verwalten, riskiert, dass Deniz Undav einem drei Tore einschenkt. Am Schluss wurde es turbulent, erst traf Karim Adeyemi (89.), dann besagter Undav (90.+1). Wie schon gegen St. Pauli und den HSV gab der BVB wieder eine Führung kurz vor Schluss ab. Der Klub scheint ein akutes Führungsproblem zu haben.

Deniz Undav traf dreifach

Deniz Undav traf dreifach

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

Dortmunds Geheimwaffe: Nach all dem Wirbel der Vortage saß Nationalspieler Adeyemi zum Anpfiff nur auf der Bank. Was natürlich nichts mit all den Schlagzeilen um illegalen Waffenbesitz zu tun hat. Das Kalkül von BVB-Coach Niko Kovač war vermutlich vielmehr, dass der Stürmer nach seiner Einwechslung sofort einschlägt. Das passierte in der Schlussphase sogar wirklich, als Adeyemi einen Konter von Box zu Box zum 3:2 vollendete. Eine Vorbildszene für das anstehende Kindertraining in der Nordstadt.

Mantel des Schweigens: Der Anblick des weißen Wintermantels von DAZN-Experte Sami Khedira, den er im Dortmunder Stadion auftrug, ist schon fast die 44,99 Euro Monatsgebühr für den Streamingdienst wert. Man wird diesen Eyecatcher ab 2027 vermissen, wenn DAZN die Champions-League-Rechte abgibt. Am Samstag schaltete der Sender noch die Eigenwerbung: »Die Königsklasse gehört uns!« Aber nicht mehr lange.

Nullnummern: In der DAZN-Konferenz wurde in gewünschter Manier Torschrei nach Torschrei artikuliert, nur der Kollege, der die Partie des FC Augsburg gegen den HSV übertrug, musste lange Zeit beschämt schweigen. Die Partie der beiden Abstiegsanwärter war genau das: eine Partie zweiter Abstiegsanwärter. Mit dem besseren Ende für die Gastgeber: In der 75. Minute durfte dann endlich auch der Augsburg-Reporter »Tor« jubeln. FCA-Coach Sandro Wagner atmet durch, Augsburg zieht am HSV in der Tabelle vorbei.

Werksico: Zum 57. Mal standen sich der VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen in der Bundesliga gegenüber, das darf man echte Tradition nennen. Aber selten waren die Machtverhältnisse so früh so klar: Nach einer halben Stunde hatte Bayer schon drei Treffer durch Jonas Hofmann, Edmond Tapsoba und Malik Tillman erzielt. Während Bayer den Umbruch erfolgreich vollzogen zu haben scheint, geht die Abwärtsfahrt der Wolfsburger auch unter Interimscoach Daniel Bauer weiter. Die zweite Hälfte war zwar eine einzige Aufholjagd der Gastgeber, aber sie blieb letztlich fruchtlos. Es läuft und läuft und läuft nicht.

Ohne Holland fahren sie durch die Saison: Beide Teams waren zum Start der Saison mit niederländischen Trainern angetreten, die Zeit von Paul Simonis und Erik ten Hag ist allerdings schon wieder beendet. Es wurde in diesem Medium an anderer Stelle bereits gemutmaßt, der Erfolglosigkeit der Oranje-Trainer in der Bundesliga liege eine ausgeklügelte Strategie unserer Nachbarn zugrunde, um das fußballerische Niveau in Deutschland mit Kalkül herunterzuziehen. Hier noch mal zur Klarstellung für den einen oder anderen Leser: DAS WAR IRONIE. Dick Advocaat, der bei Gladbach einst in der Winterpause sinn- und ziellos Spieler mit der Schubkarre verpflichtete, hat derweil mit Curaçao die WM-Teilnahme geschafft. Vielleicht ist doch etwas dran an der Theorie.

Ein kleiner Dienst fürs Team, ein großer für ihn selbst: Seit Mitte Mai fehlt Tim Kleindienst der Gladbacher Borussia durch eine langwierige Meniskusgeschichte. Nach fünf Monaten Pause saß der Nationalspieler erstmals wieder auf der Bank, just in Heidenheim, wo er zum Zweitliga-Torschützenkönig wurde und in die Bundesliga aufstieg. Sein Mittun war aber nicht notwendig, die Gladbacher feierten durch Tore von Kevin Diks (45.+1), Haris Tabakovic (55.) und Shuto Machino (76.) auch ohne Kleindienst den dritten Sieg in Folge und lassen die Abstiegszone und die Heidenheimer immer weiter hinter sich. In der 90. Minute durfte Kleindienst dann endlich wieder aufs Feld.

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Trainerschicksale: Eugen Polanski erlebte auf dem Heidenheimer Schlossberg seine ersten 90 Minuten als offizieller Chefcoach und macht derzeit eine Hochphase mit. Sein Kollege Frank Schmidt erlebte sein 720. Pflichtspiel mit den Heidenheimern, sein frustriert-verzweifelter Blick wird mittlerweile zur Folklore. Der, der mit Heidenheim alles erreicht hat, was man als 1. FC Heidenheim erreichen kann, durchleidet momentan harte Wochen. Tabellenletzter, es wird schwierig.