SpOn 08.12.2025
19:40 Uhr

Bundeskriminalamt: Etwa jeder elfte Tatverdächtige Zuwanderer


Zuwanderer stellten vergangenes Jahr laut einer BKA-Analyse neun Prozent der Tatverdächtigen in Deutschland, insgesamt war die Zahl rückläufig. Deutlich zugenommen haben dagegen politisch motivierte Straftaten gegen Zuwanderer.

Bundeskriminalamt: Etwa jeder elfte Tatverdächtige Zuwanderer

Zuwanderinnen und Zuwanderer machen nach einer Datenauswertung des Bundeskriminalamts (BKA) knapp neun Prozent aller Tatverdächtigen im Bereich »Allgemeinkriminalität« aus. Im Jahr 2024 gab es demnach insgesamt 1,97 Millionen Tatverdächtige, 697.000 davon hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit, 172.000 waren nach BKA-Definition Zuwanderer.

Veröffentlicht hat die Zahlen das BKA im jährlichen Lagebild »Kriminalität im Kontext von Zuwanderung« . Als Zuwanderer oder »in Deutschland aufhältige Geflüchtete« werden darin Asylbewerber, anerkannte Geflüchtete, geduldete und ausreisepflichtige Personen geführt. Mit »Allgemeinkriminalität« sind Taten gemeint, die nicht politisch motiviert sind. Auch ausländerrechtliche Verstöße werden hier nicht mitgezählt.

Verglichen mit ihrem Anteil an der Bevölkerung erfasst die Polizei Ausländer in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) überproportional häufig, sowohl als Tatverdächtige als auch als Opfer. Das liegt zum einen an der Demografie: Der Anteil junger Männer unter Ausländern ist höher als unter Deutschen, und diese Gruppe wird unabhängig von der Nationalität häufiger auffällig, wie etwa eine interne Analyse des BKA aus dem Frühjahr zeigte .

Dazu kommen weitere soziale Faktoren wie geringe Bildung und Einkommen, eigene Gewalterfahrungen und die Lebensumstände, etwa in Asylbewerberunterkünften, die allesamt als Risikofaktoren gelten. Gegen Menschen, die als »fremd« oder »migrantisch« wahrgenommen werden, bestehe zudem eine »erhöhte Anzeigebereitschaft«, so das BKA.

Fälle im Bereich der Sexualstraftaten sinken

In den Bereichen Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung waren dem Bericht zufolge rund zwölf Prozent aller Tatverdächtigen Zuwanderer. Auch bei Diebstahl, Vermögens- und Fälschungsdelikten lag ihr Anteil bei etwa zwölf Prozent. Bei Sexualstraftaten, sogenannten Rohheitsdelikten wie Körperverletzung und Rauschgiftdelikten waren zwischen acht und zehn Prozent der Verdächtigen Zuwanderer.

Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer im Bereich der Sexualstraftaten sank demnach um 3,9 Prozent, während die Zahlen dazu in der PKS insgesamt stiegen. Genau umgekehrt sah es bei Gewaltdelikten aus: Hier stiegen die Zahlen bei Zuwanderern stärker als insgesamt ermittelt.

Hauptsitz des Bundeskriminalamts in Wiesbaden

Hauptsitz des Bundeskriminalamts in Wiesbaden

Foto: Susann Prautsch / picture alliance / dpa

Die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer im Bereich der Organisierten Kriminalität, etwa Drogen oder Schleuserkriminalität, stieg derweil an, um 9,4 Prozent. In fast jedem dritten Ermittlungsverfahren zu Organisierter Kriminalität wurden Zuwanderer als Tatverdächtige festgestellt.

Zahlen sinken wegen Cannabislegalisierung

Insgesamt sank die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer im vergangenen Jahr um 3,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Grund: Die Ampelregierung legalisierte im April 2024  Cannabis teilweise. Der Vergleich zum Vorjahr sei, so das BKA, deshalb nur beschränkt aussagekräftig, da sich die Teillegalisierung auf die Statistik auswirke.

Die Zahl der »in Deutschland aufhältigen Geflüchteten« überstieg dem Bericht zufolge 2024 erstmals die Drei-Millionen-Marke (2023: 2,9 Millionen). Gut ein Drittel kam aus der Ukraine (1,1 Millionen), vor Syrien (629.000), Afghanistan (323.000) und dem Irak (167.000). Insgesamt hat Deutschland etwa 83,5 Millionen Einwohner, die Zuwandererquote liegt also bei circa 3,6 Prozent.

Der Anteil tatverdächtiger Ukrainer habe mit 12,8 Prozent weit unter ihrem Anteil an den Zuwanderern (35,7 Prozent) gelegen, heißt es im Lagebericht. Das Gegenteil ist demnach der Fall bei Personen aus den Maghrebstaaten (Algerien, Marokko, Tunesien). Sie machten lediglich 0,5 Prozent der Zuwanderer aus, ihr Anteil an den Tatverdächtigen innerhalb der Gruppe der Zuwanderer lag aber bei 9,1 Prozent.

Tatverdächtige aus diesen Ländern sowie aus Libyen und Georgien waren dem Bericht zufolge zudem besonders häufig Mehrfachtatverdächtige. Fast jeder dritte zugewanderte Tatverdächtige war mehrfachtatverdächtig. Sie waren an 77 Prozent aller Straftaten mit tatverdächtigen Zuwanderern beteiligt.

Syrer und Afghanen machten rund 21 beziehungsweise 10 Prozent der Tatverdächtigen aus, was in etwa ihrem Anteil an in Deutschland lebenden Zuwanderern entspricht.

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Erstmals hat das Bundeskriminalamt auch ausgewertet, an welchen Orten die Straftaten am häufigsten stattfinden. Mehr als jede vierte Straftat (27,5 Prozent) mit mindestens einem zugewanderten Tatverdächtigen spielte sich in Dienstleistungs- und handwerklichen Einrichtungen ab, etwa in Geschäften. Der zweithäufigste Tatort war der ÖPNV (19,5 Prozent). Deutlich seltener, in 13,8 Prozent der Fälle, waren öffentliche Straßen der Schauplatz.

Das BKA-Lagebild betrachtet auch die politisch motivierte Kriminalität gegenüber Zuwanderern. Demnach sind die gemeldeten politisch rechts motivierten Straftaten um rund 15 Prozent gestiegen. Dabei handelt es sich vor allem um Volksverhetzungen, Beleidigungen, Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Nötigungen und Bedrohungen. Die Anzahl der Gewaltdelikte war demnach leicht rückläufig.

In der Kriminalstatistik tauchen Ausländer überproportional oft auf. In einer internen Analyse liefert das Bundeskriminalamt mögliche Erklärungen, Armut etwa. Und die hohe Zahl junger Männer. Lesen Sie hier mehr dazu .

kub/sep/dpa