»Widerwärtigen Charakter«, »politische Naivität«: Der iranische Außenminister Abbas Araghchi ist Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Plattform X ungewohnt heftig angegangen – nun hat sich der Kanzler zu der Stichelei aus Teheran geäußert. »Ich habe diesen Tweet gesehen«, sagte Merz in Doha, Katar. Das sei »offensichtlich Ausdruck von großer Nervosität und Unsicherheit«.
Der Kanzler reist seit Mittwoch durch die Golfregion. Die Spannungen zwischen den USA und Iran hätten in seinen Gesprächen am Mittwoch in Saudi-Arabien und Donnerstag in Katar eine große Rolle gespielt, sagte der CDU-Vorsitzende. In der Region sei die Sorge vor einer Eskalation groß. Der Kanzler rief die iranische Führung auf, in Gespräche mit den USA einzutreten.
Hintergrund sind Gespräche zwischen Iran und den USA, die iranischen Angaben zufolge am Freitag in Oman beginnen sollen. Teheran will nach eigenen Aussagen nur über sein Atomprogramm verhandeln. Die USA wollen auch das Raketenprogramm, Menschenrechtsverletzungen und die Unterstützung bewaffneter antiisraelischer Gruppen wie Hamas, Hisbollah und die Huthis thematisieren.
Schon zum Auftakt seiner Reise hatte Merz Iran mit neuen Sanktionen gedroht, falls Teheran nicht die Gewalt gegen die eigene Bevölkerung und die Arbeit am militärischen Atomprogramm beenden sollte.
Germany was once the engine of Europe’s progress; now it has turned into an engine of regression.
— Seyed Abbas Araghchi (@araghchi) February 5, 2026
Last September in New York, at Merz’s insistence, the E3 put an end to their role in nuclear negotiations by pursuing the return of UN sanctions on Iran. Now, Merz is begging to be… https://t.co/Stpjb9agnv
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In seinem Post betonte der iranische Außenminister nun, Iran habe stets enge Beziehungen zu Deutschland gepflegt. »Umso bedauerlicher ist es, dass nun eine Person wie Herr Merz Deutschland auf der Weltbühne vertritt.«
Araghchi machte in seinem Post deutlich, dass er nicht mehr auf Merz, sondern auf einen anderen Bundeskanzler setzt. »Wir hoffen, dass Deutschland wieder eine reifere und ehrenhafte politische Führung bekommt«, schrieb er.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und dem islamistischen Regime sind seit Langem schwierig. Deutschland geht seit Jahren gemeinsam mit anderen Staaten mit Sanktionen gegen Iran vor.
Nach der blutigen Niederschlagung der Massenproteste mit Tausenden Toten im Januar hatte die Europäische Union diese Maßnahmen verschärft und etwa die iranischen Revolutionswächter als Terrorgruppe eingestuft. Kanzler Merz sagte öffentlich, dass er mit dem Ende des Regimes in naher Zukunft rechne.
Wie das islamistische Regime mit gnadenloser Gewalt gegen Demonstranten vorging, erfahren Sie in dieser SPIEGEL-Rekonstruktion .

